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Rohstoffe : Öl und Benzin so teuer wie noch nie

  • Aktualisiert am

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Bundesregierung und Automobilbranche wollen in den nächsten Wochen über die drastisch gestiegenen Benzin-Preise und deren Auswirkungen sprechen. Der Ölpreis hat schon wieder einen Rekord markiert.

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          Der Ölpreis ist schon wieder im Höhenrausch: Ein Barrel (159 Liter) Rohöl kostete im Computerhandel in New York am Montag mittag 58,82 Dollar, 35 Cent über dem Kurs vom Freitag und mehr als einen Dollar über dem Preisrekord vom April. Die Bundesregierung und der Verband der Automobilindustrie (VDA) wollen auf einer Branchenkonferenz am 12. Juli in Dresden auch über die Preise und ihre Folgen sprechen.

          In Dresden soll es eigentlich um die Entwicklung der Automobilindustrie in den neuen Bundesländern gehen, bestätigte das Bundeswirtschaftsministerium am Montag. Doch nach Einschätzung einer Sprecherin wird auch das Thema der Rekordbenzinpreise auf der Tagung eine Rolle spielen. Neben Wirtschaftsminister Wolfgang Clement nehmen auch Forschungsministerin Edelgard Bulmahn und Verkehrsminister Manfred Stolpe an der Konferenz teil.

          „Benzin-Gipfel“

          Automanager hatten angesichts der Rekordpreise für Rohöl und daher auch stark gestiegenen Benzinpreise am Wochenende ein Eingreifen der Politik zu Gunsten der Verbraucher gefordert. „Ein Benzin-Gipfel ist jetzt dringend notwendig, um die Verbraucher zu entlasten", hatte der Europachef von General Motors, Carl-Peter Forster, verlangt. Der Kostenschub sei Anlaß zur Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung. „Langes Zögern würde die Konjunktur gefährden. Autofahren muß erschwinglicher werden.“ Auch der Vorstandschef von Ford in Deutschland, Bernd Mattes, hatte Schritte zur Dämpfung der Kosten gefordert: „Die Belastung der Autofahrer ist zu hoch. Jede Möglichkeit zur Kostensenkung sollte geprüft werden", sagte er mit Blick auf den Preishochstand von durchschnittlich 1,24 Euro pro Liter Superbenzin. Außerdem befürchten Dienstleister wie Fahrschulen oder Kurierdienste höhere Preise wegen des teuren Sprits.

          Bild: dpa

          Fast an der 60-Dollar-Marke

          Im Handelsverlauf hatte der Ölpreis am Montag sogar die 59-Dollar-Marke übersprungen. „Man will die 60-Dollar-Grenze durchbrechen“, sagte Ölexpertin Deborah White von Barclays Capital. In Deutschland hatte der Benzinpreis vergangenen Woche mit 1,24 Euro pro Liter eine neue Höchstmarke erreicht. Nach Ansicht von Marktkennern treibt eine Reihe von Gründen den Preis hoch: Es gibt Sorge, daß die voll ausgelasteten amerikanischen Raffinerien nicht mit der steigenden Benzinnachfrage Schritt halten können. Außerdem versetzte die zeitweise Entführung von sechs Ölarbeitern - darunter zwei Deutsche - im Ölexportland Nigeria die Märkte in Unruhe. Schließlich droht in der norwegischen Ölindustrie ein Arbeitskampf.

          Nach Meinung des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA) hat die Entwicklung an den Ölmärkten einen „dämpfenden Effekt“ auf die deutsche Wirtschaft (siehe auch: Wie der hohe Ölpreis die deutsche Wirtschaft bremst). Der nachgebende Eurokurs verstärke in Deutschland den negativen Ölpreiseffekt, sagte Rohstoff-Experte Eckhardt Wohlers. Gleichzeitig profitierten die Exporteure aber von dem etwas schwächeren Eurokurs. Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sagte, der steigende Ölpreis beeinflusse die Konjunktur, indem er die Kaufkraft der privaten Haushalte und die Gewinne der Unternehmen schmälere. Für die Industrieländer als Hauptverbraucher sei dies ein Faktor, der dämpfend wirke.

          Deutschlands Autofahrer müssen nach Einschätzung des ADAC noch länger mit Rekordpreisen bei Benzin und Diesel leben. „Das wird auch künftig ein großes Thema bleiben, es ist nicht von einer maßgeblichen Entlastung auszugehen“, sagte der ADAC-Referent für Verkehrspolitik, Jürgen Albrecht, am Montag in München. Die bevorstehende Ferienzeit werde für die Mineralölkonzerne ein Anlaß sein, nochmals eine Preisrunde extra zu fahren. Dabei gebe es vor allem bei Diesel-Kraftstoff Spielraum nach unten.

          Vergangene Woche scheiterte die Opec mit dem Versuch, die Märkte über eine höhere Förderquote zu beruhigen. Die Öl exportierenden Länder hoben die offizielle Förderquote um 500.000 auf 28 Millionen Barrel am Tag. Der Markt ignorierte den Schachzug, weil die Opec de facto sowieso schon 30 Millionen Barrel täglich fördert. Europa wird von den hohen Ölpreisen besonders hart getroffen, weil gleichzeitig mit der jüngsten Preisrallye der Euro an Wert verlor und der Einkauf vom traditionelle in Dollar gehandelten Öl noch teurer wurde.

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