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RTL hält an Sendung fest : Das große Geschäft mit dem Dschungelcamp

Die Kandidaten des diesjährigen Dschungelcamps in einer Fotomontage Bild: RTL

Das Dschungelcamp geht in seine 14. Staffel. Wegen der Brände in Australien fordern Politiker eine Absage der Sendung. Bei RTL will man davon nichts hören: Das Geschäft brummt, 30-Sekunden-Werbespots kosten ein Vermögen.

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          Es hat schon unbeschwertere Jahre gegeben für das Dschungelcamp, das am Freitag in seine 14. Staffel geht. Jedes Jahr wieder versammeln sich zwölf mehr oder weniger prominente Personen im australischen Dschungel, um Würmer zu essen und allerlei Mutproben zu bestehen. Doch wenn zurzeit vom australischen Dschungel die Rede ist, geht es nicht um Klamauk, sondern um gewaltige Waldbrände, denen Menschen wie Tiere zum Opfer fallen.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wenig überraschend werden erste Forderungen laut, das Dschungelcamp abzusagen, so zum Beispiel von SPD-Politiker Karl Lauterbach, der in der „Bild“-Zeitung sogar von einem „Tanz auf dem Vulkan“ spricht. Auch Politiker von CDU, FDP und Grünen sowie einige Promis halten eine Absage oder eine Verlegung in ein anderes Land für angemessen. Eine Sprecherin der australischen Botschaft wiegelt auf Anfrage der F.A.Z. jedoch ab: „Wir haben dazu keinen Kommentar.“ Auch RTL hält an der Sendung fest.

          Andere Veranstaltungen haben schon Konsequenzen gezogen. Der australische Tennisverband plant für kommende Woche im Vorfeld der Australian Open Show-Matches mit Roger Federer, Rafael Nadal und Serena Williams. Das soll Spenden für die Waldbrandopfer einspielen. Stattfinden wird das Tennisturnier wohl dennoch.

          Der Drehort des Dschungelcamps liegt im Bundesstaat New South Wales, der als der am stärksten betroffene angesehen wird. Allerdings sind die nächsten Brände laut einem Dienst der australischen Regierung etwa 100 Kilometer entfernt. Zudem hat RTL Maßnahmen ergriffen. Die Evakuierungspläne wurden geprüft, Sicherheitssysteme installiert und die zwölf Teilnehmer über die Gefahren informiert, teilt RTL mit. Zudem wird es diesmal kein Lagerfeuer geben, sondern nur eine Gaskochstelle; und für die Raucher unter den Stars wurden neue Regeln erlassen.

          Ansonsten will RTL mit der Show aber wie geplant fortfahren. Schließlich ist sie für den Sender ein großes Geschäft, auch wenn die Zuschauerzahlen deutlich zurückgegangen sind. Im vergangenen Jahr schauten 6,35 Millionen Zuschauer das Finale, 2011 waren es noch fast 9 Millionen Zuschauer gewesen. 2018 beliefen sich allein die Einnahmen mit klassischen Werbespots auf mehr als 37 Millionen Euro, wie das Beratungsunternehmen Ebiquity berechnete. Neben den Werbeblöcken sind auch Produktplazierungen und weitere Kooperationen einträglich. Wie viel Geld dadurch zusammenkommt, ist nicht bekannt. Dem gegenüber stehen laut Schätzungen Kosten von etwa 30 Millionen Euro. Insgesamt sind nach Angaben des Senders etwa 400 Mitarbeiter allein in Australien an der Produktion beteiligt.

          Teure Spots

          Die Preise für die klassischen Werbespots während der aktuellen Staffel weist der RTL-Vermarkter IP Deutschland aus, sie liegen für den Januar etwa ein Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Am teuersten ist ein 30-Sekunden-Werbespot während des Finales. Er kostet in diesem Jahr 102.480 Euro, allerdings gewährt RTL Großkunden, die viele Spots buchen, deutliche Rabatte. Für kürzere Werbespots liegen die Preise je Sekunde etwas höher; es werden Aufschläge bis zu 18 Prozent fällig. Wer während der ersten Folge am Freitag werben will, zahlt zwischen 60.000 und 95.000 Euro.

          RTL betreibt einigen Aufwand, um den Unternehmen das Dschungelcamp als Werbeumfeld schmackhaft zu machen. Jedes Jahr gibt es dafür neue Werbeformate, die mitten in der Show angezeigt werden und damit für die Werber attraktiver sind als die klassischen Spots in den Werbepausen, weil die Zuschauer nicht einfach wegschalten können. Neu dabei ist dieses Jahr die Schweizer Marke Ovomaltine, die zum Nahrungsmittelkonzern „Associated British Food“ gehört. Sie wirbt für ihren Brotaufstrich „Crunchy Cream“, der – passend zum Dschungel – ohne Palmöl auskommt. Auch der Baden-Württembergische Süßwarenhersteller Hosta feiert mit seinen Marken Nippon und Mr. Tom eine Dschungelpremiere.

          „Auch nicht blöder als das Traumschiff“

          Generell ist das Dschungelcamp unter Herstellern aus der Nahrungsmittelbranche ein beliebtes Werbeumfeld – trotz all der unappetitlichen Speisen. Oder vielleicht gerade deswegen, denn wem der Appetit vergeht, ist vom Abnehmen auch nicht mehr weit entfernt. Das könnte einer der Beweggründe von Weight Watchers sein, dort zu werben. Wie in den Vorjahren ist auch McDonalds wieder mit Produktplazierungen dabei. Wenn Kandidaten ausgeschieden sind, werden sie direkt zur nächsten McDonalds-Filiale gefahren. Nach Wochen der Entbehrung beißen die Kandidaten dann besonders herzhaft in den Burger. Zudem schaltet die Burgerkette einige weitere Anzeigen, die etwa zum Telefon-Voting eingeblendet werden.

          „Ich sehe das zynisch“, sagt Stefan Trabant, Gründer und Kreativchef der Berliner Werbeagentur Super an der Spree, über das Dschungelcamp als Werbeumfeld. „Da kann jeder werben“, Ekel und das vermeintlich niedrige Niveau seien keine Probleme: „Das ist doch auch nicht blöder als das Traumschiff, und Mehlwürmer sind längst das neue Power-Food im Supermarkt“, findet Trabant.

          Aus seiner Sicht geht noch mehr: „Als Werbeumfeld wird das Dschungelcamp noch viel zu unkreativ genutzt.“ Er findet vor allem, dass eine – ruhig auch ironische – werbliche Begleitung in den sozialen Medien fehlt. „Das ist doch das Witzige dabei, dass man sich parallel online darüber unterhält. Die Unternehmen brauchten dafür ein gutes Team für Instagram und Twitter. Das ist der Königsweg“, findet der Werbefachmann, der die Sendung regelmäßig mit der Familie schaut und sich dafür nicht schämt: „Das Dschungelcamp ist das letzte Lagerfeuer der Fernsehkultur, so wie früher Wetten, dass ..?“

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