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Sprengung von heiliger Stätte : Aborigines gehen gegen Minenkonzerne vor

In der Pilbara-Region in Australien: Der Minenkonzern Rio Tinto hat eine den Aborigines heiliges Gräberfeld gesprengt. Bild: AFP

Rio Tinto hat in Australien ein 46.000 Jahre altes, den Aborigines heiliges Gräberfeld gesprengt, um seine Erzausbeute zu erweitern. Hinter den Auseinandersetzungen stehen große geschäftliche Interessen.

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          Während der Eisenerzpreis dank Chinas wachsender Nachfrage seine Schallmauer von 100 Dollar je Tonne wieder nach oben durchbrochen hat, sieht sich die Bodenschatzbranche in ihrer eigenen Heimat unter Druck: Rio Tinto hat in Australien ein 46000 Jahre altes, den Aborigines heiliges Gräberfeld gesprengt, um seine Erzausbeute zu erweitern. Konkurrent Fortescue Metals Group erlitt zur selben Zeit eine Niederlage vor dem Hohen Gericht: Die Richter untersagten dem drittgrößten Erz-Konzern Australiens, gegen ein wichtiges Urteil in Berufung zu gehen. Es besagt, dass Fortescue das Erzgebiet Solomon Hub in Westaustralien unrechtmäßig von den Aborigines übernommen habe.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Rio Tintos Eisenerz-Vorstand Chris Salisbury musste sich am Sonntag für die Sprengung im Juukan-Gorge-Gebiet entschuldigen. Sie sorgte weltweit für Aufsehen, weil Australien etwa zur selben Zeit einen Tag der Versöhnung mit seinen Ureinwohnern beging und der australisch-britische Konzern versucht, sich als besonders umweltfreundlich zu positionieren. Zeitgleich ließ er ein Video in den sozialen Medien laufen, in dem er sein Image poliert.

          Gesetzeslage soll geprüft werden

          Der australische Minister für die Eingeborenen, Ken Wyatt, will nach dem Vorfall die Gesetzeslage prüfen. Die Eingeborenen genießen als Landeigentümer („native title“) zwar das Recht, Kompensationen auszuhandeln und die Entwicklung der Region zu beeinflussen; ausgeschlossen ist aber bislang das Bewahren heiliger Stätten, sind sie nicht von Beginn an aufgeführt. Damit bleibt ihnen nur der Gang an die Öffentlichkeit. Seit 2010 haben die Konzerne beantragt, 463 historische Stätten von Aborigines sprengen zu dürfen. Die Stammesführer von Juukan Gorge verwiesen darauf, dass ihnen die Sprengung nie bewusst gewesen sei. Salisbury sagte, Rio Tinto habe im Jahr 2011 einen Vertrag mit den Aborigines in der Region geschlossen und seit 2014 mehr als 7000 Kunstgegenstände dort geborgen. Deren Vertreter hingegen sagten, sie hätten den Managern gegenüber erklärt, die Grabhöhlen müssten erhalten bleiben.

          Hinter den Auseinandersetzungen stehen große geschäftliche Interessen beider Seiten: Die Konzerne versuchen, sich ein freundliches Antlitz zu verleihen und sozialen Frieden zu schaffen, indem sie den oft schlecht ausgebildeten Ureinwohnern in entlegenen Gebieten auf die Beine helfen. Deren Stämme allerdings können nicht nur Ausbildungsplätze, Häuser und Stellen ergattern: Das Abtreten von Gebieten an Bodenschatzkonzerne kann Milliarden von Dollar bringen. Damit entstehen Spannungen in manchen Gemeinden. Auf der einen Seite wollen einige Angehörige lieber um Geld ringen, während andere wiederum den Ausgleich mit den Konzernen suchen. Auch aus diesem Grund ist es für deren Strategen oft nicht einfach, den rechten Weg zu finden.

          Fortescue könnte der Richterspruch teuer zu stehen kommen, was der Konzern freilich bestreitet. Die Interessenvertretung Yindjibarndi Aboriginal Corporation (YAC) will Geld sehen. Sie lässt sich beraten von den Fachleuten von KPMG. Für Solomon Hub solle die Kompensation etwa 10 Prozent des Umsatzes mit dessen Erz seit dem Öffnen der Minen 2013 betragen. Dies dürfte sich auf einen Betrag von rund 2 Milliarden australischen Dollar (1,2 Milliarden Euro) addieren, da Solomon rund 40 Prozent des gesamten Erzausstoßes von Fortescue liefert.

          In der Auseinandersetzung über die Höhe der Entschädigung werfen die Ureinwohner Fortescue vor, Hunderte heiliger Stätten zerstört zu haben, was nicht nur Schmerz, sondern auch wirtschaftlichen Verlust bedeutet habe. Auch die Spaltung ihrer Gemeinschaft in zwei miteinander ringende Gruppen halten sie den Managern vor: „Über die Verhandlungen wurden wir als schlechte Menschen dargestellt, was damit endet, dass unsere eigenen Familienmitglieder und Teile der Yindjibarndi gegen uns aufstehen. Wir wurden durch die Gerichte geschleppt von diesem Unternehmen, das nicht einmal einen wirklichen Grund hatte, dies zu tun“, klagte YAC-Vorstandschef Michael Woodley.

          Fortescue liegt in Händen des Milliardärs Andrew Forrest, der sich privat stark für die Menschenrechte und den Schutz der Umwelt einsetzt. Auf der Hauptversammlung hatte er seinen Aktionären zugerufen: „Dies ist nicht die Gemeinschaft, der ich Dutzende Millionen Ihres Geldes hinterherwerfen werde.“ Während die Aborigines in dem Rechtsstreit unter anderem die Labor-Partei hinter sich brachten, arbeitete Fortescue mit einem Anwaltsteam, das von Bret Walker geführt wurde; er hatte gerade die Berufung für Kardinal George Pell im Kinderschänder-Prozess in Melbourne gewonnen.

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