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Roter Thunfisch : Das große Fischen

Die Franzosen müssen bis nach Ägypten zum Fischen fahren

Da gab es noch viele Thunfische, und da beherrschten die Japaner noch nicht die Nachfrage. Der größte Thunfisch-Importeur der Welt ist heute der Mitsubishi-Konzern. Er und die anderen Käufer aus Nippon bevorzugen die Ware lebend. Daher bringen die französischen Fischer ihre Beute nicht mehr an Bord und lagern sie dort in Kühlfächern, sondern sie übergeben die in ihren Netzen tollenden Schwärme auf hoher See an die sogenannten „mareyeurs“. Dies sind Fischhändler, die große Fischfarmen nahe der Mittelmeerküsten betreiben. Ihre Schiffe schleppen riesige Netze, die an der Wasseroberfläche an einen festen Ring gebunden sind und an Swimmingpools erinnern. In der Fangzone werden die Netze der Käufer und Verkäufer verknüpft, so dass die Thunfische von einem zum anderen schwimmen. Dann schleppen die Fischhändler ihren Kauf zurück zu ihren Farmen und päppeln ihn mit Sardinen, Anchovis und Tintenfisch so lange zu fetten Meerestieren auf, bis sich in Japan Abnehmer finden.

Der Dichter und Chansonnier George Brassens, der 1921 in Sète geboren ist, besang einst ein kleines Fischerboot, das aufs weite Meer hinauszog und dann ein Opfer der Wellen wurde. Die Thunfisch-Kutter von Sète sind heute hochseefest. Doch auch sie legen während der erlaubten Fangperiode weite Wege zurück, denn vor der französischen Küste sind die begehrten großen Tiere verschwunden. Bis zu den Balearen, nach Ägypten, Zypern und nach Libyen fahren sie. Vor allem an den Exkursionen in libysche Gewässer scheidet sich unter den Fischern die Spreu vom Weizen.

In Lybien darf nur unter Landesflagge gefischt werden

„Es hat sich eine Zweiklassengesellschaft gebildet - jene, die bis Libyen fahren, und die anderen“, sagt Jean-Pierre Lacan, ein auf Fischerei spezialisierter Journalist bei der Regionalzeitung „Midi Libre“. Nicht alle Fischer können in weite Reisen investieren. Ihnen fehlen die politischen Beziehungen zur libyschen Regierung. Wer dort fischen will, muss sein Schiff unter libysche Flagge stellen, wozu nur die Besitzer von Schiffsflotten in der Lage sind. Als Meister dieser Industriefischerei gilt der Franzose Jean-Marie Avallone, der in drei Jahrzehnten ein kleines Imperium aus Booten und dem Fischverarbeitungsbetrieb Midipêche aufgebaut hat. Rund 140 Leute beschäftigt er; mit seinen acht Thunfisch-Booten kommt er in diesem Jahr wohl auf einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro.

Dies sagt jedenfalls Joseph Salou, ein ehemaliger Marineoffizier, der heute als Manager für Avallone arbeitet. Einige Fischerkollegen reden abfällig über Avallone, weil sie ihm vorwerfen, die Kleinen aufkaufen zu wollen. Obskure Finanztransaktionen halten sie ihm vor, durch die er seine Interessen durchgesetzt haben soll. Avallones eindrucksvolle Villa am Ortsrand von Sète vermittelt in der Tat ein Bild des Wohlstands. Im Süden Frankreichs ruft dies häufig auch Neid hervor. Der 71 Jahre alte Avallone spricht nicht zur Presse, er findet aber einige Fürsprecher, die ihn als erfolgreichen und redlichen Unternehmer beschreiben. „Sein Professionalismus verdient Anerkennung“, sagt Joseph Salou. „Er hat viel für den Berufsstand getan.“

„Wir sind keine Kriminellen. Wir wollen nur unseren Beruf ausüben“

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