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Investorendruck : Rohstoffriese Glencore friert Kohleförderung ein

Das Glencore-Logo Bild: dpa

Das kam überraschend: Glencore, einer der weltgrößten Kohlekonzerne, will keine neuen Kohlevorkommen mehr kaufen – auf Druck von mächtigen Investoren. Der Rohstoffriese zeigt sich geradezu geläutert.

          Einer der führenden Kohlekonzerne der Welt beugt sich ein Stück weit dem Druck der Klimaschützer und Investoren: Der Rohstoffriese Glencore wird seine Kohleförderung einfrieren und keine neuen Vorkommen mehr kaufen. Dies betrifft vor allem Australien, wo Glencore der führende Förderer ist.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Die Entscheidung bedeutet einen tiefgreifenden Strategiewechsel: Erst im vergangenen Jahr hatte der Bodenschatzriese mit Sitz in der Schweiz noch weitere Vorkommen im Wert von 2,7 Milliarden Australischen Dollar (1,7 Milliarden Euro) von Wettbewerbern gekauft und weitere 845 Millionen Australische Dollar in den Ausbau bestehender Minen gepumpt. Der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Ivan Glasenberg, war über Jahre einer der aggressivsten Befürworter des Abbaus von Kohle. Jetzt werde er seine Lobby-Tätigkeit einstellen, sagte Glasenberg am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

          Glencore stellt seine Mitgliedschaft in Lobby-Verbänden in Frage, deren Kampf für den Einsatz fossiler Brennstoffe dem Pariser Klimaschutzabkommen zuwiderläuft. Dies dürfte vor allem auf die „World Coal Association“ zielen. Schon der Konkurrent BHP hat diesen Weltverband verlassen, da dessen Ausrichtung nicht mehr der eigenen Klimapolitik entsprach. Hinter dem Kursschwenk von Glencore steht der Lobbyverband „Climate Action 100+“, der 300 einflussreiche Investoren umfasst. Aus Deutschland gehören der Initiative unter anderem BASF, Bayer und Volkswagen an. Zusammengerechnet stehen die Firmen für einen Marktwert von mehr als 32 Billionen Dollar.

          Immer noch gewinnbringend

          „Um unseren Aktionären gegenüber die richtigen Investitionen zu bieten, müssen wir in Vorkommen investieren, die den regulatorischen, physischen und operativen Risiken des Klimawandels widerstehen“, erklärte Glencore nun. Nach einer mehr als zweijährigen Diskussion mit Investoren zeigt sich der in der Öffentlichkeit vielfach angefeindete Konzern geradezu geläutert: Um den wachsenden Bedürfnissen einer Wirtschaft mit geringerem Kohlendioxid-Ausstoß zu genügen, wolle man fortan vorrangig in Bodenschätze investieren, die für die Energie- und Mobilitätswende benötigt würden.

          Glencore zählt auch zu den größten Förderern von Kobalt, Kupfer, Zink und Nickel. Kobalt wird unter anderem für die Produktion von Batterien von Elektroautos benötigt. Die Kohleförderung will Glencore ungefähr auf dem derzeitigen Niveau von rund 145 Millionen Tonnen halten. Mit diesem Schritt geht das Unternehmen freilich längst nicht so weit wie der Rivale Rio Tinto: Dieser Bergbaukonzern verkauft seine sämtlichen Kohleminen. Insgesamt sitzt Glencore auf Kohlevorkommen im geschätzten Volumen von rund 3,4 Milliarden Tonnen. Der Löwenanteil davon liegt in der Erde Australiens.

          Für „Down under“ ist Kohle inzwischen das wichtigste Exportgut. Doch der Widerstand der Umweltschützer wächst: Jüngst blockierte ein Gericht in New South Wales das Öffnen einer Mine aufgrund von Klimabedenken. Ein Blick auf das Jahresergebnis 2018 zeigt, warum Glencore das Kohlegeschäft zwar deckelt, aber nicht eindampft: Es trug ein Drittel zum Betriebsgewinn (Ebitda) des Konzerns bei, der um 8 Prozent auf 15,8 Milliarden Dollar gestiegen ist. Unter dem Strich hat sich der Gewinn allerdings auf 2,6 Milliarden Dollar halbiert. Dies erklärt sich unter anderem aus hohen Abschreibungen auf Minen in Sambia und im Kongo.

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