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Roter Thunfisch : Das große Fischen

Ein kostbares Gut: Am Hafen des südfranzösischen Sète wird Thunfisch teuer verkauft Bild: F.A.Z./Julia Zimmermann

Sushi ist in der ganzen Welt beliebt. Daher gehen die Bestände des roten Thunfischs gefährlich zur Neige. So treffen die Fischerflotten im Mittelmeer auf schrumpfende Ressourcen - und neuerdings auf einen ausgeklügelten Überwachungsstaat.

          7 Min.

          Er durchquert die Weltmeere wie andere Fische einen Binnensee. Fast 80 Stundenkilometer ist er schnell. Oft schwimmt er nahe der Oberfläche, gelegentlich springt er über sie hinaus oder taucht bis zu tausend Meter in die Tiefe. Mancher von ihnen wird 40 Jahre alt, wiegt 600 Kilo und ist vier Meter lang. Das Kraftpaket frisst Unmengen kleiner Fische. Sein Fleisch ist in Japan eine Delikatesse. Durch den internationalen Erfolg der Sushi-Bars begehren ihn heute auch Gastronomen in aller Welt.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der Blauflossen-Thunfisch ist in jeder Hinsicht ein außergewöhnliches Meerestier. Auf dem Fischmarkt in Tokio kauften zwei Sushi-Bar-Eigner im Januar ein 128 Kilogramm schweres Exemplar für 100.000 Dollar. Das ist zwar kein repräsentativer Preis, denn die traditionellen Auktionen zu Jahresbeginn ziehen besonders motivierte Bieter an. Doch 20.000 Dollar für einen Fisch sind nicht selten. Kein Wunder, dass hochmoderne Fischerboote mit Radar, Ultraschall und Echolot hinter ihm her sind. Vor einigen Jahren setzten sie auch Flugzeuge ein, das aber ist heute verboten. Die Fischer umzingeln die Schwärme mit kilometerlangen Netzen und ziehen sie von unten zu. Mit jedem Fangzug verengen sie jedoch auch ihr Geschäft. Denn der Thunfisch ist vom Aussterben bedroht, sagen Wissenschaftler und haben zusammen mit Umweltschutzverbänden wie dem World Wide Fund for Nature (WWF) bei den Regierungen eine Einschränkung der Fangzüge durchgesetzt.

          „Es tut mir weh, das Schiff für zehn Monate im Jahr einzumotten“

          Es ist Mitte Juni im südfranzösischen Küstenstädtchen Sète, und für Fabrice Marin beginnt schon „der Winterschlaf“, wie er sagt. Blaue und weiße Tücher hat er über die vielen Bildschirme und elektronischen Schaltpulte im Kontrollraum seines Schiffs gelegt. Das Boot ist gereinigt, die Netze sind verstaut. Mitte April durfte er in See stechen, zwei Monate später musste er die Arbeit wieder einstellen. „Es tut mir weh, das Schiff für zehn Monate im Jahr einzumotten“, sagt Marin. Sein Boot liegt im Hafen von Sète wenige Schritte entfernt von der Niederlassung der Bank Crédit Maritime. Marin zeigt mit ungutem Gefühl zu dem Gebäude auf der anderen Straßenseite, denn die Finanzleute sitzen ihm im Nacken. „Im letzten Jahr hatten wir extrem schlechtes Wetter, und ich fing nur zehn Tonnen anstatt der quotenmäßig erlaubten 120 Tonnen.“ Daher hat er den Kredit für sein 4 Millionen Euro teures Schiff nicht bedient. In diesem Jahr lief es besser, und Marin erbeutete 90 Tonnen. „Doch damit mache ich immer noch Verlust. Ich brauche 120 oder besser 200 Tonnen. Wenn ich 2003 gewusst hätte, welche Grenzen die uns setzen, hätte ich das Boot nicht gekauft.“

          Am Hafen von Sète ist nur Fischern der Zugang zum Kai erlaubt

          Das Mittelmeer ist der größte Jagdgrund der Thunfisch-Fänger, und die Franzosen stellen die modernsten Schiffe unter den Anrainerstaaten, auch wenn in diesem Jahr nur 28 in See stachen. Daher beanspruchen sie auch die höchsten Fangquoten. Das Hafenstädtchen Sète in der Nähe von Montpellier ist ihr Zentrum, und es ist die Heimat des 37 Jahre alten Marin. Der Franzose hielt lange Zeit nicht viel vom Beruf seines Vaters und Großvaters - im Gegensatz zu seinem zwei Jahre jüngeren Bruder. Der starb jedoch mit 17 bei einem Motorradunfall. Seither fährt Fabrice Jahr für Jahr hinaus, bis heute begleitet von seinem Vater. 2003 wagte er einen Quantensprung, indem er sein Holzboot durch ein 38 Meter langes Schiff, vollgestopft mit Elektronik, ersetzte. Er taufte es nach seinem verstorbenen Bruder „Eric Marin“. „Früher sind wir dreimal im Jahr für längere Fangzüge ausgelaufen“, berichtet er.

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