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Russischer Stahlmagnat Lissin : „Unschuldige Menschen und Soldaten sterben“

Stahlmagnat Wladimir Lissin Bild: Picture Alliance

Russland reichster Mann, der Stahlmagnat Wladimir Lissin, hielt sich lange aus der Politik heraus. Nun hat er offen und direkt Verständnis für die westlichen Sanktionen gezeigt.

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          Mehrere russische Wirtschaftsvertreter haben inzwischen den Angriffskrieg ihres Landes gegen die Ukraine kritisiert. Die meisten allerdings sprachen sich eher vage gegen Blutvergießen und für Frieden aus. Auf diese Weise gingen sie kein Risiko ein, der Kreml-Propagandalinie von der „Spezialmilitäroperation“, die kein Krieg sein soll, zur angeblichen Befreiung der Ukraine von Nazis zu widersprechen. Wer sich an diese Sprachregelungen nicht hält, riskiert hohe Geld- oder sogar Gefängnisstrafen.

          Katharina Wagner
          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Umso erstaunlicher war deshalb, was der Stahlmagnat Wladimir Lissin, laut „Forbes“-Magazin derzeit mit einem Vermögen von 18,4 Milliarden Dollar reichster Russe, vor Kurzem der Zeitung „Kommersant“ sagte. Statt von einer laut Kreml präzisen „Spezialoperation“ im Sinne der Ukrainer sprach Lissin von einer „humanitären Katastrophe“ und zeigte sogar Verständnis für die Sanktionen des Westens – auch damit bewegte er sich gefährlich nahe an einem Straftatbestand, denn das Aufrufen zu Strafmaßnahmen gegen Russland steht dort seit Kurzem unter Strafe. Auf persönliche Sanktionen gegen Oligarchen angesprochen sagte Lissin, einerseits führten sie zu einer „Kaskade negativer Folgen“ für Zehn-, vielleicht sogar Hunderttausende Mitarbeiter. Andererseits sei es beschämend, sich angesichts einer „humanitären Katastrophe“ über persönliche Probleme zu beschweren. Sanktionen könnten zwar ungerecht erscheinen, aber es sei klar, dass der Westen mit allen möglichen Mitteln versuchen werde, das „Sterben von Menschen und die Zerstörung von Städten“ zu stoppen.

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