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RWE-Chef zum Wettbewerbsverfahren : „Eine Illusion, dass Netzentgelte weiter sinken“

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Als Schutz vor einem feindlichen Übernahmeangebot hält er das wohl für ausreichend. „Der RWE-Wert ist schon ein schwerverdaulicher Brocken. Ich sehe nur zwei, die es leicht könnten, einen im Osten und einen im Westen.“ Auch wenn Großmann erklärt, es gebe gegenwärtig keinerlei Hinweise für den Aufbau eines Aktienpaketes, räumt er ein, dass man in diesem Punkt nie ganz sicher ist. So bestätigte er auch die Klausel in seinem Anstellungsvertrag, die ihm ein Ausscheiden mit den Bezügen bis zum Vertragsablauf in dem Augenblick gewährt, da ein Aktionär eine Beteiligung von 30 Prozent plus einer Aktie besitzt und allen Aktionären ein Abfindungsangebot unterbreiten muss.

„Für Deutschland ganz bitter“

Nach Darstellung von Großmann spiegelt die gegenwärtige Börsenbewertung den Zustand des Konzerns und seine Risiken wider: „Es gibt kein europäisches Energieunternehmen, das so abhängig vom deutschen Atomausstieg und dem Handelssystem für Kohlendioxidemissionen ist.“ Unter französischer Präsidentschaft werde sich die Kommission dem Klimaschutz zuwenden. „Was für Deutschland ganz bitter wird“, meint der RWE-Chef. Denn in den Fragen Emissionshandel und Versteigerung von Kohlendioxidzertifikaten verfolgten Deutschland und das stark auf Klimaschutz durch Kernkraft setzende Frankreich diametrale Ansichten.

Gleichwohl sieht der RWE-Chef in diesem Themenkomplex Chancen für eine Wertsteigerung des Konzerns. Es gebe eine starke Sperrminorität in der Gemeinschaft, die sich einem Gesetz zum vollständigen Kauf von Emissionszertifikaten für Kraftwerke bereits von 2013 an widersetzen würde. In Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn oder Griechenland seien heimische Energieträger sehr wichtig für die Stromerzeugung. „Wenn daher für inländische Kohle eine stufenweise Ausweitung des Zertifikatszukaufs zum Beispiel von 30 auf 100 Prozent im Jahr 2020 vorgesehen würde, dann hilft das unserem breiten Energiemix sehr.“

„British Energy ist noch nicht verkauft“

Ähnliche Chancen sieht er in den Kernkraftwerken des Konzerns und der damit verbundenen Fachkenntnis. Denn er rechnet mittelfristig mit ökonomischen Zwängen für eine Laufzeitenverlängerung auch in Deutschland. „Wenn dies geschieht, ist es ein riesiger Werttreiber.“ Die Unterstützung, die die französische Atomenergie von ihrem Präsidenten erfährt, ruft in ihm zwar Bewunderung, aber keine Minderwertigkeitsgefühle hervor. „Denn RWE kann bei Auslandsprojekten seine Fachkenntnisse einbringen, ohne Fixierung auf nur einen, den französischen Kernkraftwerkslieferanten.“

Großmann bestätigt, dass der Neubau von Kernkraftwerken auf lange Sicht ein wichtiger Bestandteil der angestrebten Auslandsexpansion ist. Bei den beiden einzigen konkreten Projekten in der EU, in Rumänien und Bulgarien, bei denen demnächst Anlagenaufträge vergeben werden könnten, ist RWE mit im Konsortium. In Italien werde der Konzern die Entwicklung beobachten und in Großbritannien die Chancen wahrnehmen. Dort hat RWE zwar Anfang Mai die Frist verstreichen und EdF das Feld als einzigem Bieter für den sicher mehr als zehn Milliarden Euro teuren britischen Atomstromproduzenten überlassen. „Aber British Energy ist noch nicht verkauft“, merkt er an. Mehr als ein „Man wird sehen“ lässt sich der RWE-Chef zu diesem Thema nicht entlocken.

Übernahmen in der Dimension von British Energy würden den Börsenkurs allerdings nicht beflügeln, räumt auch Großmann ein. „Wenn wir den Aktienkurs steigern wollen, müssen wir anders wachsen. Da sehen wir verschiedene Möglichkeiten.“ Nur präzisieren will sie Großmann nicht. „Denn wenn man noch auf Freiersfüßen ankündigt, bis dann muss ich meine Braut heiraten, schränkt das ihre Qualität ein.“

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