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Roland Busch : Der neue Siemens-Chef

  • -Aktualisiert am

Roland Busch Bild: Siemens AG

An diesem Donnerstag legt Siemens Zahlen vor. Im Mittelpunkt steht der Mann, der demnächst die Nachfolge von Joe Kaeser antritt: Roland Busch. Wie tickt der Physiker, Frauenförderer und Gitarrenspieler?

          7 Min.

          In Erlangen, dieser durch und durch von Siemens getränkten Stadt, gibt es zwei Arten von Menschen: Jene, die in dem Konzern arbeiten oder von ihm leben. Und diejenigen, die nichts damit zu tun haben wollen und Siemens im Zweifel sogar hassen. Die Familie von Roland Busch fällt eher in die zweite Kategorie. Er erzählt dies mit einem Lachen, schließlich steigt ausgerechnet er nun auf zum Siemens-Chef; ein Hüne mit Doktortitel, erworben in theoretischer Physik, und einer Karriere wie für den Posten gemalt. Mehr als 25 Jahre arbeitet er nun für den Konzern.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Keine Frage, Busch zählt zur Gattung der echten Siemens-Gewächse. Noch dazu ist er ein Techniker, nicht unwichtig für einen Vorstandsvorsitzenden, der Zehntausende Ingenieure zu führen hat, auch wenn er selbst aus der Art schlägt. Klar, der Physiker kann im trockensten Techniker-Slang über digitale Fabriken, stellwerkfreie Eisenbahnen und die Wunderwelt der Künstlichen Intelligenz reden. Das hat er oft genug bewiesen. Nur ist das nicht alles. Der Mann hat – erfreulicherweise – noch eine andere, nicht-technokratische Seite, die gute Laune und Leidenschaft versprüht, die zu Literatur wie Musik führt: Der künftige Siemens-Chef zeichnet gerne, nein, keine Organigramme für die nächste Powerpoint-Präsentation, es geht um Kunst. Auf dem Smartphone trägt er Aufnahmen seiner gelungensten Zeichnungen mit sich; schwarz-weiß mit feinem Bleistift, Madonnen, entstanden nach dem Vorbild der Meister. So was hat man nicht so oft in Manager-Kreisen.

          Sohn eines Schulrektors 

          Was also ist das für ein Mensch, dieser Roland Busch, dem der Ruf seriöser Sprödigkeit vorauseilt? Auf Bühnen hat er zweifellos nicht die Entertainer-Qualitäten seines Vorgängers, des allzeit rauflustigen Joe Kaeser. Der Neue sei in seiner Nüchternheit ein Glück für den Konzern, sagen nun Aufsichtsräte, übrigens auf Kapital- wie Arbeitnehmerseite in seltener Einmütigkeit: „Siemens ist bei ihm in guten Händen.“ Als „außerordentlich überzeugende Persönlichkeit“ preisen ihn selbst Leute, die Lobhudeleien wirklich nicht nötig hätten. Busch selbst geht mit Respekt an die Aufgabe, ahnt, dass der CEO-Posten ihm eine ganz andere Sichtbarkeit verleihen wird; mit allen damit verbundenen Konsequenzen, im Guten wie im Schlechten.

          Wie also tickt dieser Mann? Zunächst ist festzuhalten: Es steckt sehr viel Erlangen in Roland Busch. Hier, in Franken, wird er im November 1964 geboren. Der Vater ist Rektor einer Grundschule, die Mutter arbeitet als Angestellte in einer Bank, ehe sie den damals klassischen Weg zur Hausfrau und Mutter antritt (der zwei Jahre ältere Bruder arbeitet heute ebenfalls bei Siemens, wenn auch nicht auf hervorgehobener Position).

          Frühaufsteher im Fitness-Studio

          In Erlangen wächst Roland Busch auf, hier geht er zur Schule, hier studiert und promoviert er, hier wohnt er mit seiner Frau noch heute, wenngleich er inzwischen eine Zweitwohnung in München hat, in direkter Nähe zur Siemens-Zentrale, was ihm den Vorteil verschafft, dass er morgens um sechs der Erste im firmeneigenen Fitness-Studio ist. Sport steht weit oben auf der Nach-Feierabend-Agenda des Frühaufstehers, wenngleich er es auf den Golfplatz nur noch im Urlaub schafft. Dafür ist ein Siemens-Vorstand zu viel unterwegs.

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