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Drogeriemarkt : Rossmann greift mit Bio-Nahrung an

Mehr Bio, mehr Auswahl: Rossmann will das Sortiment an ökologischen Lebensmitteln erweitern. Bild: dpa

Ökologische Lebensmittel liegen im Trend. Die Drogeriemarktkette Rossmann will nun ihre Position im immer schärferen Wettbewerb stärken. Eine besondere Rolle spielt dabei die Marke Alnatura.

          Es ist eines der größten Wachstumsfelder im Lebensmittelhandel. Bio-Produkte, von der Nudel über die Milch bis zum Apfel, sind seit Jahren voll im Trend. Nicht nur Edeka und Rewe oder Discounter wie Aldi und Lidl bauen deshalb ihr Sortiment aus. Auch die Drogeriemarktketten wollen vom Öko-Boom profitieren. Zum Beispiel Rossmann aus Burgwedel: Schon heute hat die zweitgrößte Drogeriemarktkette in Deutschland eine Auswahl an Bio-Lebensmitteln, aber jetzt soll es richtig losgehen. „Die Kunden nehmen das Angebot sehr gut an“, sagte Raoul Roßmann, Geschäftsführer für Einkauf und Marketing. „Deshalb wollen wir das Geschäft forcieren.“

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Konkret will Rossmann die Regalmeter, die für Bio-Lebensmittel zur Verfügung stehen, von durchschnittlich 5 Metern auf bis zu 8 Meter erweitern. Darin soll dann eine größere Auswahl der Eigenmarke Enerbio zu finden sein, aber auch eine externe Marke soll für Schub sorgen: Alnatura. Das Bio-Label, das früher exklusiv von dm verkauft wurde, hat sich nach langem Rechtsstreit abgenabelt und ist schon heute mit Babykost bei Rossmann zu finden. Im Internet will Rossmann jetzt alle 750 Alnatura-Produkte anbieten, ebenso wie in zwanzig Testmärkten. Wenn dort der Absatz stimmt, würden weitere Filialen die komplette Bandbreite übernehmen, sagte Raoul Roßmann, der als Nachfolger für seinen Vater, den Gründer und Firmenchef Dirk Roßmann, gehandelt wird.

          Die größere Auswahl an Lebensmitteln, die bislang für 10 Prozent des Umsatzes stehen, ist kein Selbstzweck. Sie soll auch die Position im Wettkampf mit Aldi, Edeka und Co. verbessern, die ihrerseits massenhaft Drogeriewaren ins Sortiment nehmen. Um die Schlagkraft weiter zu erhöhen, hält Rossmann das Expansionstempo hoch und eröffnet viele neue Läden. Allein in Deutschland, wo der Konzern mehr als 2000 Filialen betreibt, will er in diesem Jahr 110 Geschäfte aufmachen. Allerdings ist das Ende der Fahnenstange bald erreicht. Denn vielerorts ist das Netz so dicht, dass jeder neue Laden den alten Rossmann-Geschäften Kunden abnimmt: „Wir sind in einer Phase, in der wir uns schon selbst kannibalisieren“, sagte Dirk Roßmann. In Zukunft müsse der Konzern stärker auf bestehender Fläche wachsen.

          Harte Preiskämpfe werden erwartet

          Im vergangenen Jahr hat die Nummer zwei nach dm aus Karlsruhe den verstärkten Wettbewerb zu spüren bekommen. Zwar ist der Konzernumsatz um 6,3 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro gestiegen. Das starke Plus erklärt sich aber vor allem aus den Auslandsgeschäften, die um 9 Prozent zulegten. In Deutschland, wo die Preiskämpfe immer heftiger werden, lag der Zuwachs bei 5,4 Prozent und damit deutlich unter den Raten, die Rossmann in früheren Jahren – besonders nach der Insolvenz von Schlecker – erzielt hatte. „Das sind die Wachstumszahlen, an die wir uns jetzt gewöhnen müssen“, sagte Dirk Roßmann. Konkrete Gewinnzahlen nannte er nicht. Nur so viel: Der Nettogewinn habe sich verbessert und liege über dem Vorjahreswert von 208 Millionen Euro.

          2017 plant er ein Umsatzwachstum von mindestens 5 Prozent. Neben den Bio-Lebensmitteln setzt er besonders auf die Kosmetik, in der Rossmann zuletzt zugelegt hat. Auch die klassischen Sortimente, von der Zahncreme bis zum Waschmittel, sollen den Absatz erhöhen. Eine Baustelle ist dagegen der Internetversand, der mit einem Umsatz von 28 Millionen Euro kaum nennenswert ist. Hier will Raoul Roßmann mit Angeboten wie „Click & Collect“ punkten. Zudem experimentiert er mit neuen digitalen Bezahlmethoden, etwa dem System „Alipay“, das fortan in allen Läden und auch im Netz akzeptiert wird und besonders chinesische Touristen in Deutschland ansprechen soll.

          Ein echtes Standbein dürften die Digitalgeschäfte aber vorerst nicht werden. Daher liegt der Fokus weiter auf dem stationären Handel, und hier macht besonders dm Druck. „Wir hauen uns die Preise regelrecht um die Ohren“, beschrieb Dirk Roßmann das Verhältnis zum Marktführer. „Das wird sich in Zukunft eher verstärken.“ Für Bewegung im Markt sorgt auch die Edeka-Gruppe, die fortan im Drogeriegeschäft eng mit der Hamburger Regionalkette Budnikowski zusammenarbeitet. Roßmann, der „Budni“ gern übernommen hätte, zeigte sich unbeeindruckt von dem Schulterschluss, der aus seiner Sicht vor allem Einkaufsvorteile für Edeka bietet. Selbst wenn dies die Konkurrenz erhöht, will er sich nicht unterkriegen lassen. Sein Unternehmen habe eine Eigenkapitalquote von 51,5 Prozent und sei damit für weitere Preiskämpfe gerüstet.

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