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Zalando : 27 Kilometer zu Fuß unterwegs im Logistikzentrum

Zalando: „Ein guter und verantwortungsvoller Arbeitgeber“

Es ist das gängige Bild, das wohl die ganze Branche der Versandhändler bietet. Auch im Amazon-Lager in Bad Hersfeld steht Wachpersonal an den Zugängen zur Lagerhalle, auch hier gibt es die Unterscheidung in Receiver, Picker, Packer – in Mitarbeiter also, die neue Ware einsortieren, Bestellungen zusammenstellen oder Pakete bereit machen für die Auslieferung. Beim Aschaffenburger Onlineversender Redcoon, der zum Metro-Konzern gehört und der hauptsächlich mit Elektronik handelt, stehen am Halleneingang Metalldetektoren.

Was RTL und Caro Lobig nun am Standort Erfurt scharf kritisieren, können die Zalando-Verantwortlichen gar nicht nachvollziehen. „Dieser Bericht hat uns sehr erschüttert“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. „Unser Ziel und Anspruch ist es, ein guter und verantwortungsvoller Arbeitgeber zu sein.“ Damit sei man auf guten Weg, und das bestätigten auch die Mitarbeiter vor Ort. Der Internethändler verweist auf eine vertrauliche Mitarbeiterumfrage durch ein externes Meinungsforschungsinstitut vom vergangenen Oktober. Hier hätten die mehr als 1000 Teilnehmer alleine am Standort Erfurt ein positives Arbeitsklima bestätigt. 88 Prozent macht ihre Tätigkeit demnach Spaß, 84 Prozent planten, langfristig bei Zalando zu bleiben und 80 Prozent seien stolz, bei Zalando zu arbeiten.

Zu einem Punkt äußerte sich der für den Bereich Operations zuständige Geschäftsführer David Schröder besonders ausführlich. Im „Extra“-Bericht war die Rede von einem Todesfall als direkter Folge von Überarbeitung. „Tatsache ist, dass es bis zum heutigen Tag keinen einzigen Todesfall in unserem Logistikzentrum in Erfurt gab“, betonte Schröder. „Aufgrund des unerwarteten häuslichen Todesfalls eines unserer Mitarbeiter haben wir selbstverständlich Anteil genommen, mit allen Kollegen eine Schweigeminute eingelegt und im Namen der Kollegen einen Kranz bei der Beerdigung niedergelegt.“

Zalando beließ es nicht nur bei einer verbalen Reaktion auf RTL. Auch juristisch keilt der Modehändler zurück. Nach den verdeckten Recherchen nahm die Erfurter Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen gegen die Reporterin auf – nach einer entsprechenden Anzeige des Unternehmens. Ein RTL-Sprecher sagte, juristischen Schritten sehe sein Sender gelassen entgegen. Und drohte, am Ball bleiben zu wollen: „Unsere Reporter werden weiter verfolgen, ob die von Zalando angekündigten Überprüfungen zu Veränderungen geführt haben.“ Dem vor sechs Jahren gegründeten Unternehmen mit inzwischen 1,8 Milliarden Euro Jahresumsatz stehen also weiterhin stürmische Zeiten bevor.

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