https://www.faz.net/-gqe-9xo50

Entscheidung vorgezogen : Roland Busch wird neuer Siemens-Chef

Roland Busch Bild: Reuters

Joe Kaser verlässt die Spitze des Münchner Industriekonzerns nun doch eher als geplant. Mit der überraschenden Entscheidung teilt der Konzern auch einen Coup an der Spitze seiner Energiesparte mit.

          2 Min.

          Siemens hat Mittwochabend die Weichen für die Übergabe der Führung im Technologiekonzern gestellt, was eigentlich in fünf  Monaten geschehen sollte. Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser hat den Aufsichtsrat davon unterrichtet, dass er keine Verlängerung seines Vertrages anstrebe und spätestens zum Ende der nächsten Hauptversammlung am 3. Februar 2021 ausscheiden wird. Roland Busch, 55 Jahre, wird die Nachfolge übernehmen. Er ist bereits im September vergangenen Jahres zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt worden.

          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Damit galt Busch zwar als Kronprinz, doch über Monate hatte sich der 62 Jahre alte Kaeser eine Hintertür offen gelassen, möglicherweise länger das Amt des Vorstandschef ausüben zu wollen. Das löste viel Unruhe im Unternehmen aus. Zudem geriet der im August 2013 zum Siemens-Chef ernannte Kaeser zunehmend wegen seines Verhaltens mit einem überzogenen Selbstbewusstsein  unter Druck; auch im Umgang in Sachen Adani-Mine. Über Wochen wurde Siemens zum Angriffsziel von Klimaaktivisten, weil der Konzern die Signaltechnik für eine Bahnlinie der riesigen australischen Kohlebergbaumine Adani liefert.

          Neue Sprengkraft

          Die an sich nicht überraschende Personalie allerdings hat plötzlich neue Sprengkraft erhalten: Denn zugleich hat Siemens mitgeteilt, dass Kaeser Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens Energy werden soll – was den konzertierten Rücktritt von Energy-Vorstandschef Michael Sen und Finanzvorstand Klaus Patzak auslöste. Siemens Energy, das Energietechnik-Geschäft mit rund 30 Milliarden Euro Umsatz, soll abgespalten und im September an die Börse gebracht werden. Zwar wurde schon spekuliert, dass Kaeser die Oberaufsicht des neuen Börsenschwergewichtes übernehmen könnte, das stieß aber unter Anlegern auf heftige Kritik.

          Noch überraschender als der frühe Zeitpunkt der Bekanntgabe für den Führungswechsel an der Konzernspitze einer des größten Industriekonzerne Deutschlands ist daher die Reaktion von Sen und Patzak, die seit längerem die Vorbereitung des Börsengangs von Siemens Energy auf den Weg gebracht haben. Sie haben damit unverzüglich die Konsequenzen aus der Übernahme des Aufsichtsratsvorsitz bei Siemens Energy durch Kaeser gezogen. Das lässt tief blicken auf das langjährige Verhältnis der Spitzenmanager.

           „Michael Sen und Klaus Patzak scheiden als CEO und CFO von Siemens Energy in gegenseitigem Einvernehmen aus“, hieß es in der Pressemitteilung von Mittwochabend. „Michael Sen wird dem CEO der Siemens AG noch bis Frühjahr 2021 beratend zur Verfügung stehen“, hieß es im unterkühlten Ton einer Presseerklärung, die auf tiefe Brüche schließen lässt.

          Mit Christian Bruch, 50 Jahre, ist bereits einen Nachfolger als neuer Energy-Vorstandschef  gefunden worden, der sogar schon am 1. Mai anfängt. Das heißt, dass die Spannungen zwischen Kaeser und Sen schon lange schwelen. Bruch ist Vorstandschef des Linde-Bereichs Anlagenbau  des amerikanisch-deutschen Industriegaseherstellers Linde plc. gewesen. Und selbst der Posten des Finanzvorstandes ist besetzt: Zum 1. Mai kommt Maria Ferraro, 46 Jahre, zurzeit in der gleichen Funktion der Siemens-Sparte digitale Industrie.

          Weitere Themen

          Flixbus übernimmt „Greyhound“ Video-Seite öffnen

          Bekannte US-Fernbuslinie : Flixbus übernimmt „Greyhound“

          Flixmobility hat das US-amerikanische Busunternehmen Greyhound übernommen. Die GmbH mit Sitz in München teilte am Donnerstag mit, dass sie die Firma mit den ikonischen blau-silbernen Bussen für 46 Millionen Dollar von der britischen FirstGroup gekauft habe.

          Topmeldungen

          Springer-CEO Mathias Döpfner Mitte März in Berlin

          Mathias Döpfner in der Kritik : Western war gestern

          Springer-Chef Mathias Döpfner trauert Julian Reichelt nach. Er hat offenbar nicht verstanden, dass er Teil des Problems ist. Auf einer informellen Ebene hat ihm sein Vorgehen nachhaltig geschadet, heißt es aus dem Silicon Valley.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.