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Rüstungskonzern Hensoldt : Mit Kriegsgerät an die Börse

Thomas Müller, Vorstandschef von Hensoldt, vor der Börse. Bild: Lucas Bäuml

Ausgerechnet ein Rüstungskonzern wagt sich in Frankfurt aufs Börsenparkett. Was sind das für Leute, die Hensoldt-Aktien kaufen?

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          Einen gestandenen Soldaten kann so schnell nichts erschüttern. Als Thomas Müller, keinesfalls zu verwechseln mit dem berühmten Fußballspieler, am Freitag die Börsenglocke läutete, schauten selbst erfahrene Händler hoch, so freudig ging der stämmige Mann dieser Tätigkeit nach. Auch eines Mikrofons hätte es nicht bedurft, denn der Vorstandsvorsitzende des Rüstungskonzerns Hensoldt und frühere Chef einer Panzerkompanie hat eine Stimme, bei der selbst Zivilisten stillstehen: „Wir gehen heute an die Börse und sind darauf sehr stolz. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt für den Börsengang – als jetzt.“

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das freilich kann man auch anders sehen. Denn die Aktie des Rüstungskonzerns (5400 Mitarbeiter, Jahresumsatz rund 1,1 Milliarden Euro) gab nach dem Eröffnungskurs von zwölf Euro deutlich nach. Die Nachfrage der Anleger war am ersten Handelstag äußerst verhalten. Enttäuschend ist das auch für den bisherigen Eigentümer, den amerikanischen Finanzinvestor KKR, der nun einen Teil seiner Anteile abgibt. KKR hatte die Firma 2017 dem Airbus-Konzern abgekauft und daraufhin in Hensoldt umbenannt. Eine Reminiszenz an Moritz Carl Hensoldt (1821-1903), einen der ersten Optiker, und zugleich aus Unternehmenssicht ein geschickter Schachzug. Denn an Rüstungsproduktion denkt bei diesem Namen niemand. An ausgefeilte Technik schon eher.

          Abenteuer Börsengang

          Der Börsengang war aus mehreren Gründen ein Wagnis. Zuallererst ist der Zeitpunkt ungünstiger als gedacht. Die Investoren sind sensibel, ein starker Rückgang des Dax zum Wochenanfang hatte ihnen die Stimmung verdorben. In solchen Zeiten haben auch Profianleger genug damit zu tun, sich um die Aktien zu kümmern, die bereits in ihrem Portfolio sind. Dies hat neben Hensoldt auch der Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert zu spüren bekommen. Obwohl seine Wohnmobile derzeit reißenden Absatz finden, galt dies für die Aktien des Unternehmens nicht. Genau wie im Falle von Hensoldt kamen sie am Mittwoch zu einem Preis am untersten Ende der Spanne auf den Markt.

          Allerdings sind Wohnmobile populär, was man von Rüstungselektronik nicht eben behaupten kann. Genau die aber stellt Hensoldt her – wenn auch keine Waffen, wie das Unternehmen betont. Sondern vor allem Sensoren und Radare, die aber beispielsweise Kampfflugzeugen dabei helfen, potentielle Ziele besser zu identifizieren.

          Normalerweise präsentieren Börsenneulinge zum Start gern ein paar angesagte Produkte aus dem eigenen Haus auf dem Parkett, bei Hensoldt hat man dies verständlicherweise unterlassen. Nur auf den großen Plakaten, die überall im Handelssaal aufgehängt wurden, ließen sich dezent Kampfflugzeuge und Marineschiffe erkennen. Das ist der zweite Grund, der diesen Börsengang als ein Wagnis erscheinen lässt. In Zeiten, in denen sich immer mehr Großanleger der Nachhaltigkeit verschreiben, wirkt es wie eine schlechte Idee, die Investoren ausgerechnet von militärischen Mitteln überzeugen zu wollen.

          Und zu guter Letzt findet Hensoldts Börsendebüt inmitten einer weltweiten Pandemie statt, die es verhindert, dass sich Vorstand und potentielle Investoren im Vorfeld auch einmal von Angesicht zu Angesicht begegnen. Macht es das nicht viel schwieriger, Anleger für eine Aktie zu finden?

          Wer will schon in Rüstungskonzerne investieren?

          Um mit Letzterem zu beginnen: Dass Thomas Müller in seiner Bundeswehrzeit schon manches Mal Ausdauer beweisen musste, dürfte dem Mann nun zugutegekommen sein. Denn auch wenn das Werben um Investoren (in der Sprache der Börse „Roadshow“ genannt) wegen Corona nur rein virtuell stattfand, waren seine Arbeitstage trotzdem lang: das erste Video-Meeting um neun Uhr morgens meistens mit Fondsmanagern aus dem asiatischen Raum, das letzte gegen 22 Uhr, dann mit Investoren von der amerikanischen Westküste. Andere Weltregionen fanden dazwischen ihren Platz.

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