https://www.faz.net/-gqe-afu6l

Wildberries-Gründerin : Die Frau hinter Russlands Amazon

Der Kopf der reichsten Familie Russlands: CEO Tatjana Bakaltschuk Bild: Bloomberg

Tatjana Bakaltschuk war Englischlehrerin, bevor sie einen Onlinehandel gründete und zur reichsten Frau Russlands aufstieg. Nun legt sie sich mit Visa und Mastercard an.

          3 Min.

          Über Russlands erfolgreichste Unternehmerin war lange Zeit nur wenig bekannt. Bloß einige Anekdoten kursierten im Internet – darüber, wie Tatjana Bakaltschuk die Idee zur Gründung von Wildberries hatte, dem größten russischen Onlinehändler: Nach der Geburt ihres ersten Kindes im Jahr 2004 habe sie zu Hause im Umland Moskaus gesessen und sich gelangweilt. In ihre frühere Arbeit als Englisch- und Nachhilfelehrerin konnte sie erst einmal nicht zurück. Also sei ihr der Gedanke gekommen, Kleidung aus deutschen Modekatalogen wie Quelle und Otto in Russland auf Bestellung weiterzuverkaufen.

          Katharina Wagner
          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Jahre später, als sich die Kartons längst nicht mehr in Bakaltschuks Wohnung, sondern in riesigen Lagerhallen stapelten und Wildberries schon mit den großen westlichen Kleidungsmarken zusammenarbeitete, begann Bakaltschuk langsam, mehr von sich preiszugeben. Ende 2018 gab sie einem Geschäftspartner, dem Milliardär Igor Rybakow, für dessen Videoblog ein Interview. In dem Gespräch, das in einem Wildberries-Lager bei Moskau stattfand, wirkte Bakal­tschuk neben dem machohaft auftretenden Rybakow mädchenhaft, geradezu schüchtern. Und noch etwas fiel auf: Bakaltschuk trug weder Kostüm noch Stilettos, sondern zerschlissene Jeans, ein weites Hemd und Turnschuhe. Und sie war nicht sichtbar geschminkt – für eine russische Geschäftsfrau, zumal eine sehr reiche, ist das geradezu revolutionär. Zwar ließ Bakaltschuk, die koreanische Vorfahren hat, sich später für das Magazin Forbes auch mit Make-up und Brillanten ablichten; eigentlich pflegt sie aber weiter das Image der bescheidenen, bodenständigen, etwas unscheinbaren Familienunternehmerin.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
           Die Handlung findet nicht einvernehmlich statt. Genau das reizt die Exhibitionisten – und macht sie zu Straftätern. (Symbolbild)

          Exhibitionisten in der Bahn : Masturbieren nur mit Mundschutz

          Immer mehr Exhibitionisten sind in deutschen Zügen unterwegs. Auch wenn sie dies mitunter nicht so wahrnehmen, begehen sie strafbare Sexualdelikte. Wie sich Betroffene wehren können – und wie man Tätern den Erfolg nimmt.
          Lieber was Eigenes: Ein Einwohner von Wuhan erhält eine Impfung mit dem chinesischen Sinopharm-Vakzin.

          Impfstoffe : China bremst BioNTech aus

          Die Verhandlungen liefen bereits, man war zuversichtlich. Eine Milliarde Impfstoffdosen im Jahr wollte das Unternehmen auf dem größten Markt der Welt verkaufen. Doch daraus wird wohl nichts.