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Deutsche Bank : „Das kann Libor-Ausmaße annehmen“

  • Aktualisiert am

Zentrale der Deutschen Bank in Moskau Bild: Reuters

Seit Wochen muss sich die Deutsche Bank wegen eines Geldwäsche-Skandals in Russland rechtfertigen. Jetzt erst werden die Ausmaße bekannt: Kunden sollen rund zehn Milliarden Dollar Schwarzgeld gewaschen haben.

          Die Geldwäsche-Affäre der Deutschen Bank in Russland weitet sich aus: Dort dürften Kunden nach neuesten Erkenntnissen der Ermittler Rubel-Schwarzgeld in Höhe von insgesamt zehn Milliarden Dollar gewaschen haben, wie eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag sagte. Bislang war von sechs Milliarden Dollar die Rede gewesen, allerdings wurden nun bei internen Untersuchungen weitere verdächtige Transaktionen aufgedeckt. Diese Ergebnisse habe die Bank im September an internationale Behörden weitergeleitet, die sich den Fall ebenfalls anschauen. Dazu gehören unter anderem das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York (DFS).

          Die Deutsche Bank wollte sich en detail nicht zu den neuen Entwicklungen äußern, über die zuvor auch Bloomberg berichtet hatte. Eine Sprecherin verwies auf die bisherige Stellungnahme des Instituts, wonach Aktienhandelsgeschäfte in Moskau und London untersucht würden, deren Gesamtvolumen „erheblich“ sei. „Die Untersuchungen der Deutschen Bank bezüglich eventueller Rechtsverletzungen, Verordnungen und Richtlinien sowie des internen Kontrollsystems sind noch nicht abgeschlossen. Zum aktuellen Zeitpunkt wurden bestimmte Verstöße gegen Bankverordnungen und Mängel im Kontrollumfeld der Deutsche Bank festgestellt.“ Gegen einzelne Personen seien disziplinarische Maßnahmen eingeleitet worden. Dem Insider zufolge hat bislang lediglich die Russische Zentralbank eine Mini-Strafe von 5000 Dollar gegen das Frankfurter Institut verhängt - wegen mangelhafter Kontrollen, mit wem man eigentlich Geschäfte gemacht hat.

          Bislang keine ausreichenden Rückstellungen

          Unabhängig davon könnte die Russland-Affäre die Deutsche Bank aber viel Geld kosten - eben weil die US-Behörden ermitteln. Das tun sie zwar immer dann, wenn der Dollar involviert ist. Inzwischen geht es aber auch um die Frage, ob Sanktionsverstöße vorliegen, die noch gar nicht so alt sind, weil eventuell Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht wurden, dessen Umfeld seit der Krim-Krise mit Strafmaßnahmen belegt ist. Der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan, der die unzähligen Skandale des Hauses endlich abhaken will, hatte Ende Oktober gesagt, die Bank habe zwar Rückstellungen für die Affäre gebildet. Sie könnten aber möglicherweise nicht ausreichen, das Institut sei hier „verwundbar“. Details nannte er nicht.

          Aus Finanzkreisen verlautete, die Bank habe für Russland bislang weniger als eine Milliarde Euro zur Seite gelegt, weil es schlichtweg keine Vergleichsfälle in der Branche gebe und es schwer sei, drohende Strafen abzuschätzen. Nach oben sei aber alles offen, betonte eine Person, die mit den Beratungen im Führungszirkel vertraut ist und von großer Nervosität berichtet. „Das kann Libor-Dimensionen annehmen“, fügte der Insider mit Blick auf den Zinsskandal hinzu. Hier hatten die Behörden in Großbritannien und den Vereinigten Staaten der Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar aufgebrummt - die EU-Kommission kassierte zusätzlich 725 Millionen Euro.

          Intern zählt Russland bei der Aufarbeitung der milliardenschweren Rechtsstreitigkeiten neben amerikanischen Hypothekenklagen und Vorwürfen der Günstlingswirtschaft in Asien derzeit zu jenen drei Fällen, die der Bank am meisten unter den Nägeln brennen. Große Teile des Russland-Geschäfts, insbesondere im Investmentbanking, gibt die Deutsche Bank als Konsequenz aus den Unregelmäßigkeiten auf.

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