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Rubin Ritter : Fast 40 Millionen Euro für Zalando-Manager

Rubin Ritter Bild: Reuters

In der Corona-Krise setzt der Online-Modehändler Zalando deutlich mehr um. Davon profitiert auch der Aktienkurs. Ko-Vorstandschef Rubin Ritter macht Kasse.

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          Während die meisten deutschen Unternehmen sich wünschen, die Corona-Krise möge bald vorbei sein, gibt es auch einige, denen sie deutlichen Auftrieb verliehen hat. Eines davon ist Zalando. Weil in Zeiten von Kontaktbeschränkungen immer mehr Menschen den Kauf von Mode im Internet für sich entdecken, steigerte Europas größter Online-Modehändler seinen Umsatz im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel. Der Quartalsgewinn von April bis Juni verdreifachte sich fast im Vergleich zum Vorjahr. Beides schlug sich im Aktienkurs nieder: Notierten die Anteilsscheine des Berliner Unternehmens Anfang des Jahres bei rund 45 Euro, standen sie zuletzt bei mehr als 75 Euro.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für Rubin Ritter, den 38 Jahre alten Strategievorstand des Unternehmens, bot die Kursrally eine offenbar willkommene Gelegenheit, Kasse zu machen. Nach F.A.Z.-Recherchen, die sich auf Pflichtmitteilungen des Unternehmens stützen, erhielt Ritter seit Beginn der Corona-Krise über Aktienoptionen insgesamt 600.000 Aktien des Unternehmens zum Preis von je einem Euro, die er für insgesamt 39,2 Millionen Euro verkaufte. Die Aktien waren aufgeteilt in fünf Tranchen, von denen Ritter zwei im Mai und drei im August erhielt. Sie wurden fast alle unmittelbar nach ihrem Erhalt im Direkthandel außerhalb der Börse plaziert. Die Aktien aus dem Mai brachten Ritter knapp 13 Millionen Euro ein, die aus dem August weitere 26 Millionen. Das letzte Aktienpaket verkaufte er am 3. September. Abzüglich des Kaufpreises blieb ihm ein Gewinn von 38,6 Millionen Euro.

          „Ein ganz normaler Vorgang“

          Nach Auskunft von Zalando stammen die Aktienoptionen aus Programmen von 2011 und 2013, also der Anfangsphase des 2008 gegründeten Unternehmens. „Aktienoptionen sind generell fester Bestandteil des Vergütungsmodells bei Zalando ab Managementebene“, sagte eine Sprecherin. „Die Ausübung der Aktienoptionen zu einem bestimmten Zeitpunkt ist daher ein ganz normaler Vorgang.“ Im Jahr 2018 wurden solche Optionen für die drei Ko-Vorstandschefs Ritter, Robert Gentz und David Schneider sogar zum Hauptteil ihres Gehalts.

          Damals wurden ihre Festgehälter von 200.000 Euro auf 65.000 Euro im Jahr gekürzt. Dafür erhalten sie über fünf Jahre Optionen auf 1,75 Millionen Aktien pro Person – vorausgesetzt, Zalando wächst jedes Jahr um mindestens 15 Prozent. Liegt das Wachstum darunter, verringert sich die Zahl der Optionen, fällt es unter 10 Prozent im Jahr, gehen die drei leer aus. Wenn Zalando seine Wachstumsrate und das Niveau seines Aktienkurses hält, sind für Ritter also noch weitere Millionen auf dem Weg.

          Offen bleibt, warum er seine nun erhaltenen Aktien direkt auf den Markt geworfen hat. Damit unterscheidet er sich nämlich von seinen beiden Kollegen im Führungstrio, die auf einen weiter steigenden Aktienkurs wetten. Gentz und Schneider erhielten Anfang September über Optionen jeweils gut 300000 Aktien. Statt sie direkt zu verkaufen, schlossen sie jedoch jeweils eine Verkaufsorder ab, die erst bei einem Kurs oberhalb von 80 Euro ausgelöst wird. Zu seinen Motiven wollte sich Ritter nicht äußern.

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