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Rückenwind für Ökostrom : Blackstone steigt in Nordsee-Windpark ein

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Hier bläst es ordentlich: Windanlagen mitten im Meer Bild: ddp

Die Beteiligungsgesellschaft Blackstone finanziert das Energieprojekt „Meerwind“ vor Helgoland. Damit steigt erstmals in Deutschland ein großer Finanzinvestor in den Windparkbau auf See ein. Nach mehrjähriger Bauzeit soll die über eine Milliarde Euro teure Anlage 500.000 Haushalte versorgen.

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          Rückenwind für die Ökostrom-Branche: Mit der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Blackstone steigt erstmals in Deutschland ein großer Finanzinvestor in den Windpark-Bau auf See ein. Am Dienstag teilte Blackstone in London mit, dass das Projekt „Meerwind“ gemeinsam mit der Berliner Windland Energieerzeugungs GmbH realisiert wird. Nach mehrjähriger Bauzeit soll die über eine Milliarde Euro teure Anlage nordwestlich von Helgoland pro Jahr 1,6 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen und 500.000 Haushalte versorgen.

          Der von der Bundesregierung für den Klimaschutz gewünschte Bau von Windparks in Nord- und Ostsee stockte bislang, weil nur wenige Geldgeber die erheblichen Risiken eingehen wollten. Investoren wie Blackstone suchen jetzt aber wegen der weltweiten Finanzmarktkrise nach neuen Anlagemöglichkeiten. Der deutsche Windstrom gilt als lukrativ, weil der Staat die Produktion mit festgelegten Preisen unterstützt.

          Neben Blackstone bauen auch die etablierten Stromkonzerne ihr Windgeschäft aus. Am Dienstag gab das zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) grünes Licht für den von Eon, Vattenfall und EWE finanzierten Bau des ersten Offshore-Windparks „alpha ventus“ in der Nordsee.

          Im Herbst Stromproduktion auf hoher See

          Rund 45 Kilometer nördlich von Borkum können nun die ersten zwölf Rotoren mit je fünf Megawatt Leistung aufgestellt werden. „Damit wird alpha ventus das erste Windparkprojekt in Deutschland sein, das voraussichtlich ab Herbst Strom auf hoher See produziert“, sagte Christian Dahlke vom BSH. Der Bund fördert das Projekt mit 50 Millionen Euro.

          Im vergangenen Jahr erreichte der Windstrom an Land einen Anteil von 14 Prozent an der Stromproduktion. Für mehr als 20 Offshore- Windparks in Nord- und Ostsee hat das BSH Genehmigungen erteilt. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee rechnet bis 2030 mit dem Bau von 30 Großanlagen. Sie sollen bis zu 25.000 Megawatt leisten und Deutschland unabhängiger von Gas und Kohle machen.

          Nach Angaben von Blackstone wird die Anlage „Meerwind“ pro Jahr etwa 1,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen, die bei gleicher Strommenge in Kohlekraftwerken anfallen würden. Die ersten Windturbinen sollen sich zum Jahr 2012 drehen. Die weltweit aktive Beteiligungsgesellschaft, die auch 4,5 Prozent an der Deutschen Telekom hält, will sich verstärkt im Ökostrom-Markt engagieren.

          Bund bewertet Blackstone-Einstieg positiv

          In Uganda hat sich Blackstone mit 870 Millionen Dollar an einem Wasserkraftwerk beteiligt. „Wir halten weiterhin nach Investitionschancen Ausschau, die sich bei groß angelegten Infrastrukturobjekten im Energiebereich ergeben“, erklärte Blackstone-Manager David Foley.

          Windland-Gründer Joachim Falkenhagen begrüßte den Einstieg des amerikanischen Investors, der beträchtliches Kapital und Wissen einbringe. „Dieses Projekt wird zur Sicherung der Stromversorgung in Deutschland beitragen und eine neue Offshore-Industrie in der Nordsee erschließen“, sagte er. Windland besitzt die Lizenz für „Meerwind“. Auch in der Bundesregierung wird der Einstieg von Blackstone positiv bewertet. Dies sei ein Signal für weitere Investoren, dass der Ausbau der Windeenergie gewinnträchtig sei, hieß es in Regierungskreisen.

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