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Rückzug aus der Arktis : Demütigung für Shell

Shell bricht die umstrittene Ölsuche in der Arktis ab. Der Ölkonzern hat dort viel riskiert und nun Milliarden verloren. Die Shell-Aktionäre sollten den Konzernchef fragen, warum er so lange an dem Projekt festgehalten hat.

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          Rückschläge bei der unberechenbaren Suche nach neuen Lagerstätten gehören in der Ölindustrie zum normalen Geschäft. Doch das Scheitern von Shell in der Arktis ist eine Demütigung für Europas größten Energiekonzern: Sieben Jahre lang hat das Unternehmen unter enormen Kosten und gegen den erbitterten internationalen Widerstand von Umweltschützern an der Ölsuche in der Tschuktschensee vor der Küste des amerikanischen Bundesstaats Alaska festgehalten.

          Für die dort vermuteten großen Ölvorkommen nahm Shell ein beträchtliches Risiko für sein öffentliches Ansehen in Kauf. Insgesamt hat der Konzern für das Abenteuer in der Arktis wohl umgerechnet mehr als acht Milliarden Euro verpulvert. Die Shell-Aktionäre sollten den Konzernchef Ben van Beurden fragen, warum er trotz des dramatischen Ölpreisverfalls so lange an dem extrem teuren Prestigeprojekt festgehalten hat: Noch im Sommer nahm das Unternehmen einen milliardenschweren neuen Anlauf in der Region.

          Nun zieht Shell nach einer enttäuschend verlaufenen ersten Probebohrung die Reißleine und stoppt das gesamte Projekt. „Wir haben nicht immer die richtigen Investitionsentscheidungen getroffen, und wir müssen in Zukunft schneller reagieren“, hat Shell-Chef van Beurden bei seinem Amtsantritt Anfang 2014 gesagt. Eingelöst hat er dieses Gelöbnis bisher nicht.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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