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Rückgang trotz Staatshilfen : Absatzkrise der Autoindustrie verschärft sich

In Japan geht der Autoabsatz schon seit Jahren zurück Bild: AP

Trotz staatlicher Hilfen rutscht die Autoindustrie in aller Welt tiefer in die Krise. Das zeigen die äußerst schwachen Verkaufszahlen der Branche für den Dezember 2008 und das gesamte vergangene Jahr. Die Hiobsbotschaften kommen gleichermaßen aus Japan, Frankreich und Spanien.

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          Trotz staatlicher Hilfen rutscht die Autoindustrie in aller Welt tiefer in die Krise. Das zeigen die äußerst schwachen Verkaufszahlen der Branche für den Dezember 2008 und das gesamte vergangene Jahr. Die Hiobsbotschaften kommen gleichermaßen aus Japan, Frankreich und Spanien. Gleichzeitig gerät in Deutschland die Branche der Autohändler immer stärker unter Druck (siehe Autohändler kämpfen um ihre Existenz).

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          In Japan wurden 2008 mit rund 3,2 Millionen Fahrzeugen so wenig Automobile gekauft wie seit 34 Jahren nicht mehr. Nach Angaben des japanischen Autohändlerverbandes vom Montag fiel die Zahl der verkauften Personenwagen, Busse und Lastwagen um 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr; es war der fünfte Rückgang nacheinander. Der Inlandsabsatz ist seit dem Sommer 2008 drastisch eingebrochen; im November und im Dezember lagen die Neuwagenverkäufe mehr als 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Auch der Absatz von steuerbegünstigten Kleinstwagen mit einem Hubraum bis zu 660 Kubikzentimeter fiel das zweite Jahr nacheinander - und zwar um 2,6 Prozent auf 1,87 Millionen Stück.

          Der Autoabsatz in Japan geht schon seit Jahren zurück. Dieser Trend ist auch eine Folge der schrumpfenden und alternden Bevölkerung. Das Minus im vergangenen Jahr aber gründet zum großen Teil in der rasanten Abschwächung der Wirtschaft, die in der Rezession steckt. Der Verband der japanischen Automobilhersteller Jama erwartet für dieses Jahr einen Absatzrückgang um rund 4,7 Prozent auf etwa 4,86 Millionen Stück.

          Der französische Autohersteller Peugeot konnte seinen Marktanteil jedoch erhöhen

          Daimler-Marken verloren 17,1 Prozent

          Auch in Frankreich haben unterdessen die staatlichen Subventionen einen prozentual zweistelligen Rückgang der Autoverkäufe im Dezember nicht verhindern können. Wie der Verband der französischen Hersteller meldet, sank der Absatz im Dezember 2008 gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um 15,9 Prozent. Bei einem Vergleich, der die gleiche Zahl von Arbeitstagen unterstellt, ergibt sich sogar ein Rückgang von 23,5 Prozent.

          Die Experten sind sich jedoch einig, dass der Einbruch ohne die Staatshilfen noch stärker ausgefallen wäre. In Frankreich erhält seit Anfang Dezember jeder Käufer eines Neuwagens mit weniger als 160 Gramm Kohlendioxidausstoß je Kilometer eine Prämie von 1000 Euro, wenn er gleichzeitig einen mindestens zehn Jahre alten Wagen verschrottet. Außerdem sieht seit Januar 2008 ein Bonus-Malus-System je nach Höhe des Kohlendioxidausstoßes einen staatlichen Zuschuss oder eine Strafgebühr von mehreren hundert Euro vor. Dieses System hat den Automarkt im vergangenen Jahr fast stabilisiert.

          Händler unter Druck

          Der Verkauf von Personenwagen ging nur um 0,7 Prozent auf 2,05 Millionen Fahrzeuge zurück. Die französischen Marken Renault, Peugeot und Citroën erhöhten ihren Marktanteil 2008 um 1,2 Prozent, die ausländischen Hersteller dagegen verloren 2,7 Prozent. Unter den deutschen Herstellern steigerte allein BMW dank des Mini seine Verkäufe um 3,9 Prozent. Die Daimler-Marken dagegen verloren 17,1 Prozent. Die VW-Gruppe, der mit Abstand größte deutsche Anbieter in Frankreich, verzeichnete einen Absatzrückgang von 1,1 Prozent.

          Der spanische Verband der Automobilhersteller Anfac machte den scharfen Abschwung für den Einbruch bei den Neuzulassungen verantwortlich. Alleine im Dezember wurden in Spanien 49,9 Prozent weniger Neuzulassungen vorgenommen.

          Unterdessen geraten in Deutschland die Händler immer stärker unter Druck. Deren Verbandspräsident Robert Rademacher sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, im laufenden Jahr würden voraussichtlich 30.000 der 470.000 Arbeitsplätze bei den Autohändlern und Werkstätten in Deutschland abgebaut. Der Absatz werde auf 2,8 Millionen Neuwagen schrumpfen.

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