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Kampf gegen Virus : Roche darf Corona-Antikörpertest auf den Markt bringen

Logo von Roche in Basel, Schweiz Bild: Reuters

Der Schweizer Pharmakonzern hat die Notzulassung der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA für einen Corona-Antikörpertest erhalten. Ab Juni soll der Test in Millionenhöhe ausgeliefert werden.

          3 Min.

          Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat den von Roche entwickelten Coronavirus-Antikörpertest im Rahmen einer Notfallzulassung für den Markt freigegeben. Auch in Europa und vielen Ländern Asiens wird der Test nun angeboten. Dies teilte der Schweizer Pharmakonzern am Sonntag mit. Von diesem Montag an werde Roche Millionen dieser im bayerischen Penzberg entwickelten Tests an Labore und Krankenhäuser in aller Welt liefern, sagte der Vorstandsvorsitzende Severin Schwan im Gespräch mit der F.A.Z. Wie teuer der Test sein wird, ist noch nicht bekannt.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Der sonst nicht zum Überschwang neigende Österreicher äußerte sich begeistert über die Treffgenauigkeit der Tests: „Die Ergebnisse sind sensationell. Das ist wirklich ein Durchbruch.“ Der Weltmarktführer auf dem Feld der Diagnostik hatte vor gut zwei Wochen verkündet, den Schlüssel zu einem zuverlässigen Test gefunden zu haben, mit dem sich feststellen lässt, ob sich jemand mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hat. Die Pandemie gilt als überwunden, sobald sich das Virus nicht weiter ausbreiten kann, weil ein Großteil der Bevölkerung immun ist – sei es dank eines Impfstoffs oder weil 60 bis 70 Prozent der Menschen im Wege einer Infektion Antikörper gebildet haben. Um festzustellen, wie weit die Bevölkerung auf dem Weg der sogenannten Durchseuchung vorangeschritten ist, braucht man sogenannte serologische Tests. Damit sucht man im Blut nach Antikörpern. Das Problem ist nur: Viele der Tests sind zu ungenau, um tatsächlich aussagekräftig zu sein.

          Entscheidend sind zwei Kriterien: die Spezifität und die Sensitivität. Beide Angaben zeigen, wie wahrscheinlich es ist, dass das Ergebnis bezogen auf das neuartige Coronavirus korrekt ist. Die Spezifität gibt an, zu welchem Prozentsatz Nichtinfizierte tatsächlich nicht positiv getestet werden. Viele Tests liefern nämlich auch dann positive Resultate, wenn im Blut Antikörper gegen eines der vielen anderen Coronaviren gebildet wurden, die schon lange als Erkältungserreger kursieren. „Diese sogenannten falsch positiven Resultate sind sehr heikel, weil es die betreffenden Personen in der falschen Sicherheit wiegt, vielleicht schon immun gegen das Virus zu sein“, sagte Schwan.

          Fehlende wissenschaftliche Basis

          Die Spezifität der Roche-Tests betrage 99,81 Prozent. „Damit zählen wir in puncto Verlässlichkeit zu den besten Anbietern im Markt.“ Die Sensitivität wiederum, die angibt, zu welchem Prozentsatz infizierte Personen als solche erkannt werden, bezifferte Schwan auf 100 Prozent. Die Labore, an die Roche die Testkits liefert, seien von diesen Resultaten begeistert gewesen, die auf der Analyse von mehr als 5000 validierten Proben beruhten.

          Nur: Wie hilfreich ist es zu wissen, dass man Antikörper gegen das neue Coronavirus im Blut hat? Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Annahme, dass Antikörper immun gegen das Virus machen, bisher nicht ausreichend wissenschaftlich gedeckt: „Es gibt im Moment keinen Nachweis, dass Menschen, die sich von Covid-19 erholt und Antikörper haben, vor einer zweiten Infektion geschützt sind“, teilte die WHO kürzlich mit. Der Roche-Chef teilt diese Einschätzung. Aber mit der nun erreichten Testqualität lasse sich genau diese fehlende wissenschaftliche Basis bilden, um die Frage der Immunisierung infolge einer durchstandenen Infektion über die nächsten Monate und Jahre in umfangreichen Studien verlässlich zu beantworten.

          In diesem Zusammenhang sei es gut, dass man nun beginnen könne, flächendeckend und in der Breite zu testen. Schwan bekräftigte, dass Roche von Juni an monatlich Tests in hoher zweistelliger Millionenhöhe ausliefern wird. Schon vor der Genehmigung der Behörden habe man die Produktion in Penzberg hochgefahren. In dem Ort nahe München betreibt Roche das größte Biotechnologiezentrum Europas. „Hier zeigt sich Deutschland von seiner besten Seite“, lobte Schwan die Leistung seiner Forscher und Entwickler in Bayern, die in den vergangenen Monaten fast rund um die Uhr an den neuen Corona-Tests getüftelt hätten. Auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlebergwerks arbeiten 6200 Mitarbeiter aus mehr als 50 Ländern. Fachleute sind sich einig, dass sich nur mit breiten und sehr zuverlässigen Tests aussagekräftig ermitteln lässt, wie groß die Durchseuchung in einer Region ist. Erste Studienergebnisse sind ernüchternd. Sie zeigen Infizierungsraten im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Aber je genauer man über die Verbreitung Bescheid weiß, umso genauer lassen sich gesundheitspolitische Maßnahmen ausrichten.

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