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Rückschlag für die Meyer Werft : Aida bestellt Kreuzfahrtschiffe erstmals in Japan

Bislang ein vertrautes Bild: Bau eines Aida-Kreuzfahrtschiffs in Papenburg Bild: dpa

Bislang hat das Rostocker Kreuzfahrtunternehmen Aida Cruises seine Schiffe meist in der Papenburger Meyer Werft bauen lassen. Jetzt ist plötzlich Schluss: Zwei neue Clubschiffe soll der japanische Mischkonzern Mitsubishi fertigen.

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          Lange Zeit sah es aus, als wenn Aida Cruises fest abonniert wäre auf Schiffe aus dem Haus der Meyer Werft in Papenburg. Von "Aida diva" über "Aida luna" bis "Aida mar" - die letzten sieben ihrer insgesamt zehn Vergnügungsdampfer hatte das Rostocker Kreuzfahrtunternehmen bei Meyer in Auftrag gegeben. Zwei davon sind noch nicht einmal ausgeliefert. Doch nun ist plötzlich Schluss: Aida Cruises wechselt den Lieferanten. Die Tochtergesellschaft der amerikanischen Carnival Corporation hat bei dem japanischen Mischkonzern Mitsubishi Heavy Industries "zwei innovative Clubschiffe einer neuen Generation" bestellt. Sie sollen im März 2015 respektive 2016 ausgeliefert werden, teilte Aida Cruises mit. Ein Aida-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht zu den genauen Gründen für den Lieferantenwechsel äußern. In der Summe aller Kriterien habe Mitsubishi das Rennen um diesen weltweit ausgeschriebenen Auftrag eben für sich entschieden.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Indirekt enthält die Pressemitteilung freilich sehr wohl einen Hinweis auf das Kriterium, was wohl den Ausschlag gegeben hat: der Preis. Aida Cruises benennt den Preis pro Bett mit 140.000 Euro. Daraus lässt sich überschlägig ein Gesamtpreis pro Schiff von rund 450 Millionen Euro errechnen. Nach Einschätzung von Branchenkennern dürften die Japaner damit um 80 bis 100 Millionen Euro unterhalb der aktuellen Marktpreise liegen.

          Die Meyer Werft, die sich natürlich auch um diesen Auftrag bemüht hat, hätte mit einem solchen Preis wohl nicht einmal die Materialkosten decken können, heißt es. Offenbar will Mitsubishi unbedingt und unter Inkaufnahme von Verlusten in das Geschäft mit Kreuzfahrtschiffen zurückkehren. Die Japaner hatten zuletzt im Jahr 2004 zwei Feriendampfer abgeliefert. Der Abnehmer damals hieß Carnival.

          Ein Sprecher der Meyer Werft bedauerte die Entscheidung von Aida Cruises, wollte diese aber nicht weiter kommentieren. Das Papenburger Familienunternehmen gerät durch diesen bitteren Auftragsverlust nicht ins Schlingern, denn in den zurückliegenden zwölf Monaten wurden bereits lukrative Aufträge ergattert. Die Werft verfügt über einen Auftragsbestand von 5 Milliarden Euro und ist mit einem Marktanteil von rund 50 Prozent inzwischen der größte Hersteller von Kreuzfahrtschiffen in der Welt. Auf Basis der aktuellen Auftragslage dürfte die Beschäftigung der 2500 Mitarbeiter bis 2015 gesichert sein.

          Der Kreuzfahrtmarkt wächst seit Jahren zweistellig. Die deutschen Anbieter zählten 2010 rund 1,2 Millionen Passagiere auf ihren Hochseeschiffen - 19 Prozent mehr als im Jahr zuvor. 2015, so schätzen Branchenfachleute, könnten es 2 Millionen sein.

          Branchenkennern zufolge dürfte das Angebot bis zu 100 Millionen Euro unterhalb der Marktpreise liegen.

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