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Rohstoffe : Virgin Airways plant eigene Ölraffinerie

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Weltraum-Tourismus, eine eigene Ölraffinerie: Branson kann alles Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Angesichts der Rekordpreise für Öl heben British Airways und Lufthansa Cargo ihre Kerosinzuschläge weiter an. Richard Bransons Virgin Atlantic sucht die große Lösung - den Bau einer eigenen Ölraffinerie.

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          Der Ölpreis schwappt knapp unter der 60-Dollar-Marke, British Airways erhöht vom kommenden Montag an noch einmal den Kerosinzuschlag. Lufthansa Cargo wird das nach eigenen Angaben vermutlich auch tun. Ein anderer denkt nur in großen SchrittenDer britische Milliardär Richard Branson, seine Virgin Group, erwägt den Bau einer eigenen Ölraffinerie, um Engpässe abzufedern und die Kosten für seine Fluggesellschaft Virgin Atlantic Airways zu senken. Die Entscheidung darüber werde in zwei bis drei Monaten nach Abschluß einer Studie fallen, sagte Branson im Interview mit Bloomberg News. Wo die Raffinerie gebaut werden könnte, wollte er nicht sagen.

          Fehlende Raffineriekapazitäten haben dazu beigetragen, den Preis für das Rohöl, das zu Kerosin raffiniert wird, in die Höhe zu treiben. In den letzten zwölf Monaten ist Flugbenzin 65 Prozent teurer geworden, basierend auf den Preisen für die Lieferung in den New Yorker Hafen. Bei den meisten Airlines ist Kerosin der zweitgrößte Kostenfaktor, gleich nach den Personalkosten.

          „Muß zusehen, daß ich die Preise senke“

          „Ich denke über den Bau einer Ölraffinerie nach, weil es einen enormen Engpaß bei den Raffineriekapazitäten gibt. Und als Eigentümer einer Fluggesellschaft muß ich zusehen, daß ich die Preise senke", sagte Branson. Die Chancen ständen 50:50, daß mit dem Bau einer Anlage für schätzungsweise eine Milliarde Dollar begonnen werde, fügte Branson hinzu. Andere Fluggesellschaften dürften erwägen, sich dem Projekt an zuschließen.

          Virgin Atlantic werde dieses Jahr voraussichtlich zusätzlich 60 Millionen Pfund (90,4 Millionen Euro) für Kerosin ausgeben, sagte Steve Ridgeway, der Vorstandsvorsitzende der Airline. Virgin Group ist mit 51 Prozent an Virgin Atlantic beteiligt, die restlichen Anteile entfallen auf Singapore Airlines Ltd.

          Ölpreis bleibt oben - „vielleicht für immer“

          Die Wahrscheinlichkeit, daß Rohöl und Kerosin billiger werden, sei ziemlich gering, betonte Branson und verwies auf den Druck durch das Wirtschaftswachstum in Asien. „Es scheint, daß der Ölpreis durch das starke Wachstum in China und Indien für einige Zeit oben bleibt, vielleicht sogar für immer.“

          An der Studie arbeiten auch externe Experten, erläuterte Branson. Namen nannte er indes nicht. Partner für das geplante Projekt gebe es noch nicht, fügte er hinzu. Was den Standort für die Raffinerie angeht, sagte Branson lediglich, daß solche Anlagen bei ihren Nachbarn nicht gerade beliebt seien. „Die Leute mögen es nicht, wenn in ihrer Nähe eine Raffinerie gebaut wird, weil sie als dreckig und nicht gerade umweltfreundlich gelten, aber wir schauen uns um“, sagte Branson.

          In den Vereinigten Staaten wurde seit 29 Jahren keine neue Raffinerie mehr gebaut. Die jüngste ist in Garyville, Louisiana, sie ging 1976 in Betrieb und gehört zur Marathon Oil Corp. Umweltauflagen würden vom Bau neuer Anlagen abhalten, weil sie mit höheren Kosten verbunden sind, sagte Bruce Burke, Vice President für das Raffineriegeschäft bei Nexant Inc. in White Plains, New York. In den Vereinigten Staaten koste eine Raffinerie mit einer Verarbeitungskapazität von 200.000 Barrel pro Tag zwischen 2,4 Milliarden Dollar und 3 Milliarden Dollar, berichtete Burke.

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