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Erhebliche Verspätung : Rückschlag für Impfstoff von Sanofi und GSK

Der Sanofi-Impfstoff in der Produktion in Frankfurt Bild: EPA

Der Impfstoff des französischen Herstellers Sanofi sollte eigentlich Mitte 2021 auf den Markt kommen. Jetzt rudert das Unternehmen zurück. Der Stoff schlage bei einem Teil der Bevölkerung nicht richtig an.

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          Die europäischen Pharmahersteller Sanofi und GSK haben am Freitagmorgen eine erhebliche Verspätung ihres Impfstoffes ankündigen müssen. Der Stoff, der anders als der von Biontech wie ein Grippe-Impfstoff auf klassischem Wege hergestellt wird, kommt erst im vierten Quartal 2021. Das ist meistens eine Umschreibung für das Jahresende. Zuvor hatten die beiden Unternehmen auf eine Markteinführung vor Ende Juni 2021 gesetzt. Der Impfstoff komme mit Verspätung, „um die Immunantwort bei älteren Menschen zu verbessern“, teilten die Unternehmen mit.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Der Impfstoff wird in erster Linie vom französischen Hersteller Sanofi entwickelt; GSK aus Großbritannien liefert nur einen Wirkverstärker, der die benötigten Dosen verringern soll. Wie die Unternehmen mitteilten, hätte der Impfstoff in der Testgruppe der 18- bis 49-Jährigen eine Immun-Reaktion gezeigt, die „jenen Patienten entspricht, die sich von einer Covid-19-Infektion erholt haben“. Doch bei den älteren Patienten sei die Immun-Reaktion „unzureichend“ gewesen. Die Konzentration der Antigene müsse daher noch „verfeinert“ werden.

          Sanofi hatte noch nicht mit der dritten Testphase, in der der Impfstoff an vielen Tausend Patienten erprobt wird, begonnen. Eigentlich war der Start noch in diesem Jahr vorgesehen gewesen. Stattdessen will das Unternehmen nun im Februar 2021 in eine „Phase 2b“ eintreten. Den Übergang zur Phase 3  peilen Sanofi und GSK nun für den Beginn des zweiten Quartals 2021 an. Die amerikanische Förderbehörde Barda und die Initiative „Warp Speed“ der Vereinigten Staaten, von denen Sanofi und GSK umfangreiche Subventionen erhalten, hätten dem Vorgehen zugestimmt, heißt es.

          Eigentlich wollte Sanofi 2021 eine Milliarde Dosen produzieren

          Es ist erst einen Monat her, dass der Chef der Sanofi-Impfstoff-Sparte, Thomas Triomphe, auf einer Konferenz verkündet hatte, noch vor dem Ende des ersten Halbjahres 2021 solle der Impfstoff auf den Markt kommen. Bis zu einer Milliarde Dosen sollten eigentlich im kommenden Jahr produziert werden. Dieses Ziel dürfte sich nun auf 2022 verschieben, wenn die neuen Zwischenschritte erreicht werden.

          Der Impfstoff von Sanofi und GSK soll anders als der bei -75 Grad zu lagernde Biontech-Impfstoff keine große Kühlung benötigen. Temperaturen von 2 bis 8 Grad Celsius sollen ausreichen. Sanofi hofft auch, dass der Impfstoff auf größere Akzeptanz in der Bevölkerung stößt, weil er wie ein klassisches Vakzin gegen Grippe hergestellt wird und dabei nicht wie etwa bei den Konkurrenten Biontech-Pfizer auf die neue Botenstoff-Technologie („MRNA“) setzt.

          Thomas Triomphe, Vorstand der Impfstoffsparte bei Sanofi, spricht bei einer Pressekonferenz im September.
          Thomas Triomphe, Vorstand der Impfstoffsparte bei Sanofi, spricht bei einer Pressekonferenz im September. : Bild: Lucas Bäuml

          „Die Verfügbarkeit des Impfstoffes wird jetzt für das vierte Quartal 2021 erwartet, wenn der Entwicklungsplan erfolgreich beendet wird“, heißt es nun vorsichtig von Sanofi und GSK. Im Kampf gegen die Pandemie könne  „kein Pharmaunternehmen alleine Erfolg haben. Wir brauchen auch mehr als einen Impfstoff“, heißt es in der Erklärung der Unternehmen. Bei der Eröffnung an der Pariser Börse lag der Sanofi-Kurs mit mehr als 2 Prozent im Minus. 

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