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Roter Thunfisch : Das große Fischen

Die Thunfisch-Fischer konnte Avallone jedoch nicht hinter sich vereinen. Es gibt zwei Gewerkschaften, die sich mehr bekriegen als beschützen. Mourad Kahoul aus Marseille ist der Gewerkschaftschef der kleineren Fischer. Er gilt als Hitzkopf, der es gelegentlich an Weitsicht fehlen lässt. „Zu den Leuten aus dem Norden gebe ich keinen Kommentar ab“, sagt er über die Konkurrenz-Gewerkschaft aus Sète, die eine Verbindung zu Fischern in der Bretagne hat. 2006 trommelte Kahoul etliche Fischer zusammen, um vor dem Hafen von Marseille ein Greenpeace-Schiff an der Einfahrt zu hindern.

Dies war ein großes Eigentor, denn Greenpeace nutzte die Aktion für eine Informationskampagne gegen die Ausbeutung des Mittelmeeres und brandmarkte jene, die vom Fischfang leben. Viele wollen heute gar nicht mehr mit der Presse reden. „Die Leute zeigen schon auf der Straße mit dem Finger auf uns“, sagt einer. „Doch wir sind keine Kriminellen. Wir wollen nur unseren Beruf ausüben.“ Das aber ist nicht einfach. Denn die Preise fallen. Nachdem ein Kilogramm Thunfisch im vergangenen Jahr noch 8 Euro eingebracht hat, sind es jetzt etwa 5 Euro. Japans volle Lager verstärken den Preisrückgang. Zusätzlich fühlen sich die Fischer in ein enges Korsett aus Vorschriften und Auflagen gepresst. In diesem Jahr war erstmals eine Militärfregatte der Franzosen im Mittelmeer unterwegs, um sie zu kontrollieren. Flugzeuge überflogen die Fangzonen. Jedes Auslegen der Netze brauchte eine Genehmigung und musste detailliert nach seinen Fangergebnissen dokumentiert werden. Thunfische unter 30 Kilogramm sind tabu.

Der Preis für jahrelange Überfischung ist hoch

Die nun plötzlich über die Fischer hereinbrechende Überwachung ist der Preis, den sie für die jahrelange Überfischung zahlen. Die Kontrollen zeigen langsam Wirkung: Die meisten Experten glauben, dass die Franzosen die Fangobergrenzen 2009 weitgehend respektiert haben. Das war schon im Vorjahr der Fall, nicht aber 2007, als sie etwa das Doppelte des Erlaubten herausholten. „Es gab in diesem Jahr eine deutlich bessere Überwachung der Flotten aus den EU-Ländern“, sagt François Chartier, Fischereiexperte von Greenpeace in Paris. „Die Quotenüberschreitungen waren wohl weniger schlimm als in den Vorjahren.“ Doch die Türkei hat eine große Flotte von mehr als hundert Thunfisch-Fängern, die immer moderner werden. Auch Länder wie Kroatien rüsten auf. „Hinzu kommt, dass in libyschen Gewässern jede Transparenz fehlt“, sagte Greenpeace-Experte Chartier. Bei anderen nordafrikanischen Ländern wie Tunesien sieht die Lage nicht viel besser aus. Innerhalb der EU werden die Italiener kritisch beäugt, weil sie ihren zahlreichen Booten in diesem Jahr quasi mit der Gießkanne so geringe Quoten zuteilten, dass eine Überschreitung aus wirtschaftlichen Gründen fast schon zwangsläufig erschien.

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