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Fahrplan- und Personalwechsel : Pofalla soll Bahn-Vorstand für Infrastruktur werden

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Der frühere Kanzleramtschef Pofalla ist seit August 2015 bei der Bahn und bisher Vorstand Wirtschaft, Recht und Regulierung. Bild: dpa

Damit verbessert der ehemalige Kanzleramtsminister und Politiker seine Position im Rennen um die Nachfolge von Bahnchef Grube. Von Sonntag an gibt es auch einen Fahrplanwechsel - und teurere Bahntickets.

          Der ehemalige Kanzleramtschef Ronald Pofalla soll Bahn-Kreisen zufolge zum Infrastruktur-Vorstand aufrücken und verbessert damit seine Chancen auf die Nachfolge von Konzernchef Rüdiger Grube. Seine politische Erfahrung als bisheriger Chef-Lobbyist des Unternehmens mache ihn zu einem geeigneten Kandidaten, sagten Konzernvertreter am Freitag. Mit dem zentralen Ressort Infrastruktur würde er jetzt erstmals operative Verantwortung für das Bahn-Geschäft erhalten. Das Ressort gilt mit mehr als 50.000 Mitarbeitern auch als das wichtigste und einflussreichste im Konzern, da zumindest alle Entscheidungen für die Bahn in Deutschland dort mit abgestimmt werden müssen. Der jetzige Vorstand Volker Kefer war so zugleich Stellvertreter von Grube.

          Kefers Vertrag läuft aus. Auch wegen der Kostensteigerungen beim Projekt Stuttgart21 verzichtete er auf eine Vertragsverlängerung. Während Kefer ebenfalls für den Technik-Bereich zuständig war, soll für diesen aber nun ein neuer Vorstandsposten eingerichtet werden. Pofalla bleibt Chef-Lobbyist. Die Personalie braucht nach Angaben aus dem Umfeld des Aufsichtsrats noch die Zustimmung der Arbeitnehmervertreter, die jedoch als sicher gilt. Ein Bahn-Sprecher erklärte, man äußere sich zu Personalspekulationen nicht. Der Aufsichtsrat des Konzerns tage in der nächsten Woche.

          Die Spekulationen, dass Pofalla als Kronprinz für Bahnchef Rüdiger Grube aufgebaut wird, erhalten jetzt neue Nahrung. Pofalla galt zwar schon seit seinem Amtsantritt bei der Bahn Anfang 2015 als starker Mann. Als Schwachstelle wurde aber wiederholt die mangelnde Erfahrung im operativen Geschäft von Unternehmen genannt. Das würde sich jetzt ändern. Grubes Vertrag läuft im nächsten Jahr aus. Dieser wird voraussichtlich um weitere drei Jahre verlängert. Anschließend könnte der CDU-Politiker Pofalla den Posten übernehmen. Dies hängt aber auch vom Ausgang der Bundestagswahlen im September 2017 ab: Das Kanzleramt spielt bei der Besetzung des größten deutschen Staatskonzerns die entscheidende Rolle.

          Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag bietet die Deutsche Bahn unterdessen im Fernverkehr einige zusätzliche Verbindungen an, erhöht aber auch die Preise. Zugleich stellt das Unternehmen seine klassischen Nachtzüge mit Schlaf- und Liegewagen ein. Stattdessen bieten die Österreichischen Bundesbahnen acht Nachtzugverbindungen in Deutschland an, etwa halb so viele wie bisher die Deutsche Bahn.

          Zwischen Frankfurt am Main, Köln und Brüssel fahren ab 11. Dezember zwei zusätzliche ICE-Paare täglich am Morgen und am Nachmittag, freitags und sonntags soll in der Mittagszeit ein Zugpaar hinzukommen. Zwischen Frankfurt, Köln und Amsterdam werde das Angebot ebenfalls verbessert, teilte die Bahn mit.

          Auch abseits großer Städte wird es vor allem frühmorgens, abends und zum Wochenende zusätzliche Verbindungen geben. Die Reise von München nach Kiel etwa soll einmal täglich ohne Umstieg möglich sein. Wie bereits angekündigt, werden zwischen Dresden und Köln weitgehend doppelstöckige IC-Züge rollen. Deren Einsatz war wegen diverser Mängel um rund zehn Monate verschoben worden.

          Neues Angebot statt Schlafwagen

          Statt Schlafwagen bietet die Bahn Reisenden nun in jeder Nacht acht gewöhnliche IC- und ICE-Fahrten an. Neu ist etwa eine nächtliche IC-Direktverbindung von Bremen, Osnabrück und Münster nach Freiburg und Basel. Auch zwischen Köln und Berlin werden täglich nächtliche Intercity-Züge fahren.

          Kunden zahlen durchschnittlich 1,3 Prozent mehr für ihr Ticket im ICE oder Intercity. In den Verkehrsverbünden steigen die Preise unterschiedlich stark, von 0,6 Prozent in Berlin-Brandenburg bis 2,9 Prozent in München. Wer über die Grenzen von Verkehrsverbünden hinaus in Regio-Zügen unterwegs ist, muss im Durchschnitt 1,9 Prozent mehr ausgeben.

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