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Rohstoffkonzern BHP Billiton : Frauen sind die besseren Minenlastwagenfahrer

Bei BHP Billiton ist schweres Gerät im Einsatz. Bild: Reuters

Produktiver und sicherer: Der Rohstoffriese BHP Billiton wirbt um Frauen. Angesichts der Offensive in Sachen Gleichstellung will der Vorsitzende die männliche Belegschaft beruhigen.

          Ausgerechnet der Weltmarktführer in einer der letzten Männerbastionen will sich neu erfinden: Der Rohstoffriese BHP Billiton hat sich verpflichtet, innerhalb von nur neun Jahren genauso viele Frauen zu beschäftigen wie Männer. Das scheint besonders ambitioniert, weil das australische Unternehmen im Erz-, Kohle- und Ölgeschäft mit schwerstem Gerät und oft auch in Ländern arbeitet, in denen Gleichstellung ein Fremdwort ist.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der Weg ist noch weit: Derzeit machen Frauen nur 17 Prozent der Mitarbeiter des Konzerns aus. Nun aber will BHP Billiton seine enorme Marktmacht nutzen, um auch Zulieferern in puncto Gleichstellung Druck zu machen. Sie sollen darauf eingeschworen werden, sich den neuen, flexibleren Arbeitsprinzipien bei ihrem Großkunden anzupassen. Künftig wollen die Australier auch bis hinein in ihre Anzeigenkampagnen Frauen dazu motivieren, sich für Stellen in den Bergwerken zu bewerben. BHP Billiton selbst beschäftigt fast 29 000 Menschen, rund 50 000 weitere kommen von Auftragnehmern.

          Die Vorzüge der weiblichen Belegschaft

          Allerdings dürfte sich das anspruchsvolle Vorhaben für BHP Billiton auszahlen: Derzeit arbeiten diejenigen Abteilungen, in denen der höchste Frauenanteil herrscht, um mindestens 15 Prozent erfolgreicher als jene, die von Männern dominiert werden. Sie schnitten sowohl in finanzieller Hinsicht wie auch mit Blick auf die Sicherheit deutlich besser ab als die Männer-dominierten Sektoren, heißt es. So ist in der Branche längst bekannt, dass Frauen weniger oft betrunken an den Arbeitsplatz kommen als Männer. Der Griff zu Drogen kann gerade in der Minenindustrie schnell tödlich enden.

          Auch fahren Frauen die schweren Minenlaster wesentlich zurückhaltender als Männer und halten sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen. Dies schont das viele Millionen Dollar teure Material, weil beispielsweise die extrem teuren Reifen dank der aggressionsfreien Fahrweise weniger oft gewechselt werden müssen.

          Ernstes Bestreben um Gleichstellung

          Dass es der Konzern ernst meint, zeigen die neuen Zielvereinbarungen für Manager: Ab sofort werden sie über eine Zielvereinbarung auch danach bewertet, dass es ihnen gelingt, den Anteil von Frauen in ihren Abteilungen um jährlich mindestens 3 Prozent zu steigern. Dies tut not: Schritte der Konzern bei der Gleichstellung in der bisherigen Geschwindigkeit voran, dauerte es 30 Jahre, um allein nur einen Anteil von 30 Prozent Frauen in der Belegschaft zu erreichen. Die Gleichstellungsagentur der australischen Regierung ermittelte, dass bis Mitte 2015 nur 16 Prozent der Angestellten im Bodenschatzsektor Frauen waren.

          Zugleich bestünde ein Gehaltsgefälle von 17,6 Prozent zugunsten von Männern, gemessen an den gesamten Einkommen. Die nun veröffentlichte Entscheidung, die Gleichstellung bis 2025 schaffen zu wollen, mache das Unternehmen „überprüfbar, und sie unterstreicht die Ernsthaftigkeit unseres Bemühens“, schrieb der Vorstandsvorsitzende Andrew Mackenzie in einer internen Mail, die dieser Zeitung vorliegt, an seine Mitarbeiter.

          „Überholte Stereotypen in Frage stellen“

          Er räumte ein, der Plan sei eine große Herausforderung. „Wir müssen unsere Arbeitsplätze flexibler gestalten, und wir müssen überholte Stereotypen über Stellen in der Rohstoffindustrie in Frage stellen“, schrieb er. Den Männern rief er zu: „Wir werden niemanden benachteiligen. Der Job keines einzigen Mitarbeiters ist gefährdet, weil er ein Mann ist. Aber wir werden hart daran arbeiten, die unbewussten Vorurteile abzubauen, die - aus meiner Sicht - dazu führten, dass Frauen seit einer sehr langen Zeit in einem männlich dominierten Umfeld benachteiligt wurden.“

          BHP Billiton könnte seinen neuen Ansatz schon in den nächsten Wochen ganz oben verwirklichen. Der bisherige Vorsitzende des Verwaltungsrates, der frühere Ford-Chef Jacques Nasser, wird seine Stelle im Frühjahr aufgeben. Noch ist offen, ob sich eine Frau finden lässt, die ihn beerbt. Derzeit sitzen nur drei Frauen im elfköpfigen Board des Unternehmens.

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