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Miese Geschäftszahlen : Vapiano leitet drastischen Umbau ein

Eine Vapiano-Filiale in Hanau Bild: Reuters

Die Kölner Restaurantkette Vapiano rutscht noch tiefer in die Verlustzone und drosselt ihr Expansionstempo. Sind auch Stellen gefährdet?

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          Die Kölner Restaurantkette Vapiano sieht sich angesichts einer enttäuschenden Geschäftsentwicklung zu drastischen Einschnitten gezwungen. Um das defizitäre Unternehmen schlanker und effizienter aufstellen, drosselt der neue Vorstandsvorsitzende Cornelius Everke das Wachstumstempo im Kernmarkt Europa deutlich. Die Geschwindigkeit der Neueröffnungen werde entscheidend verlangsamt, heißt es in einer Mitteilung vom Wochenende. Neue Restaurants soll es künftig nur in Metropolen geben.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Überdacht wird auch die geplante Ausweitung der Mitnahme- und Lieferangebote. Für seine Aktivitäten außerhalb Europas prüft das börsennotierte Unternehmen den Angaben zufolge Alternativen, sprich: einen Verkauf. Vorbild ist der bereits in den Vereinigten Staaten eingeschlagene Weg, wo die sieben eigenen Filialen kürzlich an einen Franchisepartner veräußert wurden. Vapiano ist unter anderem mit Restaurants in Mexiko, Brasilien, Saudi-Arabien, Ägypten und China vertreten. In Australien war erst im vergangenen Jahr die Mehrheit an dem dortigen Gemeinschaftsunternehmen übernommen worden.

          Ein Stellenabbau stehe nicht im Fokus der Strategie, betonte eine Sprecherin auf Anfrage der F.A.Z.. Vorrangiges Ziel sei es, das Unternehmen profitabel zu machen. Mit den angekündigten Schritten rückt der neue Vapiano-Chef von den ehrgeizigen Wachstumsplänen seines Vorgängers Jochen Halfmann ab. Bis 2020 hatte Halfmann die auf italienische Speisen spezialisierte Kette, die zum Ende des vergangenen Jahres 231 Restaurants in 33 Ländern zählte, auf 330 Standorte ausbauen wollen. Nach zwei Prognosekorrekturen musste er Ende November seinen Hut nehmen. Selbst die reduzierten Ziele wurden im vergangenen Jahr verfehlt, wie das Unternehmen am Freitagabend mitteilte.

          VAPIANO SE INH. O.N.

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          Als Grund werden ein unbefriedigendes viertes Quartal und die schwache Entwicklung einiger neu eröffneter Filialen genannt. Statt der angestrebten 375 bis 385 Millionen Euro setzte die Kette laut vorläufiger Zahlen lediglich 370 Millionen Euro um. Damit sank der Umsatz auf vergleichbarer Fläche um 1 Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) erreichte 29 bis 31 Millionen Euro anstelle der angepeilten 34 bis 38 Millionen Euro. Zudem fielen außerplanmäßige Abschreibungen und weitere Risikovorsoge in Höhe von insgesamt 33 Millionen Euro an, womit Vapiano den Angaben zufolge noch deutlich tiefer in die Verlustzone geraten ist. Im Vorjahr hatte der Fehlbetrag bei 29,6 Millionen Euro gelegen.

          Zur Sicherung der langfristigen Finanzierung und Umsetzung der zukünftigen Strategie befinde sich der Vorstand derzeit in Gesprächen mit den finanzierenden Banken, hieß es. „Nach einem operativ sehr enttäuschenden Geschäftsjahr 2018 werden wir das Jahr 2019 nutzen, um einen strategischen Übergang zu schaffen und die Komplexität unseres Geschäftsmodells deutlich zu reduzieren“, sagte Everke. Um die Wartezeiten für die Gäste zu verkürzen, will er die Abläufe in den Restaurants optimieren und die Speisekarte verkleinern. Zudem sollen die IT-Systeme verbessert werden, um eine reibungslose Nutzung der digitalen Bestellmöglichkeiten zu gewährleisten.

          Der 1964 geborene Everke hat einst das Deutschlandgeschäft von Starbucks aufgebaut. Anschließend war er in leitenden Positionen beim britischen Verkehrsgastronomieanbieter SSP tätig. Im Mai 2018 rückte er als Verantwortlicher für das Auslandsgeschäft in den Vapiano-Vorstand, seit 1. Dezember fungiert er als dessen Vorsitzender. Die Aktionäre von Vapiano sind leidgeprüft. Im Sommer 2017 war das Unternehmen, dessen größte Aktionäre die Tchibo-Familie Herz und der Mitgründer Gregor Gerlach sind, zum Preis von 23 Euro an die Börse gegangen. Am vergangenen Freitag notierte das Papier bei 6,20 Euro.

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