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RWE-Hauptversammlung : Tumulte bei Großmanns Auftritt

  • Aktualisiert am

Kritik an der Bundesregierung: RWE-Chef Jürgen Großmann Bild: REUTERS

Begleitet von lautstarken Protesten verteidigt RWE-Chef Großmann seinen auch bei Aktionären umstrittenen Atomkurs. Auf der Hauptversammlung des Stromversorgers in Essen müssen Sicherheitskräfte einschreiten.

          Begleitet von massiven Protesten hat der Chef des Energieriesen seinen Atomkurs am Mittwoch vehement verteidigt. Bei der Hauptversammlung in der Essener Grugahalle zeigte sich der Konzernchef vor mehr als 5000 Aktionären aber auch gesprächsbereit. RWE sei an einer konstruktiven Lösung interessiert, betonte Großmann. Die Haltung des Konzerns wurde von Aktionärssprechern kontrovers diskutiert. „Die deutschen Kernkraftwerke erfüllen die geltenden Sicherheitsanforderungen. In jedem anderen Fall hätten sie bereits zuvor abgeschaltet werden müssen. Daran ändern die Ereignisse in Japan nichts“, verteidigte Großmann seinen Atomkurs.

          Die Rede des Konzernchefs wurde von Atomgegnern immer wieder von „Abschalten“-Rufen unterbrochen. Schon vor der Halle waren die RWE-Aktionäre von Demonstranten empfangen worden. Wegen einer Sitzblockade von mehr als einem Dutzend Demonstranten, die sich mit Wollknäueln verbunden hatten, mussten die Aktionäre minutenlang am Eingang anstehen. Dabei kam es immer wieder zu Diskussionen und teilweise tumultartigen Szenen. Die Polizei behielt die Lage jedoch unter Kontrolle.

          „Abschalten, abschalten“, riefen die Demonstranten. „Gehirn abschalten!“, entgegnete ein entnervter Aktionär den AKW-Gegnern, während ein anderer den Umweltschützern lieber gleich den Vogel zeigte. „Stromkonzerne entmachten“, „alle AKWs abschalten“ oder, in Anspielung auf die Werbung des Essener Energiekonzerns, „VeRWEgen lügen“: Mehrere Umweltorganisationen und Parteien nutzten die RWE-Hauptversammlung als große Protestplattform.

          Proteste vor der Gruga-Halle. . .

          Darunter waren neben vielen jungen Demonstranten auch einige alteingesessene Atomgegner. „Ich bin enttäuscht, dass sich immer noch nichts geändert hat“, sagt Eva Neukamp. Sie ist 80 Jahre alt, und würde sie nicht das gelbe Anti-Atom-Logo an ihrem karierten Blazer tragen - man könnte sie glatt zu den vielen RWE-Aktionären zählen. Neukamp sagt, sie sei schon immer gegen Atomkraft gewesen, und auch Peter-Paul Ernst (77) sagt das. Der Rentner aus Düsseldorf ist Teil der Sitzblockade - zwischen Schülern und Studenten. Er hat eine klare Botschaft an den RWE-Chef: „Der sollte nach Fukushima gehen, um dort aufzuräumen.“

          „Wir betreiben Kernkraftwerke und dazu stehen wir“

          Rauer Wind schlug Großmann auch bei der Versammlung entgegen: Mit Trillerpfeifen und lauten Protestrufen störten Demonstranten immer wieder seine Rede. An verschiedenen Stellen im Saal enthüllten die Atomkraft-Gegner Plakate mit den Aufschriften „RWE abschalten“ und „Atomprofite? Schluss jetzt!“. Aktionäre versuchten, die Plakate wieder herunterzuziehen und die Proteste zu beenden. Es kam zu kleineren Handgemengen. Sicherheitskräfte führten die Demonstranten schließlich aus dem Saal.

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