https://www.faz.net/-gqe-9euun

Nach acht Jahren Abwesenheit : Ryanair kehrt nach Frankreich zurück

  • Aktualisiert am

Werden Ryanair-Mitarbeiter bald wieder in Frankreich angestellt? Bild: Reuters

Während am Freitag wieder Hunderte Piloten in den Ausstand treten werden, nimmt die Billigfluglinie sein Geschäft in Frankreich wieder auf – das es wegen denselben Streitigkeiten einst beendet hatte.

          Nach acht Jahren Abwesenheit kehrt der irische Billigflieger Ryanair nach Frankreich zurück. Man werde zum Sommerflugplan in Bordeaux und Marseille zwei neue Basen einrichten, teilte die Gesellschaft am Donnerstag in Dublin mit. An jedem Standort sollten zunächst zwei Flugzeuge stationiert werden. Insgesamt suche man fünf Standorte, wobei Paris sicherlich eine sehr interessante Option sei, meinte Organisationschef Peter Bellew.

          Europas größter Billigflieger hatte sich 2011 nach Streitigkeiten um die Sozialversicherungen des Personals vom französischen Markt zurückgezogen. Zwischenzeitlich hatte Ryanair angekündigt, das Personal mit französischen Verträgen anzustellen und dort auch die Sozialabgaben leisten zu wollen.

          Nationale Verträge sind einer der Knackpunkte in den andauernden Streitigkeiten zwischen Ryanair und seinem Personal. Die Beschäftigten fordern neben höheren Löhnen die Anwendung des jeweiligen
          nationalen Arbeitsrechts, nicht nur des irischen. Die EU-Kommission hatte Ryanair unlängst ermahnt, sich hierbei an geltendes europäisches Recht zu halten.

          „Ryanair riskiert Chaos“

          Am Freitag werden Beschäftigte in Spanien, Portugal, Belgien, Italien und den Niederlanden wieder ihre Arbeit niederlegen. In Deutschland sollen 35 bis 45 Flüge ausfallen. Dies erklärten Marketing-Chef Kenny Jacobs und der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Peter Bellew am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Insgesamt würden damit aber rund 90 Prozent der geplanten Flüge von und nach Deutschland stattfinden.

          Ryanair kritisierte den Arbeitskampf der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Man habe die Bereitschaft signalisiert, über eine Schlichtung in vier bis fünf Wochen eine Einigung im Tarifkonflikt zu finden. Aber VC halte dafür fünf Monate für nötig, sagte Bellew. VC hatte am Mittwochabend erklärt, man rufe Ryanair-Piloten dazu auf, ab Freitagmorgen gegen drei Uhr die Arbeit für 24 Stunden niederzulegen. Man habe sich noch nicht einigen können, „was wir schlichten wollen, wie wir schlichten wollen und wer geeigneter Schlichter sein könnte“, hatte VC erklärt.

          Für Freitag haben auch Flugbegleiter in mehreren europäischen Ländern zu Streiks aufgerufen. Ryanair hatte angekündigt, deshalb rund 150 von insgesamt 2400 geplanten Flügen zu streichen. Zunächst blieb unklar, ob sich die Zahl wegen des Piloten-Streiks in Deutschland damit europaweit erhöhen könnte.

          Ryanair riskiert aus Sicht von Gewerkschaften durch die Absage zu weniger Flüge ein Luftverkehrs-Chaos. „Indem es angesichts des morgigen Streiks nicht genügend Flüge annulliert, verhält sich Ryanair unverantwortlich und riskiert Spannungen und Unsicherheiten für Flughafenmitarbeiter, eigene
          Beschäftigte und Passagiere“, erklärte die belgische Gewerkschaft CNE am Donnerstag. Am Flughafen Charleroi nahe der belgischen Hauptstadt Brüssel etwa drohe angesichts von bis zu 20.000 erwarteten Passagiere Unruhe.

          Weitere Themen

          Kabinett läutet Soli-Ende ein Video-Seite öffnen

          Nur die Reichen sollen zahlen : Kabinett läutet Soli-Ende ein

          Die Bundesregierung hat die Teilabschaffung des Solidaritätszuschlags beschlossen. Zukünftig soll der Soli für 90 Prozent der Zahler wegfallen und für weitere 6,5 Prozent zumindest reduziert werden.

          Topmeldungen

          Premierminister bei Merkel : Johnson beharrt auf Ende des Backstops

          Johnson und Merkel zeigen sich optimistisch – dennoch belegt der Backstop die Schwierigkeiten des Treffens. Schon vorher hatten Finanzminister und Bundespräsident dem Premier die kalte Schulter gezeigt.
          Luftbildkamera der NVA im Stabsgebäude über dem Eingang zum DDR-Atombunker Harnekop nordöstlich von Berlin

          Mauerfall-Debatte : Warum ticken die Ossis so?

          Der Zuspruch der AfD im Osten hat seinen Ursprung nicht zuletzt in der DDR. Weil Ostdeutsche jahrzehntelang einem Klima der Lüge und der Demütigung ausgesetzt waren. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.