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Unternehmerin Roeckl : „Handschuhe haben etwas Magisches“

Annette Roeckl Bild: Jan Roeder

Für Annette Roeckl ist es ein Spiel aus Verhüllen und Zeigen, wenn sie ihre Hände mit Leder bedeckt. Sie glaubt, dass das modische Detail ein „Revival“ erlebt.

          4 Min.

          Es kommt einem Wunder gleich, dass Annette Roeckl locker und leger erscheint, nicht mit Handschuhen, Hut, Seidentuch und Handtasche. Denn darum dreht sich bei ihr – fast – alles. Sie ist in ihrer Begeisterung nicht zu bremsen, wenn sie über ein modisches „Detail“ spricht, dessen Wertschätzung nicht hoch genug einzustufen sei. 28 Jahre im Geschäft, und noch immer packt sie die Faszination. „Der Handschuh hat etwas Magisches“, sagt Roeckl. „Es ist ein Spiel aus Verhüllen und Zeigen.“ Sie rückt so ein Kleidungsstück, das eigentlich nur ein Detail sein kann, in das Zentrum modischer Erscheinungen. „Wir setzen Akzente; Handschuhe werden als letztes Kleidungsstück angezogen, aber sie fallen als erstes auf.“

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Und so ist seit Jahren „Verona“ der Klassiker und Verkaufsschlager unter den nach Städten benannten Damen-Lederhandschuhen von Roeckl. Die Empathie von Annette Roeckl kann selbst Handschuhmuffel in den Bann ziehen. Männer, sagt die Alleingeschäftsführerin der Roeckl Handschuhe & Accessoires, interessierten sich mehr und mehr für die Handbekleidung – und wenn es die Cabrio- oder Oldtimerfahrer sind, die stilgerecht ihre mit Leder bedeckten Hände auffällig auf das Lenkrad legen, oder Biker, die ihre Hände damit schützen. „Der Handschuh erlebt ein Revival“, sagt sie und nennt die Luxusmodehäuser Dior und Chanel, die ein wichtiges Mode-Detail für sich entdeckt haben.

          „Gerade in Krisenzeiten legen die Menschen Wert auf diese Beständigkeit“

          „Der Handschuh ist ein stilbildendes Element und damit ein modisches Statement.“ Heute, in Zeiten der Digitalisierung, fehlender Entschleunigung, der Nüchternheit oder einer hippen, wenn nicht gar verrückten Modekultur, ist das umso wichtiger. Für Roeckl ist die Handverkleidung aus Leder oder Wolle alles andere als ein altmodisches Accessoire, das über Jahrhunderte dem Klerus und der Dame als Status- und Standeszeichen vorbehalten war, um sich vom gemeinen Volk zu distanzieren. Geschichte ist auch, dass die 1839 gegründete Münchner Traditionsfirma „Königlich bayerischer Hoflieferant“ zu Zeiten des „Kini“ König Ludwig II war; oder von „Sissi“, der österreichischen Kaiserin Elisabeth.

          In der Gegenwart beobachtet die Eigentümerin gar wachsendes Interesse in einer ungewöhnlich anmutenden Klientel. „Für jüngere Zielgruppen wie die Generation Z geht der Trend schließlich zu Beständigkeit und langlebigen Accessoires.“ Dafür stünden die Roeckl-Produkte. „Gerade in Krisenzeiten legen die Menschen Wert auf diese Beständigkeit.“ Die Eigentümerin ist von einer zunehmenden Popularität ihrer Produkte überzeugt.

          Als Manufaktur – die Handschuhe werden in eigenen Fabriken in Rumänien aufwendig handgefertigt – wie auch als europäischer Marktführer strahlt das Unternehmen seine Markenkraft aus. Allein vier von insgesamt 15 selbst betriebenen Geschäften befinden sich im Zentrum von München in einem Umkreis von nur 500 Metern. Sie tragen sich, sagt Roeckl; von Kannibalisierung könne keine Rede sein. Jedes hat seinen eigenen Charakter, Schwerpunkt und Käuferstamm. „Unsere Kunden sind standorttreu“, sagt sie. „Sie wissen, wo sie uns finden.“

          Heute, in Corona-Zeiten, kommt das allerdings seltener vor. „Wir kämpfen jeden Tag mit der mangelnden Käuferfrequenz und der ständigen Verunsicherung der Kunden.“ Touristen aus dem In- und Ausland oder ältere Menschen als wichtige Käufergruppe bleiben genauso weg wie junge Leute, die „keinen Bock“ auf Masken haben und daher die Innenstadt meiden. Umsatzrückgänge von 30 Prozent muss sie hinnehmen. Dabei hat Roeckl in den ersten Wochen sogar von der Pandemie profitiert. Der Handschuh bekam auf einmal eine Schutzfunktion, wenn auch nicht im medizinischen Sinne. Aber er sei ein probates Mittel, das Übertragungsrisiko von Viren deutlich zu vermindern; zumal er sich besser und eleganter tragen lasse als hässliche Latex-Einweghandschuhe. Das haben viele erkannt. Handschuhe waren ausverkauft, sie wurden im Online-Portal bestellt. Tücher jedoch waren wegen der Maskenpflicht Ladenhüter.

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