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Rohdiamanten : Familie Oppenheimer verkauft

  • -Aktualisiert am

Mehr als 100 Jahre war die Familie Oppenheimer im Diamantengeschäft Bild: REUTERS

Eine Jahrhundert-Ära geht zu Ende: Die südafrikanische Familie Oppenheimer zieht sich aus dem Diamantenkonzern De Beers zurück. Das Familienoberhaupt wurde vom Übernahmeangebot überrascht - und schlug ein.

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          Die südafrikanische Familie Oppenheimer, die über Generationen den globalen Handel mit Rohdiamanten beherrscht hat, verkauft ihre Beteiligung von 40 Prozent am weltgrößten Produzenten und Handelskonzern De Beers. Nicky Oppenheimer, das Oberhaupt der Familie, sagte, er sei von einem Übernahmeangebot vom britisch-südafrikanischen Rohstoffkonzern American überrascht worden und habe eingeschlagen.

          „Dies ist eine gewaltige und schwere Entscheidung, denn die Familie war mehr als 100 Jahre im Diamantengeschäft tätig und seit 80 Jahren Teilhaber von De Beers“, sagte Oppenheimer. Nun will Anglo American die Familienbeteiligung gegen eine Zahlung von 5,1 Milliarden Dollar übernehmen.

          Sollte der Staat Botswana, der mit 15 Prozent an De Beers beteiligt ist, sein Vorkaufsrecht von weiteren 10 Prozent der Anteile nicht ausüben, würde der Anteil von Anglo American an der Diamantengesellschaft damit auf 85 Prozent steigen.

          Der Grund für die überraschende Investition von Anglo American könnte sein, dass der Konzern von der Regierung Chiles 6,75 Milliarden Dollar für den Verkauf von 49 Prozent einer chilenischen Kupfermine erhält und diese Mittel gewinnbringend investiert werden müssen.

          Eine phantastische Gelegenheit

          Nicky Oppenheimer sagte, er und sein Sohn würden die Milliarden nicht auf der Bank liegen lassen, sondern das Geld wieder in Bergbauaktivitäten in Südafrika und Afrika investieren. Anglo American hätte nach der Übernahme strategisch die Hände frei, De Beers sogar als eigenständige Gesellschaft an die Börse zu führen. Cynthia Carroll, die Vorstandsvorsitzende von Anglo American, ließ sich auf derartige Spekulationen am Freitag jedoch nicht ein.

          Familienoberhaupt Nicky Oppenheimer bekam ein Angebot - und schlug es nicht aus

          Sie betonte lediglich, dass die Übernahme eine phantastische Gelegenheit für den Konzern sei, das Diamantengeschäft zu konsolidieren. Nachdem sich der Markt nach der Finanzkrise erholt habe und die Preise für Rohdiamanten wieder an das Niveau von 2008 angeknüpft hätten, erwarte sie eine zunehmende Nachfrage aus den Schwellenländern, die auf Dauer zu einem immer größeren Nachfrageüberhang an Diamanten führen werde.

          Nicky Oppenheimer bleibt vorerst im Amt

          Das Unternehmen De Beers, dessen Hauptsitz in Luxemburg ist, verfügt über die größten und ergiebigsten Diamantenminen der Welt und sitzt damit auf den größten Diamantenvorkommen. De Beers konnte den Absatz von Rohdiamanten im ersten Halbjahr auf einen Rekord steigern. Das Unternehmen liefert etwa ein Drittel der Weltproduktion von Rohdiamanten. Lang sind die Zeiten vorbei, in denen De Beers fast den gesamten globalen Markt für die Steine kontrolliert hatte, sich deshalb aber auch Wettbewerbsverfahren beugen und letztlich Marktanteile abgeben musste.

          Nicky Oppenheimer, der als Verwaltungsratsvorsitzender noch die Politik von De Beers mitbestimmt, bleibe bis zur Vollendung der Übernahme in der zweiten Jahreshälfte 2012 im Amt, sagte Carroll. Sein Sohn Jonathan ist in vierter Generation bei De Beers mit seinem Vater tätig. Die Familie bleibt mit einer Beteiligung von 1,9 Prozent an Anglo American beteiligt.

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