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Energiewende : RWE und BASF planen Megawindpark in der Nordsee

Zahlreiche Windkraftanlagen stehen im Offshore-Windpark "Nordsee-Ost" vor der Insel Sylt (Schleswig-Holstein) in der Nordsee. Bild: dpa

Der Energieversorger und der Chemiekonzern kooperieren beim Bau eines zwei Gigawatt Offshore-Windparks. Mit der gewonnenen Energie soll der Markthochlauf von grünem Wasserstoff gefördert werden.

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          Für den RWE-Vorstandsvorsitzenden Markus Krebber ist es  ein „Leuchtturmprojekt“ für den Klimaschutz in der Industrie: Der Essener Energieversorger tut sich mit BASF für den Bau eines riesigen neuen Windparks in der Nordsee zusammen, der in Zukunft Ökostrom für das Chemie-Werk in Ludwigshafen und zur Herstellung von „grünem“ Wasserstoff produzieren soll. Die Anlage mit einer Leistung von zwei Gigawatt wäre einer der größten Offshore-Windparks in der ganzen Welt. Ab 2030 soll sie saubere Elektrizität für die Produktion von Grundchemikalien liefern, um Erdgas und Strom aus fossilen Energieträgern zu ersetzen.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Die Gesamtkosten des Vorhabens beziffert RWE  auf etwas mehr als vier Milliarden Euro. BASF will sich mit 49 Prozent an dem Windpark beteiligen. Die übrigen 51 Prozent bleiben bei RWE, welche die Anlage entwickeln, bauen und betreiben wird. Einen neuen Offshore-Windpark schon in der Planung an einen Industriekunden wie BASF zu koppeln, „wäre für Deutschland ein Novum“, meinte der RWE-Chef. An diesem Beispiel könnten sich andere Unternehmen orientieren, so Krebber auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem BASF-Vorstandsvorsitzenden Martin Brudermüller und dem Vorsitzenden der Gewerkschaft IG BCE,  Michael Vassiliadis.

          Vier Fünftel des Stroms soll dabei direkt an den BASF-Hauptsitz nach Ludwigshafen geliefert werden, den weltweit größten Produktionsstandort für Chemikalien. Um das Ziel der Klimaneutralität  zu erreichen, braucht BASF eine ganze Menge Grünstrom - vor allem für die geplante  Umstellung der Großanlagen „Cracker“ auf elektrischen Betrieb. Brudermüller sagte, der Strombedarf für eine klimaschonende Produktion in Ludwigshafen werde sich bis 2035 auf 20 Terawattstunden mindestens verdreifachen. Das seien rund 15 Prozent des heute in Deutschlands produzierten Windstromes.  Etwa ein Viertel des künftigen Bedarfs soll  der mit RWE geplante Windpark beisteuern. „Wir wollen auf die Tube drücken und machen ein Angebot, wie die Transformation funktionieren wird“,  sagte er mit Blick auf die Politik.

          300 Megawatt Wasserelektrolyse

          Etwa ein Fünftel der Leistung will RWE nutzen, um Wasserstoff für andere industrielle Abnehmer zu produzieren. Dazu soll in Nordwestdeutschland ein neuer Elektrolyse-Standort aufgebaut werden. Die genaue Standortplanung hänge davon ab, wo der Strom am besten eingespeist werden könne. Mit einer Kapazität von rund 300 Megawatt plane RWE einen der größten Elektrolyseure in Deutschland, sagte Krebber. CO2-freier Wasserstoff – gewonnen aus Wasser nicht aus Methan – spielt auch beim klimaneutralen Umbau der Chemieproduktion eine wichtige Rolle. Brudermüller verwies jedoch darauf, dass die Wasserelektrolyse fünfmal mehr Strom verbrauche als die herkömmliche  Produktion aus Methan. 

          BASF hat sich zum Ziel gesetzt, seinen Ausstoß von Kohlendioxid bis 2030 um ein Viertel zu senken. Allein in Ludwigshalfen, dem größten Chemiestandort der Welt, fallen bisher jedes Jahr rund acht  Millionen Tonnen des Treibhausgases an. Durch das Gemeinschaftsprojekt mit RWE sollen dort knapp drei Millionen Tonnen eingespart werden. Eine weitere Million Tonnen CO2 soll durch den grünen Wasserstoff eingespart werden.

          BASF hat bei der Vorstellung der Elektrifizierungspläne im März bereits angekündigt selbst in die Produktion von Erneuerbarer Energie einzusteigen. Schon heute produziert der Konzern seine Energie selbst, in Ludwigshafen laufen aktuell drei  Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke.

          Das Projekt mit RWE steht allerdings noch unter dem Vorbehalt, dass die Politik mitspielt. Beide Konzerne erwarten nach eigenem Bekunden keine  Zuschüsse für den Bau des Windparks. Ihr Projekt setzt aber voraus, dass in der Nordsee weitere Flächen freigegeben werden, die nach heutiger Planung erst nach 2030 für den Bau neuer Offshore-Parks in Frage kommen. Zusätzlich fordern sie, den grünen Strom von der EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien zu entlasten und den „Markthochlauf“ für grünen Wasserstoff stärker zu unterstützen. „Wir brauchen wettbewerbsfähige Stromkosten, sonst wird die Transformation nicht gelingen“, sagte Brudermüller.

          Auch Krebber drängte zur Eile. Der Ausbau der Erneuerbaren brauche jahrelange Vorlaufzeiten. „Deshalb bestimmen die Entscheidungen, die heute getroffen werden, über den Erfolg in der zweiten Hälfte der 2020iger Jahre“. Ein weiterer Engpass sind die Leitungen, die den Strom nach Süden bringen sollen. Rund 7800 Kilometer umfasst die Planung. Viele Vorhaben sind aber erheblich in Verzug. Wie der IG BCE Vorsitzende Vassiliadis kritisierte, sind siebzig Prozent der Leitungen noch nicht einmal abschließend genehmigt. Vassiliadis lobte das Vorhaben von RWE und BASF als „Symbol für die Innovationskraft der Industrie und ihrer Beschäftigten“. Die Gewerkschaft stehe hinter dem Großprojekt, weil es dazu beitrage, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze zu sichern.

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