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FAZ.NET exklusiv : Rewe verabschiedet sich vom Plastik-Einweggeschirr

Auch bei Rewe ist das magische Datum 2030. Bis dahin sollen sämtliche Eigenmarkenprodukte in umweltfreundlichen Verpackungen angeboten werden. Wo es geht, soll die Kunststoffhülle ganz wegfallen oder zumindest optimiert werden. „Das Thema Plastik ist derzeit in aller Munde und das zu Recht“, sagt Souque. Den Händlern sei mittlerweile bewusst, dass ein Teil der Verantwortung für eine saubere Umwelt bei ihnen liege. „Die Rewe Group mit ihrer Größe ist sicherlich in der Lage, etwas zu verändern“, meint der Vorstandsvorsitzende weiter.

So wie im Falle der Plastikeinkaufstüte. Seit Rewe und das Schwesterunternehmen Penny sie vor gut zwei Jahren aus dem Sortiment genommen haben, ist die Konkurrenz Schritt für Schritt gefolgt – schätzungsweise mehr als eine Milliarde Plastiktüten werden dadurch jährlich eingespart. Kritiker bemängeln jedoch die vergleichsweise schlechte Ökobilanz der alternativen Papiertüten. „Es war eine schwere Entscheidung, die aber letzten Endes gut für die Umwelt ist und – das muss man auch sagen – für unser Image“, gibt Souque zu.

Das Image aufzupolieren sei aber nicht alles. „Die Maßnahmen müssen schon sinnvoll sein“. Zwar sei die Rewe Group als Genossenschaft kein börsennotiertes Unternehmen und müsse daher nicht jedes Quartal perfekte Zahlen präsentieren. Doch nur für eine schöne Pressemitteilung treffe man nicht leichtfertig weitreichende Entscheidungen, die auch den Umsatz beeinflussen könnten. Artikel für Artikel werde derzeit geprüft, wo Kunststoff vermieden, ersetzt oder eingespart werden könne – von einem Laser-Logo auf biologischen Avocados und Süßkartoffeln, das auch Konkurrent Edeka für sich entdeckt hat, über Mehrwegobstbeutel und dünnere Folienwände bis hin zu Recyclat-Verpackungen (also Verpackungen aus recycelten Materialien). „Es ist ein Prozess, der viel Aufwand kostet. Aber wir sind motiviert und spüren den Druck, intern wie extern“, sagt Souque.

Die Logik des Systems steht Veränderungen im Weg

Wie schwer es dem Handel bei all den öffentlichkeitswirksamen Bemühungen fällt, auf Verpackungsmaterial zu verzichten, weiß Lukas Sattlegger. Er forscht am Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) zum Thema Verpackungen und nachhaltiger Konsum. Einen Monat lang räumte er in einem Supermarkt Regale aus und ein, nahm Ware in Empfang, sprach mit Kunden, Lieferanten und der Filialleitung. 

„Verpackungen machen es den Supermärkten so viel einfacher“, sagt Sattlegger. Neben den von den Unternehmen gerne angeführten Gründen der Information, Haltbarkeit, Hygiene und Unterscheidbarkeit erkennt der Forscher die Komplexität des gesamten Systems an, das seit nunmehr Jahrzehnten auf Kunststoffverpackungen aufbaut. So einfach lasse sich das Rad nicht zurückdrehen. „Verpackungen machen Prozesse schneller und effizienter. Sie machen zeitlich und räumlich unabhängig.“

Was Sattlegger damit meint: Sind Paletten mit Folie umwickelt, müssen sie nicht mehr wie früher händisch verladen werden. Ist der Käse schon vorgeschnitten und verpackt, benötigen Supermärkte weniger Personal. Nektarinen im Netz können nach Verstreichen des Ablaufdatums ganz einfach aussortiert werden – einmal scannen, fertig ist das lückenlose Warenregister.

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