https://www.faz.net/-gqe-sj3i

Rohstoffhandel : „Mit Schrott kann man sehr gut Geld verdienen“

  • -Aktualisiert am

Schrott ist kein Abfall Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Ein Schrottplatz ist ein Ort für Sammler und Liebhaber. Oder für Unternehmer wie Günter und Jürgen Pilarsky. Ihre Cronimet Holding gehört zu den größten Unternehmen, die Rohstoffe aufarbeiten. Und das mit großem Erfolg.

          Gut versteckt, mitten im Karlsruher Rheinhafen, zwischen einer ziemlich alten Lagerhalle für Grillkohle und dem Südbecken des Hafens steht ein villenähnliches Haus. Hier ist die Zentrale der Cronimet Holding. Die wenigen Quadratmeter Garten sind gepflegt, eine Art moderner Brunnen und eine Skulptur schmücken das Kleinod. Beim Wettbewerb schönster Vorgarten von Gebäuden mit gewerblicher Nutzung, den die Stadt Karlsruhe veranstaltet, stehen die Chancen nicht schlecht, als Sieger gekürt zu werden.

          Ringsum liegt auf 40.000 Quadratmetern nichts als Schrott, ordentlich sortiert. Cronimet ist einer der weltgrößten Händler und Lieferanten von Schrott und Rohstoffen für Stahlwerke, in denen Edelstahl und andere hochwertige Stähle hergestellt werden.

          Zwischen 40 und 60 Prozent des Volumens bei der Stahlherstellung sind Schrott. Das Material aus dem Karlsruher Hafen, 400 Sorten Edelstahlschrott, darunter auch Titan, findet später auch in künstlichen Hüftgelenken oder Flugzeugtriebwerken wieder Verwendung.

          Puffer für die Stahlwerke

          „Mit Schrott kann man sehr gut Geld verdienen“, sagt Günther Pilarsky, der das Unternehmen 1980 gegründet hat. Für ein Handelsunternehmen weist Cronimet sehr gute Kennziffern auf. Bei einem Umsatz von 2,1 Milliarden Euro steht im Abschluß 2005 ein Jahresüberschuß von knapp 72 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote beträgt fast 30 Prozent.

          Beim Betriebsrundgang erzählt Sohn Jürgen Pilarsky, daß der meiste Schrott von regionalen Händlern stammt. Aber es sind auch Reste von WMF dabei, dem Besteckhersteller, oder von Blanco, dem Hersteller von Küchenspülen. „Auch wenn in Chemiefabriken wie der BASF alte Anlagen zerlegt werden, landen die Rohre bei Cronimet“, sagt Pilarsky. Der Schrott wird hier auf seine Güte hin analysiert, sortiert, zerkleinert, je nach Kundenwunsch neu gemischt und in handlichere Formen gepreßt. Direkt am Werkseingang steht eine Anlage zur Prüfung von Radioaktivität. Ganz selten schlägt sie an, berichtet Pilarsky, bei Schrott aus Krankenhäusern beispielsweise.

          Die bekanntesten Kunden in Europa sind die Stahlkonzerne Thyssen-Krupp und Arcelor. Cronimet sei aber auch eine Art Puffer für Stahlwerke, erklärt Pilarsky. „Von unseren Waggons geht es direkt in den Schmelzofen.“ Cronimet ist nicht nur Lieferant von Schrott. „Wir sind der einzige deutsche Minenbesitzer“, sagt Unternehmensgründer Günter Pilarsky.

          Mine in Armenien

          In Armenien gehört Cronimet mehrheitlich eine Molybdän- und Kupfermine. Der Rohstoff Molybdän macht Stahl widerstandsfähiger, beispielsweise gegen Säure und Hitze. Das ist unter anderem in Chemieanlagen oder Tankschiffen vonnöten. Die Cronimet-Kundschaft für Molybdän ist die gleiche wie beim Schrott: die Einkäufer der Stahlkonzerne.

          Die Kontakte nach Armenien bestehen seit zehn Jahren. Eingefädelt hat sie ein ehemaliger Mitarbeiter des legendären DDR-Unterhändlers Alexander Schalck-Golodkowski, dessen Ministerium in der DDR für die Beschaffung von Rohstoffen, Devisen und vielerlei anderem zuständig war. Beim Zahlenwerk der Cronimet-Mine, die vergangenes Jahr im Rahmen einer Privatisierung gekauft wurde, gerät man noch mehr ins Staunen.

          Einem Umsatz von 151 Millionen Dollar steht ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 106 Millionen Dollar gegenüber. Pilarsky ist mit 3000 Beschäftigten der größte private Arbeitgeber Armeniens. Die hohe Rendite sei für Minen derzeit nichts ungewöhnliches, relativiert Pilarsky. Es sei schließlich auch lange nichts verdient worden. „Und ob die Rohstoffpreise in fünf Jahren noch so hoch sind, ist auch nicht sicher“. Manchmal ist Molybdän allerdings so wertvoll, daß es bei Cronimet per Flugzeug aus Armenien angeliefert wird.

          Keine Angst vor der Zukunft

          Cronimet geht es, wie vielen Erzproduzenten und Unternehmen aus der Stahlbranche, derzeit blendend. „Wir bekommen manchmal gar nicht soviel Schrott wie wir verkaufen könnten“, sagt Pilarsky. Schrott ist billiger als die Primärrohstoffe für die Edelstahlherstellung wie beispielsweise Ferro-Legierungen. Doch das Geschäft ist, über einen längeren Zeitraum gesehen, vergleichbar der Stahlkonjunktur in der Vergangenheit, zyklisch.

          Seit der Gründung ist Cronimet mit hoher Geschwindigkeit gewachsen. „Wir wollten nicht von einzelnen Stahlwerken abhängig sein, dazu mußte die Tonnage steigen.“ Es wurden zahlreiche Betriebe in Europa und Amerika eröffnet und auch übernommen. Oft boten offene Nachfolgefragen die Gelegenheit zum Einstieg. Die verkaufenden Familien behalten Minderheitsanteile. Heute ist Cronimet zusammen mit der deutschen ELG Haniel einer der Größten seiner Branche. Um die Zukunft ist Pilarsky wenig bange. Der Markt für Edelstahlprodukte wächst um bis zu acht Prozent im Jahr. Um die Finanzierung des Unternehmenswachstums macht er sich auch keine Sorgen. „Die Banken stehen im Moment Schlange.“

          Trotz allen Wachstums, im Mittelpunkt steht für ihn stets die Ertragsorientierung. „Mich hat der Umsatz nie sonderlich interessiert“, ist ein Credo von Pilarsky. Er habe lieber eine Tonne Titan verkauft und 1000 Euro verdient als 50 Tonnen Stahlschrott, bei denen 50 Euro übrig blieben. Und so konzentriert er sich im Vergleich zu Wettbewerbern lieber auf hochwertigen Schrott. „Da sind die Margen höher“, versichert Pilarsky.

          Jürgen Pilarsky führt mit seinem Vater Günter und seinem Bruder Joachim das Familienunternehmen. Geboren ist Jürgen Pilarsky 1960 in Karlsruhe. Bis 1989 war der ausgebildete Diplom-Sozialarbeiter mit Fachhochschulabschluß in der Sozialpädagogik tätig. In der Freizeit spielt er gern Tennis.

          Günter Pilarsky hält an Cronimet die Mehrheit, die anderen Anteile halten seine drei Kinder. Pilarsky ist 1937 in Grünberg in Schlesien geboren. Der höheren Handelsschule folgte eine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann. 1970 machte er sich selbständig und gründete 1980 Cronimet.

          Cronimet ist einer der größten Konzerne der Welt im Handel und in der Aufbereitung von Schrott und anderen Rohstoffen für die Edelstahl erzeugende Industrie. Das Unternehmen mit mehr als 50 Standorten in der Welt beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter, davon 3000 in einer Mine in Armenien.

          Weitere Themen

          Was sich 2019 alles ändert

          Neue Gesetze : Was sich 2019 alles ändert

          Eine Reihe von Neuregelungen können zum 1. Januar 2019 kommen – in der letzten Sitzung des Jahres gab der Bundesrat dafür grünes Licht. Eine Verfassungsänderung bremst die Länder aber erst einmal aus.

          Wo unsere Smartphones herkommen Video-Seite öffnen

          Von Afrika über China zu uns : Wo unsere Smartphones herkommen

          Wir benutzen sie jeden Tag, doch wir fragen uns selten, wo sie herkommen: Der Weg eines Smartphones beginnt in Afrika und Südamerika und führt zu riesigen Fabriken in China. Unsere Grafik nimmt Sie mit auf die Reise.

          Topmeldungen

          Handelsstreit : Washington verschiebt Zollerhöhung für Waren aus China

          Nachdem Peking die Strafzölle gegen amerikanische Autohersteller ausgesetzt hat, gehen auch die Vereinigten Staaten wieder einen Schritt auf China zu: Die Schutzzölle auf chinesische Güter sollen nun erst am 2. März 2019 angehoben werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.