https://www.faz.net/-gqe-6ko8g

Rohstoffe : Das Genom des Kakaos ist entschlüsselt

Kakaobohnen: Die Ergebnisse der Genforscher sollen die Versorgung mit Kakao sichern Bild: AP

Das Ergebnis soll Millionen Kakaobauern zugutekommen: Der Schokoriegelhersteller Mars, die Forschungsabteilung des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums und der Computerkonzern IBM haben nach Informationen der F.A.Z. das Genom der Kakaobohne entschlüsselt.

          2 Min.

          Der Schokoriegelhersteller Mars, die Forschungsabteilung des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums und der Computerkonzern IBM haben das Genom der Kakaobohne entschlüsselt. Die Daten werden nach Informationen der F.A.Z. am Mittwoch auf einer frei zugänglichen Internetseite veröffentlicht. Die Entschlüsselung ist das Resultat eines gemeinsamen Forschungsvorhabens, durch das der Anbau und die Züchtung von Kakaopflanzen verbessert werden soll.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Das Ergebnis soll Millionen Kakaobauern zu Gute kommen – und den Lebensmittelherstellern eine nachhaltigere Kakaoversorgung gewährleisten. Kakao ist für etwa 6,5 Millionen Bauern, größtenteils aus kleinbäuerlichen Plantagen, eine wichtige Kulturpflanze. Oft hängt ihre Existenz vom Kakaobaum ab; er sichert das Überleben der Bauern und das der Volkswirtschaften ihrer Länder vor allem in West-Afrika, wo mehr als 70 Prozent des Kakaoertrags der Welt angebaut wird. Allerdings wird der Anbau regelmäßig von schweren Verlusten durch Schädlinge und Krankheiten beeinträchtigt.

          Daten sollen dauerhaft und ohne Patentanspruch verfügbar bleiben

          Mit der öffentlichen Verfügbarkeit der Ergebnisse können Wissenschaftler zusammen mit Bauern nun auf natürlichem Weg, zum Beispiel durch präzise Kreuzung, Kakaobäume züchten, die ertragreicher und besser gewappnet sind, ökologische Angriffe zu überstehen. Diese verursachen nach Angaben von IBM und Mars bisher jährlich Ernteschäden von 700 bis 800 Millionen Dollar.

          Die Forschungspartner betonen, dass es auch weiterhin nicht das Ziel sei, Kakaopflanzen gentechnisch zu verändern. Die Forschungsergebnisse werden der Öffentlichkeit vielmehr über die Kakao-Genom-Datenbank cacaogenomedb.org zugänglich gemacht. Dies soll gewährleisten, dass die Daten dauerhaft und ohne Patentanspruch verfügbar bleiben, um es Wissenschaftlern zu ermöglichen, die Erkenntnisse unmittelbar für Pflanzenanbau und Zucht zu nutzen.

          Projektergebnisse drei Jahre früher als geplant

          „Auch wenn kurzfristig unter dem Strich noch nicht mit Gewinnen zu rechnen ist, so wird es auf längere Sicht für das Unternehmen, die Kakaobauern und die Erzeugung von Baumfrüchten in wichtigen Regionen dieser Welt gegenseitig nutzbringende Ergebnisse zur Folge haben“, kommentiert Howard-Yana Shapiro, der Global Director of Plant Science von Mars, den Forschungsdurchbruch. Die Genom-Entschlüsselung trage dazu bei, dass viele der im traditionellen Pflanzenanbau üblichen Mutmaßungen vermieden werden könnten. Und Kakao werde von einigen Forschern als „Orphan Crop“ eine Art Stiefkind unter den Agrarprodukten beschrieben, dem bisher, verglichen mit anderen Agrarpflanzen wie Mais, Weizen und Reis, nur wenig wissenschaftliche Aufmerksamkeit geschenkt worden sei.

          Das Projekt kann nun sogar schon drei Jahre früher als geplant seine Ergebnisse vorlegen. Als primärer Förderer hat Mars einen nicht näher genannten Millionenbetrag in die Forschungsarbeiten investiert. Das Gemeinschaftsprojekt wird sich nach Angaben der Initiatoren auch weiterhin mit der Analyse und Charakterisierung des zunächst vorläufig publizierten Kakao-Genoms befassen – und sich der wissenschaftlichen Diskussion über die Arbeit stellen.

          Mars ist ein 1911 gegründetes Familienunternehmen mit Sitz McLean (Virginia) und einem Umsatz von mehr als 30 Milliarden Dollar im Jahr.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Finanzminister nutzt die Bühnen, die sich ihm bieten: Anfang Juli posierte Olaf Scholz vor dem Kapitol in ­Washington.

          Kanzlerkandidat Scholz : Der Mann mit dem Geld

          Schon viele Finanzminister wollten Kanzler werden. Geklappt hat es erst einmal. Ganz abwegig erscheint es nicht mehr, dass Olaf Scholz es schaffen könnte.
          Raus mit dem giftigen Schlamm: In diesem Hotel in Altenahr packen Freiwillige vom Helfer-Shuttle und Bundeswehrsoldaten gemeinsam an.

          Als Helfer im Flutgebiet : Wer hier war, findet keine Ruhe mehr

          Keller trocken legen, Müll wegschaffen und immer dieser Schlamm: Anstatt in den Urlaub zu fahren, ist unser Autor ins Ahrtal gereist. Freiwillige Helfer werden dort nach wie vor gebraucht. Aber es gibt auch Spannungen – mit der Polizei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.