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Rüstungsindustrie : Das Geschäft mit dem Krieg kennt keine Krise

Bild: F.A.Z.

Ein neues Wettrüsten hat das Waffengeschäft zu einem gewaltigen Wachstumsmarkt gemacht. Viele Staaten haben seit dem Ende des Kalten Krieges wieder deutlich aufgerüstet. Mit der Eskalation des Afghanistan-Kriegs dreht sich die Rüstungsspirale vorerst weiter.

          Es war der 15. August, als eine Sprengbombe der Taliban Thomas James zum Krüppel machte. Der 20 Jahre alte britische Berufssoldat aus Coventry verlor mit der Explosion nahe der afghanischen Stadt Sangin einen Arm, ein Auge und mehrere Finger. Er erlitt Verbrennungen am ganzen Körper und einen Beckenbruch. Nun will James zum Militär zurückkehren. "Ich liebe die Armee", sagte er der Zeitung "Sunday Telegraph". Doch den mittlerweile acht Jahre dauernden Krieg in Afghanistan hält James für aussichtslos. "Wir werden niemals siegen", sagt er. "Die Taliban plazieren ihre Sprengfallen überall, und wir können es nicht verhindern, denn dafür fehlt uns die Ausrüstung."

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es mutet paradox an: Der Waffenindustrie hat das zu Ende gehende kriegerische Jahrzehnt einen riesigen Nachfrageschub gebracht. Doch noch immer beklagen Verteidigungsexperten, dass die Ausrüstung vieler Soldaten einem Guerrillakrieg wie in Afghanistan nicht gerecht werde. Der Bundeswehr fehlten dringend gepanzerte Patrouillenfahrzeuge vom Typ "Dingo", sagt ein Berliner Regierungsberater, der nicht genannt werden will. "Die sind nur in sehr überschaubaren Stückzahlen vorhanden." Stattdessen werde weiter in teure Prestigeprojekte wie den Eurofighter investiert, kritisiert der Rüstungsexperte.

          Der von einem Konsortium um den paneuropäischen Luftfahrtkonzern EADS und den britischen Rüstungshersteller BAE Systems gebaute Kampfjet wurde noch in den achtziger Jahren konzipiert und gilt vielen Fachleuten als militärisch weitgehend überflüssiges Relikt des Kalten Kriegs.

          Globale Rüstungsspirale

          Der Konflikt in Afghanistan eskaliert. Vergangene Woche kündigte der amerikanische Präsident Barack Obama an, seine Streitmacht am Hindukusch bis nächsten Sommer um 30.000 Soldaten auf rund 100.000 Mann aufzustocken. Bis zu 40 Milliarden Dollar im Jahr wird dies kosten. Im amerikanischen Repräsentantenhaus wird nun sogar die Einführung einer "Kriegssteuer" diskutiert. Es ist die nächste Umdrehung in einer gewaltigen globalen Rüstungsspirale. Nach Berechnungen des Internationalen Instituts für Friedensforschung in Stockholm (Sipri) sind die Militärausgaben auf der Welt seit Ende der neunziger Jahre um etwa 90 Prozent gestiegen.

          Die Welt hat in einem seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr gekannten Maß aufgerüstet - und auch deutsche Unternehmen zählten zu den Nutznießern: Die EADS, deren größter Aktionär der Stuttgarter Autokonzern Daimler ist, stellt Kampfflugzeuge und Hubschrauber her, Rheinmetall und Kraus-Maffei Wegmann (KMW) bauen Panzer, U-Boote kommen von Thyssen-Krupp, Raketen von Diehl, Panzermotoren von Tognum, Schusswaffen von Heckler & Koch.

          Deutschland gibt für die Bundeswehr zwar deutlich weniger aus als etwa Frankreich und Großbritannien für ihr Militär, und verglichen mit Branchenriesen wie dem amerikanischen Boeing-Konzern und BAE Systems sind die deutschen Waffenanbieter Zwerge. Doch zusammengenommen ist die deutsche Industrie nach den Vereinigten Staaten und Russland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. 70 Prozent der deutschen Rüstungsproduktion gehen ins Ausland.

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