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Rüstung : Militärtransporter A400M belastet EADS-Bilanz

  • Aktualisiert am

Ein Prototyp des Militaertransporters A400M startet auf dem Flughafen von Sevilla Bild: ddp

Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat für 2009 einen Verlust von 763 Millionen Euro erlitten. Es ist der vierte Jahresverlust, den der Konzern seit seiner Gründung im Jahr 2000 verzeichnet. Das Hickhack um den Militärtransporter A400M hat wesentlich dazu beigetragen.

          Die Airbus-Mutter EADS ist wegen der Probleme mit dem Militärtransporter A400M tief in die roten Zahlen gerutscht. Im letzten Quartal 2009 häufte der Konzern einen Verlust von 1,05 Milliarden Euro an, im Vorjahreszeitraum hatte EADS noch 490 Millionen Euro Gewinn gemacht. Für das gesamte Jahr 2009 ergab sich ein Minus von 763 Millionen Euro, verglichen mit einem Gewinn von 1,57 Milliarden Euro im Jahr 2008, wie der Konzern am Dienstag bekanntgab.

          Allein die Verzögerungen beim Bau des A400M kosteten den Konzern im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 1,6 Milliarden Euro. Für das Passagierflugzeug A380 ergaben sich unerwartete Belastungen in Höhe von 240 Millionen Euro.

          EADS streicht nach einem Verlust im vergangenen Jahr die Dividende, für 2010 sei aber wieder eine Ausschüttung geplant, wie Konzernchef Louis Gallois (EADS-Chef Gallois: Brandlöscher für Europa) in Paris ankündigte. Im MDax waren EADS-Aktien zum Handelsstart das Schlusslicht. Der Flugzeug- und Rüstungskonzern hatte Börsianern zufolge vor allem mit seinem Ausblick enttäuscht. Zudem belastete der Ausstieg aus dem Bieterrennen um Tankflugzeuge für die amerikanische Luftwaffe die Aktie (Airbus verliert wichtigen Tankflugzeug-Auftrag). Die auch in Paris notierten Titel brachen um 5,6 Prozent ein. „Dem Markt war eigentlich klar, dass die Amerikaner freien Wettbewerb nur vortäuschen, aber irgendwie hat man doch auf eine Chance gehofft“, sagt ein Händler. Schließlich habe sich das Modell von EADS bereits in vorherigen Ausschreibungen als besser erwiesen.

          Der A400M droht mindestens 5,2 Milliarden Euro teurer zu werden als geplant (EADS: A400M bleibt trotz Staatshilfe ein Verlustgeschäft). Erst am vergangenen Freitag einigte sich EADS mit den sieben Bestellerländern auf eine Aufteilung der Zusatzkosten. Die Regierungen von Deutschland, Belgien, Großbritannien, Frankreich, Luxemburg, Spanien und der Türkei übernehmen davon allerdings nur zwei Milliarden Euro, zusätzlich greifen sie EADS mit Exportkrediten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro unter die Arme.

          Airbus hofft in diesem Jahr auf 250 bis 300 neue Bestellungen. EADS rechnet damit, dass der Konzern im laufenden Jahr wieder Gewinne macht und ein Gesamtergebnis von einer Milliarde Euro vor Steuern erzielt.

          Händler enttäuscht

          Händler zeigten sich enttäuscht über die Bilanz. Zwar seien die Zahlen für das abgelaufene Jahr wegen des A400M bereits schwach erwartet worden, sie sehen aber einer ersten Händlereinschätzung zufolge noch „schlechter“ aus. Zudem zahle EADS keine Dividende und die Ziele lägen am unteren Ende der aktuellen Analystenerwartungen.

          Hinzu komme, dass die Tochter Airbus beim „Jahrhundertgeschäft“ mit der amerikanischen Luftwaffe für 179 Tankflugzeuge im Wert von 35 Milliarden Dollar aus dem Rennen ist. Der Partner Northrop Grumman zog das gemeinsame Angebot am Montag zurück. Er begründete das mit unfairen Wettbewerbsbedingungen. „Die jetzige Ausschreibung ist klar maßgeschneidert auf den kleineren und weniger leistungsfähigeren Flieger der Konkurrenz“, sagte Airbus-Chef Thomas Enders telefonisch der Deutschen Presse-Agentur dpa in Paris. Marktanalyst Heino Ruland wertete diese Nachricht als klaren Rücksetzer. „Für Airbus gibt es jetzt eigentlich keine andere Option mehr, als das Gebot ebenfalls zurück zu ziehen“, vermutet der Experte. In so kurzer Zeit könne kein neuer Partner gefunden werden und da EADS keine Beschwerde über die Vergabebedingungen plane, sei Boeing der bevorzugte Bieter.

          „Man sieht an diesem Beispiel, dass Protektionismus eine reale Größe ist“, kommentierte Robert Halver die Entwicklung des Tankerauftrags. In einer wirtschaftlich schwierigen Situation sei sich jeder selbst der Nächste und die USA mache sich anscheinend auch die Schwäche von Euroland zu nutze. „Globalisierung als faire Veranstaltung hinkt nicht nur, sie fährt bereits im Rollstuhl“, so Halver.

          Probleme mit dem A380

          Auch der Riesen-Passagierflieger A380 drückte nun auf das Konzernergebnis: EADS legte für das Flugzeugprogramm 240 Millionen Euro zur Seite, zudem belastete die ineffiziente Produktion den Gewinn der wichtigsten Konzerntochter Airbus. Nennenswerte Verbesserungen erwartet Finanzvorstand Hans Peter Ring hier erst in zwei bis drei Jahren. Von operativ schwarzen Zahlen ist das A380-Programm ihm zufolge noch weit entfernt.

          Der Umsatz des EADS-Konzerns blieb 2009 mit 42,8 Milliarden Euro fast stabil. Der Auftragseingang fiel mit 45,8 Milliarden Euro allerdings nur knapp halb so hoch aus wie ein Jahr zuvor. Der Auftragsbestand ging dabei um 3 Prozent auf 389 Milliarden Euro zurück. Dabei hatte Airbus wegen der allgemeinen Wirtschafts- und Luftfahrtkrise deutlich schwerer zu leiden als die übrigen Sparten. Hubschrauber-Aufträge für Eurocopter sowie Bestellungen bei der Raumfahrttochter Astrium und der Rüstungssparte bremsten den Rückgang ab.

          Zugleich will Airbus die Produktion der A320-Familie ab Ende des Jahres von 34 auf 36 Jets pro Monat hochfahren. Vom Airbus A380 sollen 20 Exemplare ausgeliefert werden. Zugleich will die EADS-Führung in diesem Jahr bei Airbus brutto insgesamt weiterhin auf 250 bis 300 Neubestellungen kommen. Das Ziel, wie im Vorjahr knapp 500 Flugzeuge auszuliefern, sieht das Management allerdings inzwischen als Obergrenze. Die Nachfrage könnte auch noch im Jahr 2011 schwach bleiben, sagte EADS-Chef Gallois. Allerdings sei Airbus mit einem dicken Auftragsbuch gut gerüstet. Für 2010 erwartet EADS konzernweit ein Ergenis vor Steuern (Ebit) von 1 Milliarde Euro.

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