https://www.faz.net/-gqe-8iyyp

Fanuc : Der Roboter-Weltmarktführer nimmt Europa ins Visier

Fanuc-Chef Yoshiharu Inaba Bild: Fanuc

Im Gespräch mit der F.A.Z. sagt der Weltmarktführer aus Japan Umbrüche im Roboter-Markt vorher. Vernetzte Maschinen werden die Industrieproduktion umkrempeln - auch hierzulande.

          In Deutschland hat die geplante Übernahme des Augsburger Roboterherstellers Kuka durch den chinesischen Haushaltsgerätehersteller Midea die Schlagzeilen der vergangenen Wochen beherrscht. Nun geht der japanische Weltmarktführer für Industrieroboter, Fanuc, in die Offensive und nimmt Europa in den Blick: „Der europäische Markt wird immer wichtiger für uns“, sagt der Vorstandsvorsitzende Yoshiharu Inaba im Gespräch mit der F.A.Z. Im vergangenen Jahr hat Fanuc rund 10.000 Roboter in Europa verkauft. Jetzt formuliert der Vorstandsvorsitzende in einem seiner seltenen Pressegespräche ehrgeizige Ziele: „Innerhalb von fünf Jahren wollen wir unser Geschäft in Europa verdoppeln.“ Das Ziel klingt durchaus realistisch: Seit 2011 hat sich allein das Deutschland-Geschäft vervierfacht. Um seinen Plänen Nachdruck zu verleihen, reiste Inaba gerade erstmals zur Fachmesse „Automatica“ nach München.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für Unternehmen.

          Zur Kuka-Übernahme will sich Inaba indes nicht äußern. „Wir kommentieren grundsätzlich nichts in der Presse, was unsere Marktbegleiter betrifft.“ Zudem bekräftigt der Sohn des Firmengründers, dass Fanuc auch in Zukunft ausschließlich Industriekunden im Auge habe. „Wir werden keine Haushalts- oder Medizinroboter herstellen.“ Fanuc exportiert rund 85 Prozent seiner Roboter ins Ausland, die Herstellung findet ausschließlich in Japan statt. Der größte Markt sind die Vereinigten Staaten, gefolgt von Europa und China. Wichtigster Kunde ist die Automobilindustrie.

          Im vergangenen Jahr setzten die Japaner mit Robotern, CNC-Steuerungen und anderen Maschinen umgerechnet rund 5,6 Milliarden Euro um. Das hochprofitable Unternehmen ist an der Börse in Tokio gelistet und hat seine Gewinne jahrelang in die Forschung und Entwicklung reinvestiert oder in die Reserve fließen lassen. Nach dem Einstieg des Hedgefonds Third Point im vergangenen Jahr mit einem - unbestätigten - Anteil von 13 Prozent musste die Dividendenpolitik allerdings geändert werden. Zudem hat sich das einst sehr verschlossene Unternehmen ein Stück in seiner Kommunikationspolitik geöffnet.

          Roboter arbeiten in Zukunft mit Menschen zusammen

          Heute erzählt Konzernchef Inaba der F.A.Z. offen, dass er in den kommenden Jahren einen Umbruch am Markt durch kollaborative Roboter erwartet - Maschinen, die dank Sensor- und Sicherheitstechnik nicht mehr in abgetrennten Bereichen stehen müssen, sondern direkt mit Menschen zusammenarbeiten können. Auch Hersteller wie der deutsche Roboterhersteller Kuka oder ABB mit Sitz in der Schweiz arbeiten an solchen Robotern, allerdings bietet Fanuc mit seiner grünen Linie (die klassische Unternehmensfarbe ist Gelb) als Erstes marktreife Produkte an. Die Japaner sorgten auf dem Gebiet besonders früh für Aufsehen - so auch bei ersten, spektakulären Auftritten in Deutschland auf der Hannover Messe 2015.

          Die Einsatzmöglichkeiten scheinen in der Tat groß: Zum Beispiel werden in der Autoproduktion die Ersatzreifen noch immer von Menschen in den Kofferraum gelegt. Das sind aus Sicht von Arbeitsmedizinern „rote Arbeitsplätze“ (monoton und belastend), die auf Dauer gesundheitliche Schäden hervorrufen können. Bislang können aber Roboter diese Tätigkeiten noch nicht verrichten, weil die Verletzungsgefahr für die Menschen in der Produktionslinie zu hoch wäre. Das soll sich durch die neuen Maschinen ändern, die sofort anhalten, sobald sie sich einem Menschen gefährlich nähern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Maybrit Illner diskutierte in ihrer Sendung am 23. Mai 2019 mit ihren Gästen zum Thema „Skandal in Österreich - schadet das den Populisten?“

          TV-Kritik: „Maybrit Illner“ : Identität der Abgrenzung

          Eine Zerstörung der Rechtspopulisten zeichnet sich durch den Ibiza-Skandal nicht ab. Wahrscheinlich wird es dabei bleiben – so die Erwartung der Gäste von Maybrit Illner. Aber auf einen Denkzettel bei der EU-Wahl hoffen einige schon.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.