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Aktivisten auf RWE-Versammlung : „Sie hier im Saal machen die Klimakatastrophe möglich“

  • Aktualisiert am

Diese Demonstranten sehen RWE auf einem Irrweg. Bild: EPA

Auf der RWE-Hauptversammlung macht eine Aktivistin den Aktionären des Energiekonzerns schwere Vorwürfe. Der Vorstandschef beschwichtigt und kündigt einen radikalen Umbau des Unternehmens an.

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          Begleitet von Protesten von Klimaschützern hat RWE-Chef Rolf Martin Schmitz vor den Aktionären für den geplanten Umbau des Versorgers zum Ökostromerzeuger geworben. „Sauberen und sicheren Strom zu erzeugen – dieses Ziel treibt uns an“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens am Freitag auf der Hauptversammlung in Essen. „Wir wollen der Wachstumsmotor für die Energiewelt von morgen sein.“ Durch den Deal mit E.ON werde sich der Versorger zu einem der führenden Produzenten von Strom aus Erneuerbaren Energie auf der ganzen Welt wandeln. „Das gibt unserem Unternehmen eine hervorragende Zukunftsperspektive.“ Schon in einem Jahr werde RWE kaum wiederzuerkennen sein.

          RWE hatte im März vergangenen Jahres mit E.ON für einen Paukenschlag gesorgt: Die beiden Unternehmen wollen die RWE-Tochter Innogy zerschlagen. E.ON übernimmt das Vertriebs- und Netzgeschäft, RWE das Ökostromgeschäft von Innogy und das von E.ON. Der Deal soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.

          Demonstranten blockieren U-Bahn-Ausgang

          Vor der Essener Grugahalle demonstrierten Umweltschützer gegen den Versorger, der wegen seiner vielen Kohlekraftwerke seit Jahren in der Kritik steht. „Braunkohle Irrsinn – Das können wir uns nicht mehr leisten“ war auf Plakaten zu lesen oder „Wer zu spät kommt, den bestraft das Klima“. „Der Kohleausstieg geht nicht schnell genug“, kritisierte eine Demonstrantin. Sie war am Morgen aus Köln angereist und hält eine Fahne mit der Aufschrift „Stoppt Braunkohle. Hambacher Forst bleibt“ in der Hand. Der Wald nahe der Domstadt ist schon längst zum Symbol für den Kampf um den Kohleausstieg geworden. „RWE muss einen endgültigen Rodungsstopp erklären“, fordert sie.

          RWE-Vorstandsvorsitzender Rolf Martin Schmitz spricht auf der Hauptversammlung des Unternehmens

          Mehrere Hundert Anhänger der Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ demonstrierten am Versammlungsort und blockierten einen Ausgang an der U-Bahn-Station. Die Polizei ließ sie zunächst gewähren, weil die Aktionäre über andere Ausgänge zu der Halle gelangen konnten, wie ein Sprecher sagte.

          Auch auf der Hauptversammlung selbst war die Bewegung vertreten. Luisa-Marie Neubauer, eine der bekanntesten Vertreterinnen von „Fridays for Future“, hatte das Rederecht von den bei RWE vertretenen kritischen Aktionären übertragen bekommen. Sie forderte einen schnellen Ausstieg aus der Kohleverstromung. „Kein Konzern in ganz Europa trägt mehr Verantwortung für die Klimakrise als RWE“, sagte Neubauer. RWE profitiere von der vermeidbaren Klimakatastrophe. „Und Sie hier im Saal machen das möglich“, rief die Aktivisten den Aktionären zu. Das werde als größter Skandal in die Geschichte eingehen.

          Die Klimaschützer der Organisation „Ende Gelände“ setzten RWE zudem ein Ultimatum bis zum 19. Juni, um die eigenen Kohlekraftwerke abzuschalten und Tagebaue stillzulegen. „Verstreicht diese Frist aktionslos, werden sich aus ganz Europa tausende Klimaaktivisten auf den Weg ins Rheinland machen“, kündigte Pressesprecherin Kathrin Henneberger an. Aktivisten würden mit „zivilem Ungehorsam die Notbremse ziehen“ und mit Protestaktionen die Tagebaue stilllegen.

          „Fridays for Future“-Demonstranten blockieren kuschelnd einen U-Bahn-Ausgang.

          RWE-Chef Schmitz richtete sich in der Halle auch an sie. „Fridays for Future hebt ein Thema deutlich hörbar auf die Tagesordnung und rückt es so ins Bewusstsein aller. Doch zum Fordern gehört auch das Machen.“ Dafür stehe RWE. Doch in vielen Debatten komme das Machbare zu kurz. „Das ist schade.“

          Schüler demonstrieren in Essen anlässlich der RWE-Hauptversammlung.

          RWE ist der größte Stromerzeuger in Deutschland. Der Konzern steht vor allem wegen seiner Braunkohlekraftwerke und dem Ausbaggern der Tagebaue im Rheinischen Revier in der Kritik von Umweltschützern. Nach dem Willen der Kohlekommission sollen in Deutschland bis 2038 alle Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. In einem ersten Schritt sollen bis 2022 etwa 3 Gigawatt Braunkohlekapazität zusätzlich vom Netz genommen werden. Das würde vor allem RWE treffen. Konzernchef Rolf Martin Schmitz hat dafür schon Entschädigungen in Milliardenhöhe gefordert.

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