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Rüdiger Grube im Interview : „Chrysler hat in China großes Potential“

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„Exzellente Kontakte zur chinesischen Regierung”: Rüdiger Grube Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Rüdiger Grube ist Vorstand bei Daimler-Chrysler, erarbeitet die Strategie des Konzerns und führt das Unternehmen im Wachstumsmarkt Asien. Mit der F.A.Z. sprach er über Fehler der Vergangenheit und Zukunftspläne im Fernen Osten.

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          Rüdiger Grube arbeitet als Vorstandsmitglied in Deutschlands größtem Konzern eher im verborgenen. Als Leiter der Konzernentwicklung ist er der Chefstratege der Daimler-Chrysler AG und führt zudem deren Chinageschäft, vom 1. Oktober an die neu zusammengeführte Region Nordostasien. Dort will der Konzern seinen Auftritt mit aller Macht vorantreiben: Erst am Freitag erklärte er, weitere 350 Millionen Dollar in die Fertigung von Limousinen und Vans der Marke Chrysler in China investieren zu wollen. Das Erfolgsmodell 300C wie auch der Minivan sollen Ende 2006 erstmals aus den Werkshallen rollen. Der 54 Jahre alte Grube rückte vor kurzem ins Rampenlicht, weil die Staatsanwaltschaft nach dem Verdacht auf Insiderhandel mit Aktien im Zuge der Rücktrittserklärung von Konzernchef Jürgen Schrempp sein Büro und sein Haus durchsuchte. Grube sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, an den Vorwürfen sei „absolut nichts dran“ (F.A.S. vom 4. September).

          Sie erarbeiten nicht nur die Strategie von Daimler-Chrysler, sondern führen auch noch die wichtigste Region im Wachstumsmarkt Asien. Damit müssen Sie dort nun das umsetzen, was am Schreibtisch entstanden ist. Ein wichtiger Lerneffekt?

          Ich finde es wichtig und richtig, Strategien selbst umzusetzen, und kann jedem Unternehmen nur empfehlen, keinen Bruch zwischen Entwurf und Realisierung zuzulassen. Das Strategieteam muß für seine Pläne geradestehen. Ich betrachte es als die eigentliche Herausforderung, die Strategie zu verwirklichen, die wir auf dem Papier entwickelt haben.

          Gerade in Asien hat der Konzern enormen Nachholbedarf gehabt. Manches wurde aufgrund der Probleme bei Chrysler vernachlässigt, die Großprojekte mit Hyundai und Mitsubishi sind weitgehend gescheitert...

          Nein, denn es gibt nach wie vor Projekte mit Mitsubishi wie den gemeinsamen Weltmotor. Im Nutzfahrzeuggeschäft halten wir mit Mitsubishi Fuso 20 Prozent Marktanteil in Asien und sind die Nummer eins bei Kleinlastwagen. Die Beteiligung an Hyundai war für uns zum damaligen Zeitpunkt die beste strategische Option, da eine Beteiligung an Fuso aufgrund des Engagements von Volvo nicht realistisch war. Als Volvo sich dort überraschend zurückzog, haben wir die Chance ergriffen und uns Fuso zugewandt. Zeitgleich haben wir die Partnerschaft mit Hyundai beendet, denn wir wollten uns auf einen Partner konzentrieren.

          Also hatten Sie letztlich Glück, denn ohne Volvos Rückzug wäre Ihnen vom Fehlgriff Mitsubishi nichts geblieben. Obwohl Sie Fuso heute auf den richtigen Weg gebracht haben, liegen Sie aber noch weit hinter den von Herrn Schrempp einst geforderten Zielen zurück.

          Man muß sehr genau hinschauen: Nirgendwo wird so deutlich wie in Asien, daß man einen Hersteller von Premium-Automobilen und Nutzfahrzeugen nicht mit einem Volumenhersteller vergleichen sollte. Bei den Nutzfahrzeugen haben wir unser Ziel für den Umsatzanteil von 20 Prozent in der Region erreicht. Bei Personenwagen sind wir auf einem guten Weg und bereits heute im zweistelligen Bereich. Wir haben in den vergangenen zwölf Monaten bewiesen, wie weit man kommen kann, wenn man zielgerichtet arbeitet.

          Wurde also in der Zeit davor zuwenig fokussiert gearbeitet?

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