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Rückkehr der Finanzinvestoren : Die Kreditmaschine läuft wieder heiß

  • -Aktualisiert am

Dells Rückzug von der Börse könnte mit 15 bis 20 Milliarden Dollar Kredit geschehen. Bild: REUTERS

Milliardenschwere Übernahmen sind in Amerika an der Tagesordnung, weil die Banken wieder mehr Kredit vergeben. Die großen Private-Equity-Häuser sind auf den Zug aufgesprungen.

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          Geht es Ihnen heute besser als vor vier Jahren?“, stellte Ronald Reagan einst im amerikanischen Wahlkampf die alles entscheidende Frage. Im Jahr 2013 wird sie auch von Finanzinvestoren gerne aufgegriffen. „Geht es unserer Branche heute besser als vor sechs Jahren? Die Antwort ist ja“, sagt David Rubenstein, Mitgründer der Beteiligungsgesellschaft Carlyle und eine der legendären Figuren der Private-Equity-Welt.

          Dabei hatte sich die Zunft der Finanzinvestoren vor sechs Jahren schon in einer „goldenen Ära“ gewähnt, bevor der Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers auch ihre Welt erschütterte. Die Größe und die Zahl der Unternehmenskäufe, die Mittel für neue Fonds, die Rückzahlungen an die eigenen Investoren; alle Werte sackten plötzlich um bis zu 80 Prozent gegenüber den Rekordjahren 2005 bis 2007 ab. Doch inzwischen hat sich auf der anderen Seite des Atlantiks wieder Optimismus breitgemacht.

          Übernahmen mit 80 Prozent geliehenem Geld

          „Die Renditen, die wir erwirtschaften, schlagen immer noch alle anderen frei verfügbaren Anlageklassen“, wirbt Rubenstein auf dem Branchenkongress „Super Return“ dieser Tage in Berlin. Tatsächlich erinnert in Amerika vieles schon wieder an die vielkritisierten Boom-Zeiten, räumen Tagungsteilnehmer ein. Aufgrund der lockeren Geldpolitik sind die Zinsen extrem niedrig, und die Banken dort haben ihre Lust an großen Private-Equity-Finanzierungen längst wiedergefunden.

          Übernahmen in Milliardengröße werden wieder mit bis zu 80 Prozent Fremdkapital durchgeführt; zahlt ein Finanzinvestor für ein Unternehmen den acht- bis neunfachen Wert des operativen Gewinns (Ebitda), kann er bis zu drei Viertel dieser Summe als Kredit aufnehmen. Auch Vertragsstrukturen mit sehr geringen Auflagen für die Private-Equity-Fonds sind gang und gäbe. „Kredit gibt es wieder im Übermaß“, fasst es Leon Black, Gründer der Private-Equity-Gesellschaft Apollo, zusammen. Immerhin: Noch herrsche Vorsicht bezüglich der Übernahmeziele, sagt Howard Marks, Gründer der Private-Equity-Gesellschaft Oaktree. „Wir sind noch nicht wieder da, wo wir vor der großen Krise waren, aber wir steuern darauf zu.“

          Börsenrückzug von Dell könnte 15 bis 20 Milliarden Dollar Kredit erfordern

          Viel geredet wird auf den Fluren des internationalen Branchentreffs in der deutschen Hauptstadt über den geplanten Börsenrückzug des Computerkonzerns Dell, der mit Hilfe der Private-Equity-Gesellschaft Silver Lake erfolgen soll und den Schuldenberg des Unternehmens am Ende auf 15 bis 20 Milliarden Dollar erhöhen könnte. In Frage stellen das aber nur die Europäer, und auch dies eher zwischen den Zeilen. „Ist da eine neue Blase am Entstehen?“, fragt Martin Halusa, der aus Österreich stammende Vorstandsvorsitzende der Private-Equity-Gesellschaft Apax Partners. Er sieht die Kreditmärkte wieder heißlaufen: „Aber wird die Disziplin, die während der Krise entstanden ist, jetzt aufrechterhalten?“ Halusa lässt die Frage offen, aber so mancher europäische Finanzinvestor betont, dass mit den großen Transaktionen der vergangenen Jahre keine guten Renditen erzielt wurden.

          Andererseits ist die Macht der Geldgeber im Private-Equity-Geschäft seit der Krise deutlich gewachsen, und sie wiederum haben großes Interesse daran, dass Übernahmen nicht nur aufgrund billiger Kredite gemacht werden. Kein Finanzinvestor könne heute alleine mit „financial engineering“ erfolgreich sein, sagt Kevin Albert, Managing Director der amerikanischen Investmentgesellschaft Pantheon. Private Equity müsse sowohl das Spiel mit den Kapitalmärkten beherrsche als auch die operative Wertsteigerung der Unternehmen, betont er.

          Aus amerikanischer Sicht klingt vieles in Europa wie Gejammere, weil die Region wirtschaftlich nicht auf die Beine kommt und die Banken in Europa nach wie vor zögern, Private-Equity-Kredite zu vergeben. Gefragt, wo er 100 Millionen Dollar investieren würde, nennt Carlyle-Chef Rubenstein China (falls es überschüssiges Kapital wäre) und Amerika (falls es sein einziges Geld wäre): „Weil Amerika in den nächsten Jahren deutlich schneller wachsen wird als Europa.“

          Immerhin, alle Hoffnung verloren mit dem alten Kontinent haben die großen Finanzinvestoren noch nicht. Lionel Assant, Europa-Chef von Blackstone, wirbt zum Beispiel für Investments in Spanien. Die dortigen Banken werden bald eine Vielzahl interessanter Firmenbeteiligungen zu niedrigen Preisen an den Markt bringen, hofft er.

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