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Ryanair-Chef im Interview : „Bald gibt es kostenlose Flugtickets“

Und woran verdienen Sie dann?

An den Extras. Etwa für Essen an Bord, bevorzugtes Einsteigen, einen speziellen Sitzplatz oder die Kofferaufgabe. Daraus erzielen wir jetzt schon 30 Prozent unserer Einnahmen.

Sie haben jahrelang ausgeschlossen, dass Sie einmal von Frankfurt aus fliegen werden. Warum haben Sie Ihre Meinung geändert?

Nicht wir, der Flughafen hat seine Meinung geändert. Er hat gemerkt, dass sein Hauptkunde Lufthansa nicht mehr wächst und damit auch nicht mehr der Flughafen. Deswegen hat er uns zum Gespräch gebeten. Denn wir bringen Wachstum. Aber die Einladung hat uns schon sehr überrascht.

Sie war mit schönen Rabatten garniert!

Das ist normal. Die Lufthansa hat in München für ihr neues Terminal auch Subventionen bekommen. Und unser Rabatt in Frankfurt ist nicht sehr hoch.

Warum fliegen Sie nicht nach München?

Weil der Flughafen uns nicht haben will. Die haben Angst, dass die Lufthansa sonst ihr Drehkreuz dichtmacht.

Und was ist mit Düsseldorf?

Wir haben mit dem Flughafen verhandelt, aber die haben uns zu wenig Rabatt geboten. Denen sitzen Lufthansa und Air Berlin im Nacken, die dort 80 Prozent Marktanteil haben.

Geht es immer nur um Rabatte?

Klar, wenn wir keine Vergünstigungen bekommen, fliegen wir nicht. Weil es sich dann nicht lohnt, so günstige Tickets anzubieten.

Wie groß ist denn das Passagierinteresse bei den Frankfurt-Flügen?

Sehr groß. Wir haben daher beschlossen, nach den ersten vier Strecken im März 17 weitere Verbindungen schon am 4. September zu beginnen, also zwei Monate früher als ursprünglich geplant. Ende Oktober kommen dann noch einmal drei neue Ziele dazu. Weitere sollen folgen, aber es hängt von den Flughäfen ab, ob sie weitere Verbindungen wollen und das auch mitfinanzieren.

Frankfurt zeigt: Ryanair fliegt zunehmend von großen Flughäfen. Bedeutet das, dass Sie sich von den kleinen Standorten langsam zurückziehen?

Nicht, wenn sie weiter die eingeräumten Rabatte zahlen.

Auch nicht von Frankfurt-Hahn?

Nein, auch wenn wir hier kaum noch wachsen – durch die neue Konkurrenz des Frankfurter Hauptflughafens und des nahen Luxemburg.

Fliegen Sie künftig auch innerdeutsche Strecken?

Wir fliegen bisher Köln/Bonn–Berlin. Aber das wird die Ausnahme bleiben. Innerdeutsch lohnt sich nicht, weil die Strecken zu kurz sind und die Zahl der für uns möglichen Passagiere zu klein. Denn es gibt zusätzliche Konkurrenz durch Bahn und Auto.

Warum dann die Köln-Strecke?

Beim Start haben wir gehofft, ein Angebot der Bundesregierung für die Flüge der Beamten zwischen Bonn und Berlin zu bekommen. Dann haben sie aber viel teurer Air Berlin verpflichtet. Vielleicht kommen wir 2018 bei der nächsten Ausschreibung zum Zug. Wenn die Regierung an die Steuerzahler denken würde, müsste sie sich für uns entscheiden.

Gibt es 2018 Air Berlin noch?

In spätestens drei Jahren wird Lufthansa Air Berlin gekauft haben. Einen Teil hat Lufthansa ja jetzt schon übernommen, auch wenn sie behaupten, dass sie nur Flugzeuge und Personal gemietet haben. So ein Blödsinn. Das ist eine Übernahme, aber EU und Bundeskartellamt wollen das nicht zugeben und genehmigen das. Ein Skandal!

Das scheint Sie ja mächtig aufzuregen.

Klar, das wird die Ticketpreise nach Meinung unserer Experten auf innerdeutschen Strecken um 10 bis 20 Prozent erhöhen – und Air Berlin bleibt künstlich am Leben.

Eine Pleite wäre Ihnen sicher lieber.

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