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Maggi-Fertiggericht : Nudel-Skandal in Indien verdirbt Nestlé die Zahlen

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Brennende Instantnudeln - hochgekochte Gefühle: Die Debatte um Nestlé-Nudeln in Indien nahm gewaltige Dimensionen an. Bild: dpa

Maggi-Instantnudeln: Hierzulande haben sie mäßige Bedeutung. In Indien dagegen sind sie das Fertiggericht schlechthin. Doch es gibt einen Schadstoff-Skandal – und der schlägt auf Nestlés Gewinn durch.

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          Im Frühsommer erschütterte der so genannte „Nudel-Skandal“ die indische Mittelschicht - jetzt zeigen die Zahlen des Lebensmittelkonzerns Nestlé, dass die Auswirkungen größer sind als gedacht. So groß, dass das Unternehmen aus der Schweiz seine Wachstumsprognose nicht halten kann.

          Die Vorgeschichte: Indische Lebensmittellabore hatten eine teilweise enorme Belastung mit Blei in Maggi-Instantnudeln festgestellt. Die sind vor Ort in fast jedem Supermarkt präsent und eines der beliebtesten Fertiggerichte. Im Sommer aber monierten die Kontrolleure, es seien zu viele Schadstoffe in dem Produkt, zudem sei der enthaltene Geschmacksverstärker MSG nicht wie vorgeschrieben auf den Packungen ausgewiesen gewesen. Es folgte ein Verkaufsstopp in Indien, und den spürt Nestlé nun ganz empfindlich. Allein im ersten Halbjahr kostete der Nudel-Skandal den Konzern 66 Millionen Franken.

          Nestlé geht nunmehr von einem organischen Plus von rund 4,5 Prozent in diesem Jahr aus – bislang hatte das Unternehmen 5 Prozent in Aussicht gestellt. In den ersten neun Monaten schrumpfte der Umsatz auf 64,86 von 66,22 Milliarden Franken im Vorjahreszeitraum. Das organische Wachstum ging in den ersten drei Quartalen auf 4,2 von 4,5 Prozent zurück. Damit schnitt Nestlé deutlich schlechter ab, als von Analysten erwartet. Am Vormittag verlor die Aktie knapp zwei Prozent an Wert.

          Der Nudel-Skandal wirkt bis heute nach: Noch immer sind die Maggi-Nudeln in Indien nicht wieder in den Regalen zurück. Denn an den Verkaufsstopp schloss sich eine hitzige öffentliche Debatte in den indischen Medien an. Müttern wurde vorgeworfen, sich das Leben mit Fertignahrung bequem zu machen und sich somit nicht ausreichend um ihre Kinder zu kümmern. Sogar Bollywood-Stars wurden verklagt, weil sie für Maggi-Produkte Werbung gemacht hatten. Nestlé arbeite mittlerweile mit den indischen Behörden daran, die Maggi-Nudeln wieder zurück in den Verkauf zu bekommen, erklärte das Unternehmen heute. Der Konzern hatte stets betont, die Nudeln seien sicher und enthielten nichts Schädliches. Doch der Imageschaden auf dem Subkontinent wirkt weiter nach.

          „Nach einer gute Leistung in der ersten Hälfte des Jahres wurden wir im dritten Quartal von außergewöhnlichen Ereignissen beeinflusst und in unserer Leistung deutlich beeinträchtigt", sagte Firmenchef Paul Bulcke.

          Neben dem Nudel-Skandal machte Nestle verhaltenes Wachstum im wichtigen chinesischen Markt zu schaffen. Zudem verbuchte der Konzern In den Vereinigten Staaten einen negativen Einmaleffekt im Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln bei Nestlé Skin Health. Dort gewährte das Unternehmen seinen Kunden höhere Rabatte als geplant und musste dafür Geld auf die Seite legen. Zur Höhe des Einmaleffekts machte die Firma keine Angaben.

          Profitieren konnte Nestlé hingegen von einer Erholung des schwächelnden amerikanischen Tiefkühlkostgeschäfts und einer stärkeren Nachfrage nach Speiseeis im heißen europäischen Sommer.

          Der Konkurrent Unilever mit Marken wie Knorr, Lipton oder Dove hatte im dritten Quartal dank eines boomenden Eisgeschäfts die Erlöse deutlich gesteigert. Der französische Lebensmittelkonzern Danone will seine Eckdaten am Montag veröffentlichen.

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