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Pfalz, Saarland und der Bund : Tanzen für Tesla

  • -Aktualisiert am

Der Tesla-Schriftzug auf dem Kofferraum eines „Model S“. Bild: Reuters

Elon Musk schickt einen Tweet und bringt damit zwei Bundesländer und die Bundesregierung in Bewegung. Kurzfristig soll die Entscheidung, wann und wo eine mögliche Tesla-Fabrik in Deutschland gebaut wird, nicht fallen.

          Die Ansiedlungspläne des amerikanischen Elektroautobauers Tesla haben nicht nur die potentiellen Standort-Länder Rheinland-Pfalz und Saarland alarmiert. Auch die Bundesregierung habe sich in die Verhandlungen eingeschaltet, um einen Fördermittelwettbewerb mit dem Nachbarn Frankreich von vornherein zu verhindern, heißt es aus Verhandlungskreisen. Schließlich könne das Thema beihilferechtlich sehr sensibel werden.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Ein Standort in der Grenzregion Saarland, Rheinland-Pfalz und Frankreich könne wegen der Fördermöglichkeiten interessant sein, müsse allerdings koordiniert werden. Ein öffentliches Vorpreschen würde möglicherweise früh die EU-Kommission auf den Plan rufen. Am Ende werde Tesla-Gründer Elon Musk dorthin gehen, wo ihm am meisten geboten wird, heißt es. Erschwert wird das öffentliche Werben der Landespolitik zudem durch den erwartet großen Flächenbedarf der Fabrik. Vermutlich lassen sich kaum zusammenhängende Industrieflächen finden, die ausschließlich Landeseigentum sind. Eine kurzfristige Entscheidung, wo und wann Tesla seine Fabrik bauen will, steht nach Einschätzung von Beteiligten nicht bevor.

          Der Tesla-Chef selbst hatte in einem Tweet Mitte Juni für seine Europa-Fabrik einen Standort an der deutsch-französischen Grenze in der Nähe der Benelux-Länder als sinnvoll bezeichnet und damit für Betriebsamkeit der Landesregierungen gesorgt. Im Kampf um den Standort verfolgen die Bundesländer Saarland und Rheinland-Pfalz allerdings unterschiedliche Strategien. Musk bekommt so nach Befürchtungen von Beteiligten die Möglichkeit, die Standortanbieter gegeneinander auszuspielen.

          Saarland prescht vor, Rheinland-Pfalz wahrt Schweigen

          Während sich der Saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und seine Stellvertreterin Anke Rehlinger (SPD) kurz nach dem Tweet in einem gemeinsamen Brief öffentlich direkt an Musk gewandt haben, versucht die rheinland-pfälzische Landesregierung offenbar auf Verhandlungsebene weiterzukommen, ohne „öffentlich schon früh Zugeständnisse zu machen“, wie es heißt. Tatsächlich hat Musk bis dato nicht persönlich auf die Einladung reagiert, dennoch gebe es „frühe Verhandlungen“ mit dem Unternehmen über die mögliche Ansiedlung.

          Hans und Rehlinger haben den Tesla-Gründer zu einem persönlichen Gespräch nach Saarbrücken eingeladen und damit geworben, dass es im Saarland nicht nur eine der größten Ballungen von Automobilzuliefer-Unternehmen gebe, sondern auch einen „der weltweit führenden Standorte für Informatik und Künstliche Intelligenz – mit einer idealen Lage entlang der deutsch-französischen und luxemburgischen Grenze.“ Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) sagte der F.A.Z., „wir haben großes Interesse, dass Tesla weiter in unserer Gegend investiert“. Das Land sei „mit allen Betroffenen in guten Gesprächen“. Details dazu nenne das Ministerium aber grundsätzlich nicht.

          Tesla kennt Rheinland-Pfalz bereits

          In Rheinland-Pfalz ist Tesla bereits engagiert. Die Amerikaner hatten Anfang 2017 den Prümer Maschinenbauer Grohmann übernommen. Zuvor hatten sie mit dem Familienunternehmen die Produktionsanlagen für das Model 3 entwickelt. Dass die Verhandlungen mit den Amerikanern nicht leicht sind, musste damals der Grohmann-Gründer Klaus Grohmann erfahren, der seine Firma kurz nach der Übernahme im Streit verlassen hat. Tesla-Chef Musk hatte zuvor durchgesetzt, dass Grohmann die Produktion für Konkurrenten wie BMW und Daimler beendet und sich nur auf das Model 3 konzentriert.

          Tesla hatte jüngst Gespräche über den Bau seiner ersten Übersee-Fabrik in China angekündigt. Bisher produziert der Konzern seine Elektroautos im kalifornischen Fremont, einem der größten industriellen Produktionsstandorte auf der Welt. Zu den Ansiedlungsplänen in Deutschland äußerte sich der Konzern auch auf Nachfrage nicht. Tesla hat zur Zeit mit erheblichen Problemen zu kämpfen, der Aktienkurs steht unter Druck. Erst Ende Juni – mit einem halben Jahr Verspätung – erreichte das Unternehmen das selbstgesteckte Ziel, in einer Woche 5000 Fahrzeuge des Model 3 zu bauen. Das Modell soll dem Konzern den Zugang zum Massenmarkt verschaffen.

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