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Industrierevolution : Hilfe, die Roboter kommen!

  • -Aktualisiert am

Die Verschmelzung von Mensch und Maschine wird Realität Bild: Neue Messe München GmbH

Nicht nur tonnenschwere Stahlkolosse arbeiten Hand in Hand mit uns Menschen. Der neue Trend sind kleine und leichte Serviceroboter, die uns helfen sollen - und am Ende vielleicht verdrängen.

          „Frida“ ist fleißig, beweglich und sehr empfindsam. Sorgsam steckt sie kleine Bauteile zusammen. Berührt man sie aber nur leicht an einem ihrer beiden grau-weißen Arme, stellt sie sofort die Arbeit ein. Das allerdings ist so gewollt, denn dieser neue, zweiarmige Roboter, den die Entwickler des ABB-Konzerns intern nur „Frida“ nennen, soll in der Fabrik direkt mit einem Menschen zusammenarbeiten. Ohne Schutzzaun, ohne Sicherheitsabstand. Im eigenen Haus sei das bereits erfolgreich getestet worden, sagt Stefan Lampa, der globale Leiter des ABB-Robotergeschäfts. Zigtausende Notausschalter habe „Frida“ zusammen mit einem Mitarbeiter schon an Niederspannungsgeräte montiert. Jetzt will der Schweizer Elektrokonzern, der seit langem zu den größten Roboterherstellern der Welt zählt, den zweiarmigen Kleinroboter auf den Markt bringen. „Ich wäre sehr überrascht, wenn wir davon im nächsten Jahr nicht wenigstens eine vierstellige Zahl verkaufen würden“, sagt Lampa.

          Die Roboterwelt steht derzeit vor einem weiteren Durchbruch, glauben alle Fachleute, und „Frida“ ist ein Symbol dafür. Bislang sind die Geräte meist tonnenschwere Anlagen, die durch Schutzzäune von Menschen getrennt ihre Arbeiten in großer Geschwindigkeit und Taktzahl insbesondere in der Autoindustrie leisten. Pressen, schweißen und lackieren von Karosserien – hier haben sie den Bandarbeiter längst ersetzt. Doch nun sollen Roboter sowohl in die kleineren Betriebe einziehen, wo sie wesentlich flexibler eingesetzt werden müssen, als auch in ganz neue Anwendungsgebiete. Hersteller von Smartphones und anderen Elektronikgeräten zum Beispiel brauchen keine Ungetüme aus Stahl, sondern Maschinen, die fähig sind, Kleinteile zu erkennen und vorsichtig an die richtige Stelle im Endprodukt einzusetzen. Auf der Fachmesse Automatica in München, auf der sich die Robotikwelt derzeit trifft, ist deshalb auch viel von der „Mensch-Maschinen-Kooperation“ die Rede. „Wir stehen hier vor einem Durchbruch“, sagt Arturo Baroncelli, Geschäftsführer des italienischen Roboterherstellers Comau und Präsident des internationalen Robotikverbands IFR. „Die Autoindustrie ist immer noch der mit Abstand größte Abnehmer für Roboter, aber die Bedeutung anderer Branchen wie die Lebensmittel- oder Pharmaindustrie nimmt rasch zu.“

          Serviceroboter auf dem Vormarsch

          Die Zuversicht der Roboterspezialisten speist sich aus dem Zusammentreffen mehrerer Entwicklungen. Am wichtigsten sei, dass die Programmierung der Geräte deutlich einfacher geworden ist und mit Touchpads erfolgen kann, heißt es. „Damit wird der Roboter auch für Mittelständler interessant, die in ihrer Produktion ständig neue Aufgaben erledigen müssen“, sagt Thomas Dietz, Gruppenleiter Robotersysteme am Fraunhofer-Institut IPA in Stuttgart. Facharbeiter in der Fabrik sollen die Anlagen bedienen und neu programmieren können, ohne dafür wochenlange Schulungen durchlaufen zu müssen. „Die Arbeit mit dem Roboter wird intuitiv“, sagt Dietz.

          Hinzu kommt, dass Roboter inzwischen mit viel besseren Sensoren und Kamerasystemen bestückt werden. Damit können sie nicht nur weitaus mehr Aufgaben übernehmen, sondern werden auch deutlich sicherer, verspricht die Industrie. Selbstfahrende Transportwagen bringen Teile in einer Fabrik von einem Ort zum anderen und halten sofort, wenn sich ihnen etwas in den Weg stellt, Roboterarme nehmen in Kantinen die Tabletts vom Band und platzieren sie in den Wägen, die zum Geschirrspüler rollen. Der Roboter als Helfer im Haushalt, im Krankenhaus oder in der Logistik -  solche Anwendungsmöglichkeiten beflügeln die Fantasie. „Die Servicerobotik hat ein viel größeres Potential als die Industrierobotik“, sagt Eberhard Kroth, Geschäftsführer des inzwischen zum Kuka-Konzern gehörenden Herstellers Reis Robotics. Und wie zum Beweis zeigt Kuka, einer der größten Aussteller auf der Automatica, keinen einzigen Industrieroboter mehr auf seinem Stand, sondern nur noch Anwendungsideen für seinen Leichtbauroboter LBR iiwa, mit dem die Augsburger ihre Abhängigkeit von den Kunden aus der Autoindustrie deutlich verringern wollen.

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