https://www.faz.net/-gqe-834hr

Hauptversammlung : Deutscher Bank droht Aktionärsrevolte

Die Ko-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen (links) und Anshu Jain Bild: AP

Die einflussreichen Aktionärsberater ISS und Ivox lehnen eine Entlastung des Vorstands ab. Der Grund für den Vertrauensentzug: die Rekordstrafe in der Zinsaffäre

          3 Min.

          Die Hauptversammlung der Deutschen Bank am 21. Mai kann für den Vorstand schmerzhaft werden. Denn einflussreiche Aktionärsberater wie die amerikanische Institutional Shareholder Services (ISS) oder die deutsche Ivox wollen den Vorstand mit den beiden Vorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen nicht entlasten. Der amerikanische Aktionärsberater Glass Lewis empfiehlt, sich der Stimme bei diesem Tagesordnungspunkt zu enthalten. Vor allem mit der Rekordstrafe in der Zinsaffäre von 2,5 Milliarden Dollar begründen die Aktionärsberater den Vertrauensentzug.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Denn die amerikanischen und britischen Aufsichtsbehörden hatten einen Teil der Strafe auch auf das Verhalten der Bank während der Ermittlungen zurückgeführt. Dem Institut wurden Fehlinformation und Verzögerungstaktik vorgeworfen. Das mangelhafte Risikomanagement habe zu höheren Strafen und damit größeren Verlusten für die Anteilseigner geführt, kritisierte ISS. Darüber hinaus wertet der amerikanische Aktionärsberater das Verfahren gegen Fitschen, der sich in München vor Gericht wegen angeblichen Prozessbetrugs im Kirch-Rechtsstreit verantworten muss, als weitere Belastung.

          Sollten die Aktionäre das Führungsgremium nicht entlasten, wäre dies ein Vertrauensentzug. Der Aufsichtsrat kann dann den Vorstand abberufen. Dieses Misstrauensvotum erfolgt bei grober Pflichtverletzung oder der Unfähigkeit zu einer ordnungsgemäßen Geschäftsführung. Seine Empfehlung, den Vorstand nicht zu entlasten, begründet der deutsche Aktionärsberater Ivox neben Zweifeln am Risikomanagement auch mit Bedenken, dass der Vorstand nicht mehr in der Lage sei, die Bank adäquat zu führen.

          Während ISS den Aufsichtsrat entlasten will, lehnt dies Ivox ab. Der deutsche Aktionärsberater führt auch den Strategieprozess an, der neue Auseinandersetzungen mit der deutschen Finanzaufsicht Bafin erwarten lässt, nachdem vertrauliche Informationen nach außen durchgesickert sind. Ivox stellt auch in Frage, ob die neue Strategie erfolgreich sein wird. „Seit der letzten strategischen Neuausrichtung sind noch keine drei Jahre vergangen, und nunmehr soll die Postbank abgestoßen werden“, schreiben die Ivox-Aktionärsberater.

          Analyse- und Beratungsunternehmen mit großen Einfluss

          Gesellschaften wie ISS oder Glass Lewis sind sehr einflussreich und können Hauptversammlungen beeinflussen. Das bekam etwa der Aufsichtsratsvorsitzende der Lufthansa, Wolfgang Mayrhuber, zu spüren, als er vor zwei Jahren für das Amt kandidiert hatte. ISS lehnte ihn ab, weil ihm als ehemaligem Vorstandsvorsitzenden nach den Prinzipien guter Unternehmensführung (Corporate Governance) die nötige Distanz fehle und er deshalb als Chefkontrolleur ungeeignet sei. Mayrhuber zog am Vorabend zurück, kandidierte dann doch, wurde aber mit einem schlechten Ergebnis zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt.

          Gesellschaften wie ISS verstehen sich als Stimmrechtsvertreter sowie als Analyse- und Beratungsunternehmen, die Großaktionären Empfehlungen für ihr Abstimmverhalten auf Hauptversammlungen geben. Vor allem große Fonds, Pensionskassen oder Versorgungswerke nehmen diesen Service in Anspruch, um ihre Stimme auf den Hauptversammlungen nicht verfallen zu lassen. Die Aktionärsberater folgen dabei den Corporate-Governance-Prinzipien, berücksichtigen aber auch länderspezifische Besonderheiten. Bei der Deutschen Bank können sie das Stimmverhalten beeinflussen, weil der Streubesitz sehr hoch ist.

          Die beiden größten Aktionäre sind die Holding des qatarischen Scheichs Dschassim bin Dschaber al-Thani mit 5,8 Prozent und die amerikanische Fondsgesellschaft Blackrock mit 6,6 Prozent. Da aber 80 Prozent der Aktien von institutionellen Investoren, also vor allem von Fonds, gehalten werden, können die Aktionärsberater eine wichtige Rolle spielen. Vor allem ausländische Fonds haben oftmals bei kleineren Aktienpositionen nicht die Zeit, um ihr Abstimmverhalten für jede einzelne Gesellschaft zu analysieren. Sie folgen dann den Empfehlungen etwa von ISS.

          Trotz neuer Strategie entwickelt sich der Kurs enttäuschend

          Aber auch von den deutschen Aktionärsschützern droht der Bank nun Ärger. Denn die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hatte auf die Tagesordnung den Antrag auf eine Sonderprüfung setzen lassen. Wie Mitte April schon berichtet wurde, hat die DSW dazu ausreichend Unterstützer gefunden. Ein externer Sonderprüfer, in der Regel ein Wirtschaftsprüfer, soll die Bücher der Bank mit Blick auf die vielen Rechtsverfahren und Vergleichskosten durchleuchten. Der Aufsichtsrat mit dem Vorsitzenden Paul Achleitner lehnt diesen Antrag ab, weil er angesichts der Vielzahl interner und externer Überprüfungen - vor allem im Zusammenhang mit rechtlichen Auseinandersetzungen - keinen Anlass für eine weitere Prüfung sieht. Hier folgt ISS dem Aufsichtsrat, während Ivox für eine Sonderprüfung ist.

          Für Unruhe unter den Aktionären dürfte auch die enttäuschende Kursentwicklung seit Bekanntgabe der neuen Strategie sorgen. Die Kosteneinsparungen von jährlich 3,5 Milliarden Euro, der Verkauf der Postbank über die Börse und die Einschnitte der Geschäfte im Investmentbanking haben nicht die erhoffte Resonanz der Investoren gefunden. Das Gegenteil war der Fall: Seit Vorstellung der neuen Strategie hat der Kurs um 10 Prozent auf 28,40 Euro verloren. Auch in der Rangliste der wertvollsten Banken, gemessen an der Marktkapitalisierung, ist die Deutsche Bank zurückgefallen.

          Mit 39 Milliarden Euro liegt sie in der Welt nur auf dem 49. Rang. Im Vergleich dazu bringt es die amerikanische JP Morgan auf 213 Milliarden Euro. JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein erwartet, dass der Aktienkurs der Deutschen Bank steigt, wenn Jain und Fitschen binnen drei Monaten die Details zu den Maßnahmen vorstellen. So ist immer noch nicht bekannt, wie viele Stellen aufgrund der Sparziele abgebaut werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Wohnungsbestand steigt – aber knapp sind Wohnräume noch immer.

          Wohnungsknappheit in Städten : Es wird gebaut – aber nicht genug

          Wohnungsknappheit bleibt ein Problem in Deutschland – doch während in einigen Städten immer mehr Wohnungen dazu kommen, hinken andere hinterher. Das zeigt eine F.A.Z.-Umfrage unter den zehn größten deutschen Städten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.