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Der bekannte Rillenkoffer von Rimowa Bild: Fabian Fiechter

Rimowa-Chef spendet : Koffermillionär wird Wohltäter

Dieter Morszeck ist mit den Rillenkoffern seiner Firma Rimowa reich geworden. Jetzt spendet er im großen Stil für die Krebsforschung.

          Forscher brauchen Geld, um die Wissenschaft voranzubringen. Unternehmer haben Geld, jedenfalls wenn sie ihre Sache gut gemacht haben. In Heidelberg haben sich nun Forscher mit Ideen und ein Unternehmer mit dem nötigen Kleingeld gefunden. Dieter Morszeck, der vor zwei Jahren die Mehrheit an der von seinem Großvater gegründeten und nach seinem Vater benannten Kofferfabrik Rimowa („Richard Morszeck Warenzeichen“) an den französischen Luxusgüterkonzern LVMH (Louis Vuitton, Hennessy, Moët Chandon) verkauft hat, wird zum Großspender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Mit 30 Millionen Euro unterstützt seine Stiftung eine ganze Reihe von Initiativen der wichtigsten Institution der Krebsforschung in Deutschland.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Entscheidung soll am Montag offiziell bekanntgegeben werden. Morszeck und die DKFZ-Spitze haben sie der FAS vorab erläutert. Die Spende hat eine familiäre Vorgeschichte. Vor drei Jahren wurde Morszecks an Darmkrebs erkrankte Schwester in Heidelberg behandelt. Die Ärzte rangen um ihr Leben, am Ende vergeblich. Aber der Einsatz der Ärzte und die Möglichkeiten der modernen Medizin beeindruckten den Unternehmer nachhaltig. „Damals wusste ich schon: Wenn ich einmal eine Stiftung gründe, dann werde ich das DKFZ unterstützen“, sagt Dieter Morszeck.

          Neubau und neue bildgebende Verfahren

          Das Krebsforschungszentrum in Heidelberg will fachlich mit den amerikanischen Spitzeneinrichtungen wie dem Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York mithalten. Finanziell tut sich jedoch eine Lücke auf. Die Amerikaner kommen auf einen Forschungsetat von 900 Millionen Dollar im Jahr, in Heidelberg sind es nur 280 Millionen Euro. Vor allem an vermögenden privaten Spendern mangelt es. An ihnen ist den Forschungszentren auch deshalb so sehr gelegen, weil sie deren Geld mit weniger bürokratischem Aufwand für ihre Ziele einsetzen können als staatliche Mittel. Die Amerikaner weisen unter diesem Punkt, zu dem auch Nachlässe und Beiträge von Stiftungen zählen, fast 250 Millionen Dollar Einnahmen aus. In Heidelberg sind es laut Josef Puchta, dem kaufmännischen Vorstand, rund 10 Millionen Euro im Jahr von privaten Spendern.

          Dieter Morszeck

          Nun also 30 Millionen Euro auf einmal. Puchta und Michael Baumann, der Vorstandsvorsitzende, konnten nach eigener Darstellung ihr Glück kaum fassen, als sie das entscheidende Telefonat mit Morszeck führten. Sie hatten ihm nach einem Vorgespräch eine Liste mit sieben einzelnen Projekten zusammengestellt, die nach ihrer Ansicht förderwürdig waren – und darauf gehofft, dass Morszeck an einem oder zwei Gefallen finden würde. Morszeck gab gleich für fünf Vorhaben grünes Licht. Größter Brocken ist ein Neubau, in dem künftig lebende Tumorzellen sowie Blut-, Urin- und Gewebeproben von Krebspatienten bei minus 80 Grad gelagert werden sollen, um sie für zukünftige Forschungsmethoden zu erhalten. In drei Jahren soll das Gebäude fertig sein, in einem vergleichbaren Projekt mit Steuergeld würde das nach Einschätzung der DKFZ-Spitze doppelt so lang dauern. Außerdem unterstützt Morszeck die Entwicklung neuer bildgebender Verfahren zur Krebsfrüherkennung, die Analyse von einzelnen Krebszellen sowie den Wissenstransfer von der Grundlagenforschung ans Krankenbett.

          Morszeck hält noch 20 Prozent an Rimowa

          „Das ist nicht nur eine Überweisung mit einem Verwendungszweck, um die ich mich danach nicht mehr kümmere“, kündigt der Stifter an. Er wolle das DKFZ und die Wissenschaftler, die an „seinen“ Themen arbeiten, künftig vielmehr auch in strategischen Fragen beraten, etwa wenn es um die unternehmerische Formulierung und das Erreichen von Zielen geht. Er strebe eine langjährige Partnerschaft an. „Das Geld ist gut investiert, auch wenn es keine finanzielle Rendite dafür gibt“, sagt Morszeck. „Stattdessen können wir damit Patienten helfen, die an Krebs leiden. Das ist viel wichtiger als ein neues Produkt.“

          Über welche Mittel seine Stiftung insgesamt verfügt, will Morszeck nicht verraten. Bekannt ist nur, dass LVMH für 80 Prozent der Anteile am Kofferhersteller Rimowa 640 Millionen Euro gezahlt hat; die restlichen 20 Prozent hält Morszeck nach wie vor. Für seine Stiftung ist das Engagement in Heidelberg bis dato das größte, aber nicht das einzige. Mit 9 Millionen Euro fördert Morszeck außerdem ein Neubauprojekt des größten Kinderkrankenhauses in seiner Heimatstadt Köln. Und 4 Millionen fließen nach Brasilien, ins Heimatland seiner Ehefrau. Dort unterstützt Morszeck eine Hilfsorganisation beim Aufbau medizinischer Infrastruktur im Amazonasgebiet, unter anderem mit Hospitalschiffen und Spezial-Wasserflugzeugen für Rettungseinsätze.

          Passionierter Hobbypilot

          Das wohltätige Projekt in Brasilien schlägt die Brücke zu Morszecks privater Leidenschaft, der Fliegerei. Der Fünfundsechzigjährige ist ein passionierter Pilot. Mit dem flugfähigen Nachbau eines historischen Ganzmetall-Tiefdeckers der Flugzeugwerke Junkers, des Modells F-13, hat er sich bei Liebhabern schon unsterblich gemacht. Pünktlich zum 2019 anstehenden 100. Jahrestag des Erstflugs dieser Maschine, deren Außenhaut aus Wellblech ein Vorbild für die charakteristischen Rillen der Rimowa-Koffer ist, will Morszeck mit einer kleinen Flugzeugmanufaktur das zweite Exemplar ausliefern. Weitere Bestellungen liegen vor, lässt er durchblicken.

          Die Koffer mit den Rillen haben Morszeck reich gemacht. 34 Jahre lang war er der Chef des Familienunternehmens, dessen Umsatz unter seiner Ägide von 3 Millionen auf rund 400 Millionen Euro im Jahr gestiegen ist. Wer dachte, Morszeck würde sich nach dem Verkauf der Mehrheit aufs Altenteil verabschieden, hat sich getäuscht. „Ich will mich weiterentwickeln und nicht einfach zur Ruhe setzen.“ In Heidelberg hat dieser Entschluss nun schon einmal für Entzücken gesorgt.

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