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René Obermann im Gespräch : „Die Telekom muss so schnell wachsen wie die Volkswirtschaft“

  • -Aktualisiert am

René Obermann: „Wir erhöhen unsere Beweglichkeit” Bild: Michael Hauri

Die Telekom steht vor einer neuen Phase: Nach dem Verkauf des Amerikageschäfts soll der Konzern bis 2015 zu Wachstum aus eigener Kraft zurückfinden. Noch steckt allerdings einiges in den Kinderschuhen, sagt Telekom-Chef Obermann.

          Die Deutsche Telekom ist eine Dauerbaustelle. Seit seinem Amtsantritt vor viereinhalb Jahren baut René Obermann den Telefonkonzern um. Phase eins war die Sanierung des Deutschlandgeschäfts. Dann folgte die „Portfolioverbesserung“ auf den internationalen Märkten mit dem geplanten Verkauf des amerikanischen Mobilfunkgeschäfts als wichtigstem Schritt. „Er schafft die Grundvoraussetzung für die strategische Transformation der Telekom. Das ist Phase drei, in die wir jetzt eintreten“, sagte Obermann im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Telekom-Chef will den Konzern aus der Abhängigkeit vom traditionellen Netzgeschäft mit seinen regulierten Preisen und sinkenden Margen lösen. Geschäftsfelder wie das mobile Internet, zusätzliche Angebote rund um das Web und Cloud-gestützte Dienste für Geschäftskunden sollen in Zukunft rund die Hälfte zum Umsatz beisteuern und die Telekom zurück auf Wachstumskurs bringen.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          „Wir haben uns vorgenommen, langfristig wieder im Gleichschritt mit der Volkswirtschaft zu wachsen“, beschreibt Obermann den Kurs. „Das ist für unsere Industrie ein nicht unambitioniertes Ziel.“ Schließlich ist der schrumpfende deutsche Markt jetzt wieder der Kern des einstigen „Global Players“. Wie lange das dauern wird? „Unsere Planung läuft bis 2015, und wenn wir weiterhin so erfolgreich sind wie 2010, müssten wir es in diesem Zeitraum schaffen.“ Dazu müsse der Konzern in seine Wachstumsfelder investieren. „Dafür benötigen wir die Mittel und finanzielle Flexibilität, die uns der Verkauf von T-Mobile USA verschafft“, sagt Obermann. Trotz des großen Widerstands in Amerika ist er überzeugt, die Aufsichtsbehörden vom Nutzen der Übernahme überzeugen zu können. „Der Wettbewerb in den Vereinigten Staaten wird sehr intensiv bleiben.“

          Luft nach oben für die Aktie

          Die Trennung vom Amerikageschäft wird den Konzernumsatz der Telekom zunächst um mehr als ein Viertel senken. Statt in Investitionen will die Telekom den Verkaufserlös von 39 Milliarden Dollar überwiegend in den Aktienrückkauf und den Schuldenabbau stecken. Für Obermann ist das kein Gegensatz. „Im Ergebnis steigern wir den Wert der Telekom und erhöhen unsere Beweglichkeit.“ Die Verbindlichkeiten würden deutlich reduziert, die Zahl der dividendenberechtigten Telekom-Aktien sinke, und aus der AT&T-Beteiligung winke eine Ausschüttung. „Das sind Kostensenkungen und Mehreinnahmen, die aus heutiger Sicht zusammen rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr ausmachen“, rechnet Obermann vor.

          Dass die Telekom die Vorzüge einer soliden Bilanz herausstellt, um die defensive Mittelverwendung zu rechtfertigen, kommt überraschend. Der Hinweis auf die gute Bonität und stabile Verschuldungskennzahlen gehörte seit Obermanns Amtsantritt zum Standardrepertoire. Der Vorstandschef sagt trotzdem, er könne keinen Unterschied zu früheren Aussagen entdecken. „Wir haben schon vorher gesagt, dass wir uns mit einem niedrigeren Verschuldungsgrad wohler fühlen.“

          Ob der Kurswechsel genügt, um dem Kurs der Telekom-Aktie neuen Schwung zu verleihen? „Wenn wir den Umbau konsequent fortsetzen und erfolgreich sind, werden davon auch die Aktionäre profitieren“, sagt Obermann. „Unabhängige Experten“ sähen für die Aktie auch nach dem Kurssprung nach der Verkaufsankündigung noch Luft nach oben. Mehr kommt dem Vorstandschef, dessen Vertrag kürzlich um fünf Jahre bis 2016 verlängert worden ist, zu diesem Thema nicht über die Lippen. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte er noch die Devise ausgegeben, dass sich die Telekom-Aktie mindestens im Gleichschritt mit der Branche entwickeln müsse. Für die kommenden Jahre will er sich nicht einmal zu einer Neuauflage dieser Aussage bewegen lassen. Zurückblickend allerdings sieht er sich bestätigt. „Wir haben den Anschluss an die Branche wiedergefunden, vor allem, wenn man das Gesamtergebnis aus Kurs und Dividende sieht.“

          „Wir wollen nicht nur zählen, messen und übertragen“

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