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Streiks und teures Kerosin : Ryanair kappt Gewinnprognose

  • Aktualisiert am

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair senkt ihre Gewinnprognose. Bild: dpa

Der Billigflieger Ryanair senkt sein Gewinnziel für das laufende Jahr. Damit reagiert der Konzern auf die Streiks in ganz Europa und hohe Kerosinpreise. Das erbost vor allem die Aktionäre.

          Die europaweite Streikwelle sowie gestiegene Kerosinpreise fordern beim Billigflieger Ryanair ihren Tribut. Am Montag kappte die Fluggesellschaft ihre Prognose für das laufende Jahr und sorgte damit für kräftige Kursverluste. Ryanair-Papiere verloren am Vormittag rund 11 Prozent an Wert. Auch die Aktien anderer Fluggesellschaften gerieten in den Abwärtssog.

          Der Gewinn dürfte im bis Ende März laufenden Geschäftsjahr 2018/19 nun bei 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro liegen, teilte Ryanair in Dublin mit. Bislang war der Konzern von 1,25 bis 1,35 Milliarden ausgegangen. Als Grund für die Senkung gab Ryanair die Streiks in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Spanien und Portugal an. Alleine Ende vergangener Woche waren wegen der Ausstände bei Flugbegleitern und Piloten mindestens 250 Flüge ausgefallen. Die Beschäftigten fordern höhere Löhne und wollen bessere Arbeitsbedingungen nach dem jeweiligen nationalen Recht erreichen.

          Aktienkurs bricht ein

          Steigende Kosten für Flugbenzin sind indes ein Problem, das die gesamte Branche betrifft. Die Preise für Rohöl steigen seit einigen Wochen stark an. Ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent aus der Nordsee kostet derzeit mit rund 83 Dollar so viel wie seit vier Jahren nicht mehr. Grund dafür sind Spekulationen auf einen Angebotsengpass. Bereits Ende letzter Woche hatte der Ryanair-Konkurrent Easyjet seine Gewinnprognose eingeengt. Der um Sonderposten bereinigte Vorsteuergewinn dürfte zwischen 570 und 580 Millionen britische Pfund (639 bis 651 Millionen Euro) erreichen, hieß es am Freitag. Am Montag folgten dann negative Analystenkommentare.

          RYANAIR HLDGS PLC EO-,006

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          Die Ryanair-Aktien sackten am Montag um knapp 11 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 11,50 Euro ab, kurz vor Mittag notierten sie bei 11,98 Euro. Im vergangenen halben Jahr verlor die Aktie damit ein Viertel ihres Werts. Auch die Titel von Rivalen gerieten in den Abwärtsstrudel: Lufthansa war mit einem Kursminus von 2,2 Prozent Schlusslicht im Dax. Die Titel von Air France KLM verloren in Paris 3,2 Prozent, Wizz Air und Easyjet gaben je knapp fünf Prozent nach.

          Ryanair hatte bereits Ende Juli ein Fragezeichen hinter seine Prognose gesetzt. Neben den Kosten für Flugausfälle und Kerosin zehren auch die Piloten-Gehälter am Ergebnis. Ebenso treibt der drohende harte Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union Ryanair-Chef Michael O’Leary um. Schon im ersten Geschäftsquartal (April bis Juni) hatte die Airline rund ein Fünftel weniger Gewinn erzielt.

          Prognose könnte abermals gesenkt werden

          Laut O’Leary musste der Billigflieger nun ein geringeres Buchungsaufkommen für die Herbstferien und die Weihnachtssaison verkraften. Auch die Ticketpreise fielen niedriger aus als gedacht. Bis vergangene Woche habe man geglaubt, das abfedern zu können. Die Streiks hätten allerdings das Vertrauen der Kunden untergraben, sagte O’Leary. Die Kapazitäten für die Wintersaison strich Ryanair zusammen. Sollten sich die Flugunterbrechungen im dritten Quartal fortsetzen, müsste die Prognose womöglich abermals gesenkt werden, hieß es.

          Ryanair ist der größte Billigflieger Europas. Seine einheitlichen Boeing 737-Maschinen fliegen mehr als 215 Flughäfen in 37 Ländern an und operieren von 86 Basen in Europa und Nordafrika. Im Geschäftsjahr 2017/2018 machten die Iren bei 7,15 Milliarden Euro Umsatz einen Gewinn von 1,45 Milliarden Euro.

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