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Royal Mail : Die Deutsche Post blickt nach Großbritannien

Die britische Regierung will dreißig Prozent der Staatspost an einen privaten Investor veräußern Bild: AFP

Die britische Regierung sucht einen Investor für die Staatspost Royal Mail. Gespräche mit der Deutschen Post laufen. Doch offenbar wünscht der Bonner Konzern nur einen genaueren Einblick in den Markt. Ein neues Übernahmeabenteuer gilt als ziemlich unwahrscheinlich.

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          Die Deutsche Post nutzt den geplanten Teilverkauf der britischen Staatspost Royal Mail für eine intensive Erkundung des britischen Marktes. Anscheinend hat sie aber bislang wenig Interesse, tatsächlich einen Minderheitsanteil zu übernehmen. Konzernsprecher wollten die Verhandlungen in London am Montag nicht direkt kommentieren. Sie verwiesen jedoch auf frühere Aussagen, dass die Post vor allem auf Wachstum aus eigener Kraft setze und die Zeit großer Unternehmensübernahmen vorerst vorüber sei. Vorstandschef Frank Appel hatte erst vor wenigen Wochen die Abkehr vom früheren Expansionskurs bekräftigt und ein strategisches Interesse am Einstieg in weitere Staatskonzerne verneint. Vielmehr hat er den Schwerpunkt darauf gelegt, die Konzernteile enger miteinander zu verzahnen, um das vorhandene "Potential" besser auszuschöpfen.

          Helmut Bünder
          (bü.), Wirtschaft

          Die Regierung in London will bis zum Sommer dreißig Prozent der Staatspost an einen privaten Investor veräußern. Neben der Deutschen Post haben ihr niederländischer Konkurrent TNT Post und der Finanzinvestor CVC Interesse angemeldet und sind in die Endrunde des Bieterwettstreits vorgestoßen.

          Drei Milliarden Euro soll der Anteil bringen

          Die britische Regierung erhofft sich angeblich Einnahmen in der Größenordnung von drei Milliarden Euro. Dafür ist sie im Gegenzug bereit, die Staatspost von Pensionsverpflichtungen für frühere Beamte zu entlasten und die rund 12.000 Postämter zu modernisieren. Marktkenner halten Royal Mail dennoch für ein gewagtes Engagement. Sie sei personell immer noch überbesetzt und die Technik nicht auf dem neuesten Stand. Außerdem seien bei einem Verkauf Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften zu befürchten. Auch strukturell ist der britische Postmarkt in einer schwachen Verfassung, weil das Briefaufkommen dort sogar noch schneller zurückgeht als in Deutschland.

          Branchenfachleute und Analysten mehrerer Institute äußerten übereinstimmend den Eindruck, dass es der Post in erster Linie darum gehe, in die Bücher des Konkurrenten zu schauen. Ein Kauf von Anteilen an der Royal Mail sei unwahrscheinlich. Die Deutsche Post habe schon genug Probleme zu lösen, meinte etwa Jochen Rothenbacher von Equinet.

          Finanzinvestor CVC gilt als ernsthaft interessiert

          Dass sich die Post nach dem Ausstieg aus dem amerikanischen Expressmarkt auf ein neues Abenteuer in Großbritannien einlässt, kann sich auch Frank Skodzik von der Commerzbank nicht vorstellen. Ein konkurrenzfähiges Übernahmeangebot wäre eine schwere Belastung für den Kurs der Postaktie, schrieb er. Der Bonner Konzern ist auf dem britischen Briefmarkt über die im Januar 2004 gekaufte Tochtergesellschaft Speedmail vertreten. Sie bedient ausschließlich Geschäftskunden. Mit der Royal Mail ist die Post über einen Kooperationsvertrag verbunden, der es erlaubt, Sendungen in deren Zustellnetz einzuspeisen. Umsätze für Großbritannien nennt der Konzern nicht.

          Ernsthaftes Interesse an Royal Mail dürfte neben TNT auch CVC mitbringen. Der Finanzinvestor war 2005 schon mit 22 Prozent bei der dänischen Post eingestiegen. Nach dem Verkauf dieses Anteils hat er sich im Februar mit knapp 50 Prozent an der belgischen Post beteiligt. TNT schaut sich weltweit nach neuen Möglichkeiten um. Auf dem britischen Geschäftskundenmarkt sind die Niederländer zweitstärkster Anbieter hinter Royal Mail und könnten stärker als der deutsche Konkurrent von Synergieeffekten profitieren.

          Unter ihrem früheren Vorstandschef Klaus Zumwinkel war die Deutsche Post systematisch auf die Postmärkte anderer Staaten vorgestoßen, um ihre Abhängigkeit vom deutschen Briefmonopol zu verringern. Neben Großbritannien ist der Konzern auch in den Niederlanden, Spanien, Frankreich und den Vereinigten Staaten, dem mit Abstand wichtigsten Einzelmarkt, tätig. In Japan muss sich die Post auf Werbesendungen beschränken, die nicht unter das nationale Briefmonopol fallen. Das als DHL Global Mail firmierende internationale Briefgeschäft hat die Erwartungen nur zum Teil erfüllt. Im vorigen Jahr ist der Umsatz um etwa fünf Prozent auf 2,1 Milliarden Euro gesunken. Im vierten Quartal betrug das Minus sogar mehr als zwanzig Prozent.

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